"Unser Wissen soll nicht einfach verkommen"

12. Juni 2006, 14:07
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Ausgezeichnete Netzwerke und enormes Wissen werden oft besser gehütet als mancher Schatz. Nicht so bei den Mitgliedern des Austrian Senior Experts Pools

Ausgezeichnete Netzwerke und enormes Wissen werden von ihren "Besitzern" oft besser gehütet als mancher Schatz. Nicht so bei den Mitgliedern des Austrian Senior Experts Pools. Sie stellen beides vor allem Klein- und Mittelbetrieben zur Verfügung.

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Für die Gage eines älteren Arbeitnehmers werden oft lieber zwei jüngere beschäftigt. "Kaum jemand bedenkt, dass beim Wegrationalisieren eines älteren Arbeitnehmers viel an Erfahrung und Leistung verloren geht. Aber Erfahrung kann man nicht lernen, man kann sie nur erfahren, und das braucht seine Zeit", sagt Paul Habison, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des ASEP, des Austrian Senior Experts Pools.

Der ehemalige Generaldirektor von BASF schätzt, dass bei Streichung von fünf Prozent der Posten mindestens zehn Prozent der Leistung verloren gehen. Diesen Verlust zumindest ein wenig abzufedern ist das Ziel der 200 ASEP- Mitglieder. Sie stellen ihr Wissen, ihre Erfahrung und auch ihre Netzwerke vor allem Klein- und Mittelbetrieben, Jungunternehmern und Unternehmensgründern, aber auch Bildungseinrichtungen weit gehend kostenlos und uneigennützig zur Verfügung. "Wir haben ein Leben lang von der Allgemeinheit gelebt, jetzt wollen wir ihr etwas zurückgeben. Unser Wissen soll nicht verkommen", so Habison. Doch ganz so selbstlos ist das Engagement der ehemaligen Führungskräfte aus Industrie, Wirtschaft und Verwaltung nicht. "Durch das Engagement bei uns bleiben die Senior Experts aktiv, in ihren Netzwerken verhaftet, und sie fallen nicht in das gefürchtete Pensionsloch", gesteht der ASEP-Vorstand. 250 Euro pro Manntag kostet das Engagement eines Senior Experts im Inland, für einen Einsatz im Ausland wird das Doppelte verrechnet – dieser Betrag fließt an den Verein und wird etwa für Schulungen der Experts oder für Vorlaufkosten bei einem Einsatz verwendet; der Expert erhält in der Regel nur seine Spesen ersetzt.

Ein Projekt dauert im Durchschnitt ein bis zwei Quartale – wie oft die Experts im jeweiligen Unternehmen sind, hängt von der Zielsetzung ab. Ein bis zwei Tage pro Woche sind keine Seltenheit. Generationenkonflikte – wie sie etwa in Familienbetrieben vorkommen – erleben die Senior Experts nie. "Sie sägen an keinem Sessel, sind aufgrund ihres befristeten Einsatzes keine Konkurrenz, sind günstig, und sie sind nicht weisungsbefugt. Außerdem haben sich jene Unternehmen, die auf uns zukommen, bewusst dafür entschieden, den Rat einer älteren Führungskraft einzuholen. Und sie sehen, dass die Senior Experts, die auf jahrzehntelange Managementerfahrung zurückblicken, zusätzliche Werte und Entwicklungen schaffen", erklärt Habison.

Die Schwerpunkte der Experten, die – wie erwähnt – für heimische Unternehmen im In- und Ausland tätig werden, sind vielfältig: Sie reichen vom Management auf Zeit über Coaching, Mentoring und Controlling bis zum Projekt- und Qualitätsmanagement, der Beratung bei der Unternehmensnachfolge oder der Vermarktung von Resultaten angewandter Forschung. Dass dadurch etwa Unternehmensberater eine Konkurrenz wittern könnten, schließt Habsion aus: "Unternehmensberater entwickeln Konzepte, wir setzen sie um." Dass der Abbau älterer Mitarbeiters nicht in jedem Fall der beste Weg ist, erkennen mittlerweile immer mehr Betriebe, sagt Habison. Über mangelnde Auslastung könnten sich die reifen Manager auf Zeit nicht beklagen. (DER STANDARD, Printausgabe vom 15./16.4.2006)

Von
Ursula Rischanek
  • Artikelbild
    bild: photodisc
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