Landlose erinnern an blutigen Polizeieinsatz

7. Juni 2006, 11:38
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Zehn Jahre nach Massaker erst zwei Verantwortliche verurteilt

Rio de Janeiro - Gegen die schleppende juristische Aufarbeitung eines Massakers vor zehn Jahren haben in ganz Brasilien zehntausende Landlose demonstriert. Protestzüge in mehreren Städten erinnerten an eine Straßenblockade von Landlosen am 17. April 1996 in der zentralbrasilianischen Stadt Eldorado dos Carajas, die von der Polizei blutig aufgelöst worden war.

Die Polizei schoss damals auf die 3000 protestierenden Familien und tötete 19 Menschen. Mehrere hundert Menschen wurden damals verletzt, 69 blieben verstümmelt. Von den damals 155 Polizisten im Einsatz wurden 144 angeklagt, aber bisher nur zwei verurteilt. Auch diese beiden Polizisten sind weiterhin auf freiem Fuß. Zu den Protesten hatte die Bewegung der landlosen Landarbeiter (MST) aufgerufen.

Internationaler Tag des Kampfes der Bauern

Zur Erinnerung an die Opfer vor zehn Jahren wurde der 17. April von der internationalen Bauernbewegung Via Campesina als internationaler Tag des Kampfes der Bauern ausgerufen, von der brasilianischen Regierung zum nationalen Tag zum Kampf für die Landreform.

Die MST fordert eine umfassende Landreform und für 150.000 Familien von Landlosen eigene Grundstücke. Insgesamt gibt es in Brasilien 4,6 Millionen Landlosenfamilien. Brasilien weist die zweitstärkste Landbesitzkonzentration in Lateinamerika auf. Nur rund 26.000 Landbesitzern gehören 46 Prozent der brasilianischen Grundstücke. (APA)

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