"Störtebeker": Kopflose Abenteuer

4. Juli 2006, 21:38
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Eine ARD-Produktion, die Hoffnung auf höhere Qualität als vergleichbare Sat.1-, Pro7- und RTL-Filme gab

"Gottes Freund und aller Welt Feind", schreit der Pirat, bevor ihm der Kopf abgeschlagen wird. Um eine Wette mit seinen Henkern zu gewinnen, steht sein kopfloser Körper auf und schreitet die Reihe der Kampfgefährten ab. Jene, an denen er vorbeikommt, entgehen dem Tod.

Eine wunderbare Legende über das Lebensende des bekanntesten deutschen Freibeuters. Sie steht auch am Ende des Fernsehzweiteilers "Störtebeker", der Samstag- und Sonntagabend als Teil der österlichen Filmflut über den Äther plätscherte. Eine ARD-Produktion, was Hoffnung auf höhere Qualität als vergleichbare Sat.1-, Pro7- und RTL-Filme gab.

Unfreiwillig komische Dialoge

Der erste Teil brauchte nicht lange, um solche Hoffnungen zu zerstören: Die Kostüme mit ihren stets frisch gewaschenen und gekämmten Trägern, die Ausstattung insgesamt, waren in ihrer Sterilität und Fantasielosigkeit nicht in der Lage, in die mittelalterliche Welt hineinzuziehen. Genauso wie die manchmal unfreiwillig komischen Dialoge einer Jetzt-Welt in (versuchtem) historischem Anstrich und Kampfszenen, die eher in Matrix gehören als in Mittelalter-Imaginationen.

Eine relativ gut gezeichnete Genese des Helden konnte da nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass der Versuch, den Stoff für ein Massenpublikum aufzubereiten und dabei fantasievoll und originell zu bleiben, misslang. Es könnte mittlerweile besser gehen, denn solche Geschichten funktionieren noch genau gleich, mit demselben Motivinventar wie Groschenhefte aus dem 19. Jahrhundert. (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2006)

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