Ein dem STANDARD vorliegendes Gesprächsprotokoll stellt Anton Polsters Behauptung, nie einen Putsch geplant zu haben, in einen neuen Zusammenhang
War Anton Polster doch schon als Generalmanager bestrebt, Magna durch andere Sponsoren zu ersetzen?
***Wien - "Schon mindestens seit dem Treffen im Dommayer war mir ausdrücklich klar, dass Polster an einem Totalumbruch in der Vereinsführung der Wiener Austria arbeitet. Nun (nach dem 15. 4. '05) war diese Absicht noch konkreter." Zitat aus einem Gesprächsprotokoll, das am 8. 2. 2006 in der Europa-Zentrale von Magna während eines Treffens zwischen Robert Leither (Betriebsführer der Reinigungsfirma CLG, Sponsorkonsulent der Austria) und Franz Schnabl (Magna Corp. Security) aufgezeichnet wurde. Die Richtigkeit des Protokolls wurde dem STANDARD von Leither und Schnabl bestätigt. DER STANDARD erklärt ausdrücklich, sich nicht mit dem Inhalt des Papiers zu identifizieren, das auch nicht als Beweis für Polsters Handlungen gelten kann, sondern bloß die Sicht eines Beteiligten darstellt. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.
Konzentriert vorantreiben
Der Kontakt zwischen Leither und Polster beginnt am 14. 2. 2005 in Polsters Austria-Büro im Horr-Stadion. Das Protokoll endet mit dem 31. 5. 2005 im Büro des Anwalts Skender Fani. Am letzten protokollierten Termin (11 Uhr) Leithers mit Polster wurde zum wiederholten Mal "noch über Sponsoraktivitäten gesprochen und auch das gemeinsame Austria-Neu-Ziel bekräftigt". Der von Michael Wall (Bauunternehmer) "und Fani schon am 19. 5. erörterte ,Geheimhaltungsvertrag' wird diskutiert. Dies vor dem Hintergrund, nunmehr die Aktivitäten (Austria-Neu) konzentriert voranzutreiben, allerdings die Ansprüche (gemeint wahrscheinlich Polster) nicht zu gefährden."
Drei Monate vorher spannt Polster Leither als Sponsorkeiler ein, ein Termin mit Hannes Frei (Raiffeisen) wird vereinbart (22. 2. 2005), doch Frei winkt bezüglich "Thema Hauptsponsoring wegen der Raiba-Aktivitäten ums Ö. Nationalteam" ab, "aber ein Sponsoringpaket über ein paar hunderttausend Euro (wird) in Aussicht gestellt". Irgendwann zwischen dem 28. 2. und dem 3. 4. 2005 meint Polster zu Leither, man möge sich Zeit mit der Sponsorsuche lassen, weil es Troubles zwischen Polster und Stronach gebe. "Bei diesen Telefonaten führte Polster auch aus, dass er eine ,Partie' habe, die hinter ihm stehe." Namen nannte Polster nicht, meinte aber, es seien "Alt-Austrianer". "Die ,Partie' werde dafür sorgen, dass Stronach ,abg'sagelt' werde."
"Dampfplauderer"
Stronach setzt doch nicht den Dänen Morten Olsen als Trainer (statt Günter Kronsteiner) ein. Polster reagiert laut Protokoll so: "Jetzt muss endlich die Austria neu aufgestellt werden. Das mit Roth-neusiedl wird sowieso nichts, weil der Stronach nur ein Dampfplauderer ist."
Am 15. 4. 2005 lernt Leither dann im Meinl am Graben Helmut Denk kennen, der im Herbst darauf den "Putschversuch" gegen Stronach versucht. Er endete mit der Kündigung des Magna-Betriebsführungsvertrages. Polster bezeichnet das anwesende "Grundteam" (Polster, Leither, Wall, Denk) als fähig, "die Austria neu zu organisieren". Wall habe "als Bauunternehmer beste Kontakte ins Rathaus, insb. zur MA 21".
Die Austria-Kuratoren Robert Nowikowski und Martin Schlaf werden (Polster berichtete) "als mögliche Liegenschaftskäufer" in Rothneusiedl bezeichnet. Das letzte gemeinsame Interesse Frank Stronachs und der "Austria-Partie": Rothneusiedl. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 18.4. 2006)