Geschützt gegen Gürtelrose

29. Jänner 2007, 14:29
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Herpes Zoster, besser bekannt als Gürtelrose, ist keine dramatische Infektion - Eine neue Impfung soll schon bald schützen können

Aber die Neuralgien an den betroffenen Hautstellen können Jahre andauern. Die bisherige Behandlung: eine medikamentöse Therapie mit Mitteln wie Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir. Wenn damit kurz nach der Erkrankung begonnen wurde, wurde der größte Behandlungserfolg erzielt. Doch bei manchen Patienten sind die Schmerzen extrem stark, immer wieder sind Depression eine Folge dieser Erkrankung, die vor allem ältere Menschen befällt.

Ab Anfang 2007 könnten Patienten mit Gürtelrose allerdings Geschichte sein. Denn aller Voraussicht nach wird erstmals eine Impfung gegen diese schmerzhafte und langwierige Erkrankung auf den Markt kommen.

Neuer Impfstoff

Eine amerikanische Forschungsgruppe hat den neuen, hochpotenten Impfstoff in einer umfassenden Studie an 38.546 Menschen im Alter von über 60 Jahren getestet. Die europäische Arzneimittelagentur (EMEA) hat den Antrag auf Zulassung bereits positiv bewertet. Die restlichen Genehmigungsverfahren sind im Laufen.

"Wenn man weiß, wie unangenehm die Gürtelrose sein kann, muss man sagen, dass das ein echter Hoffnungsschimmer für die ältere Generation ist", meint Heidemarie Holzmann, Virologin und Professorin an der Wiener Medizinuniversität. "Es gibt Medikamente, die die Virusvermehrung stoppen. Aber gegen die Neuralgie sind wir meistens machtlos."

Wirkungsweise Die Idee hinter dem neuen Impfstoff ist simpel: Die Gürtelrose ist so etwas wie ein Folgeschaden nach Windpocken. Sie werden durch das Herpes-Zoster-Virus ausgelöst. Dieses Virus ist so hochinfektiös, dass ihm kaum jemand entrinnen kann, und fast alle Erwachsenen tragen ihn schlummernd in sich. Nach Jahren oder Jahrzehnten kann es aus bisher ungeklärten Gründen zu einem neuen Ausbruch kommen: und zwar in Form von Gürtelrose.

Die US-Forscher injizierten älteren Menschen einfach eine 14fache Dosis des Impf serums gegen die Windpocken. Dadurch wird, grob vereinfacht, der Körper an die Infektion erinnert und das Immunsystem bekommt gleichsam einen Kick.

Studienerfolg

Die Ergebnisse der amerikanischen Riesenstudie, in der insgesamt 19.270 Menschen geimpft wurden und 19.276 ein Placebo erhielten: Die geimpften Versuchspersonen hatten um 51 Prozent weniger akute Ausbrüche von Gürtelrose als die nicht geimpften. Die Neuralgiefälle gingen um 66,5 Prozent zurück. Und ganz deutlich, nämlich um 61 Prozent, konnte auch die so genannte "burden of illness" - damit wird sowohl die Schwere und die Dauer der Schmerzen als auch das Ausmaß des Unwohlseins bezeichnet - gesenkt werden.

Wer sollte sich impfen lassen? Virologin Holzmann, die auch im Impfausschuss des obersten Sanitätsrates sitzt: "Ich würde es allen immunologisch gesunden Personen ab einem Alter von 60 Jahren raten." (DER STANDARD, Printausgabe,lack, 18. 4. 2006)

  • Nahaufnahme: Herpes-Zoster-Virus unter dem Mikroskop. Der Auslöser für Gürtelrose kann jahrelang unbemerkt im Körper schlummern, bevor er ausbricht
    foto: medstandard/bweems

    Nahaufnahme: Herpes-Zoster-Virus unter dem Mikroskop. Der Auslöser für Gürtelrose kann jahrelang unbemerkt im Körper schlummern, bevor er ausbricht

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