Streit um Impfung für Zoo-Vögel

9. Juli 2006, 18:49
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Tiergärten werfen Gesundheitsministerin Blockade vor

Linz/Wien – 101-mal wurde das H5N1-Virus seit Februar 2006 in Österreich nachgewiesen, 2219 Vögel wurden untersucht. "Trotz Vermehrung der Fälle ist österreichisches Geflügel sicher", garantierte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) am Freitag.

Entschieden anderes sieht man dies derzeit in den heimischen Tiergärten. Die Vereinigung der wissenschaftlich geführten österreichischen Zoos (OZO) bangt um ihren Vogelbestand und versucht seit Monaten eine Genehmigung für eine Schutzimpfung zu erreichen – bis dato erfolglos.

"Gebot der Stunde"

Eine entsprechende Impfung sei aber "das Gebot der Stunde", doch das Ministerium blockiere die Weiteleitung des Antrags nach Brüssel, kritisiert Andreas Artmann, Direktor vom Zoo Schmiding in Wels. Der Impfstoff basiere auf dem zum Vogelgrippe H5N1 nahe verwandten H5N2 Stamm. "Er hat einerseits eine gute Wirksamkeit gegen H5N1, andererseits können geimpfte von infizierten Vögeln unterschieden werden", so Artmann. Vonseiten des Ministeriums erteilt man dem OZO-Wunsch eine klare Abfuhr: "Der Antrag ist mangelhaft und wir bauen uns nicht selbst ein trojanisches Pferd auf. Die OZO muss nachbessern", so Ulrich Herzog, leitender Veterinärbeamter im Gesundheitsministerium. Hauptkritikpunkt sei die "nicht garantierte Standortsicherheit". Solange Zoo- Vögel mit Wildvögel in Berührung kommen können, werde es auch diese Impfungen nicht geben, so Herzog. Außerdem sei der Impfstoff erst in vier Staaten genehmigt worden. "Stimmt nicht. Es gibt eine Liste mit 15 europäischen Staaten. Der Impfstoff sei ja gerade für Vögel, bei denen sich ein Kontakt mit Wildwasservögeln nicht vermeiden lässt", entgegnet Artmann. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD – Printausgabe, 14. April 2006)

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