Polster konspirierte gegen Magna

13. Mai 2006, 21:28
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Frisch Entlassener initiierte im Juni 2005 ein Treffen zum Thema "Austria neu" - Unter anderem dabei: Markus Kraetschmer, Herbert Prohaska und Skender Fani

Wien - Am kommenden Mittwoch endet die Berufungsfrist im Arbeitsgerichtsprozess Anton Polster gegen Austria Magna. Man darf von einer Berufung der Austria Magna ausgehen, im Vorfeld der zweiten Runde wurde dem STANDARD ein Dokument zugespielt, das auf das Verhältnis Polsters zu seinem ehemaligen Dienstgeber ein hartes neues Licht wirft. Von Johann Skocek.

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Am 23. Juni 2005 treffen einander sechs honorige Herren beim Plachutta in Hietzing. Das Ziel der Zusammenkunft ist ein Gespräch über das Projekt "Stadionerrichtung und Neuformierung des FK Austria Wien". Zu diesem Zeitpunkt ist Austrias Generalmanager Anton Polster seit rund drei Wochen fristlos Entlassener. Polster lädt nach Aussage des ebenfalls herbei gebetenen Austria-Manager Markus Kraetschmer noch folgende Männer ein: seinen Berater und Anwalt Skender Fani, den späteren Austria-Sponsorkonsulenten Robert Leither, einen Herrn Michael Wall, der angeblich für Raiffeisen arbeitet und Herbert Prohaska. Sie alle unterzeichnen am Ende der Sitzung ein Papier, das mit dem Titel "Geheimhalteabkommen" versehen ist. "Zweck dieser Vereinbarung ist die gegenseitige Verpflichtung zur Geheimhaltung aller wirtschaftlichen und fachlichen Informationen zu dem Bereich/im Rahmen des Projekts."

Weiters wird vereinbart, dass alle "Rechte am geistigen Eigentum wie Studien, Konzepte, Organigramme, Verhandlungsergebnisse, Finanzierungszusagen oder sonst. Zusagen, Pläne, Konstruktionen, Verträge, u. ä. bleiben beim Urheber." Der Umgang mit Informationen wird geregelt, sogar eine Konventionalstrafe bei Zuwiderhandeln (100.000 Euro) vereinbart, die Laufzeit der Geheimhaltungsverpflichtung wird mit fünf Jahren "ab Übergabe der Informationen" vereinbart.

Dementis

Bekanntlich bestritten Fani ("völliger Unsinn") und Prohaska ("kompletter Schwachsinn"), der übrigens zu dieser Vereinbarung nicht Stellung nehmen wollte, im Herbst 2005 vehement, dass an einer "Austria neu" gearbeitet werde. Das dem STANDARD vorliegende Papier stellt diese Aussagen nun in einen neuen Kontext. Allerdings stellt Fani fest, dass das Treffen im Juni 2005 ihn an das "Hornberger Schießen" erinnere, es sei auch nachher nie wieder in diese Richtung gedacht und gearbeitet worden. Er habe zwar Polster und Prohaska privat getroffen, Leither, Wall und Kraetschmer aber nicht.

Es ist durchaus möglich, dass Monate nach der Geheimsitzung tatsächlich nicht mehr an einer "Austria neu" gearbeitet wurde, aber unwahrscheinlich ist, dass die Herrschaften damals in Absicht zusammen kamen, nichts weiter zu bringen. Polsters Interesse an einer Ablöse Stronachs als Austria-Betriebsführer kann aus seinen regelmäßig erfolgenden Aussagen geschlossen werden, wie wenig die derzeitige Austria mit der Austria, die er liebt, zu tun habe.

Kraetschmer: "Würde nicht mehr hingehen"

Bemerkenswerterweise nahm an der Sitzung beim Plachutta auch der Austria-Magna-Angestellte Kraetschmer teil. Während alle anderen zu diesem Zeitpunkt frei waren, Stronach als Austrias Betriebsführer zu kritisieren und an seiner Ablöse zu arbeiten, bedeutet das Dienstverhältnis im Falle Kraetschmer eine klare Einschränkung. Kraetschmer bekennt sich im Gespräch mit dem STANDARD zumindest schuldig, "eine gewisse Naivität" an den Tag gelegt und "als Erstes an die Austria" gedacht zu haben. "Heute würde ich dort nicht mehr hingehen wenn ich vorher wüsste, wer an dem Tisch sitzt und ich würde ein solches Papier auch nicht mehr unterschreiben." Vor wenigen Wochen unterrichtete Kraetschmer seinen Dienstgeber Stronach von der Geschichte, laut Kraetschmer hat Stronach die nach Monaten des Schweigens eingetretene "volle Ehrlichkeit" Kraetschmers insofern honoriert, als dienstrechtliche Konsequenzen nunmehr unwahrscheinlich erscheinen.

Relevanz für Polster-Prozess

Kraetschmer bestätigte übrigens die Theorie, dass die Magna-Anwälte überlegen, die Vereinbarung in welcher Art und Weise immer als Instrument im Arbeitsgerichtsprozess gegen Polster einzusetzen. Eine der Fragen scheint zu sein, ob die Vorlaufzeit von Polsters Initiative in die Zeit seines aufrechten Dienstverhältnisses (Entlassung: 28. Mai 2005) reicht und damit ein Entlassungsgrund konstruiert werden kann.

Robert Leither, mit 22. 11. 2005 per Schriftstück (unterzeichnet von Markus Kraetschmer) mit einer Berechtigung ausgestattet, "mit interessierten Unternehmen über Sponsorvereinbarungen für den FK Austria Magna zu sprechen und Konzepte zu erarbeiten", bestätigte dem STANDARD das Geheimtreffen ebenfalls. Als einziger der Geheimhaltenden meint er freilich, es habe "Vorarbeiten seit April oder Mai" zu diesem Treffen gegeben. Unter anderem, so Leither, zwischen ihm und Kraetschmer.

Jedenfalls will Polster per Gericht für die gesamte Laufzeit seines Vertrags (bis Ende Juni 2007) von Magna bezahlt werden, er verlangte übrigens rund 1,2 Millionen Euro, erhielt gerichtlich rund 500.000 Euro zugesprochen, blitzte also mit rund 700.000 Euro in erster Instanz ab. Das Geheimhaltungsabkommen fällt in die Vertragszeit, ob es sich mit einem Anspruch auf volle Abgeltung durch Magna vereinbaren lässt, muss das Gericht entscheiden.

  • Die vier prominentesten Teilnehmer der Konspirationssitzung beim Plachutta.
    foto:montage/derstandard.at

    Die vier prominentesten Teilnehmer der Konspirationssitzung beim Plachutta.

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