"Kirchen-Sliwowitz" für Touristen

26. Mai 2006, 15:13
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Polen will regionale Schnapsbrennereien legalisieren - Ein Mann Gottes hat auch schon Ideen für die gewinnbringende Nutzung "geistiger" Produkte

Polnische Gemeinden werden bald selber Alkoholika produzieren und diese legal als Regionalprodukte verkaufen können. Die Regierung in Warschau arbeitet an den entsprechenden Bestimmungen. Dafür wurde eine gemeinsame Sonderkommission der Ministerien für Landwirtschaft und Finanzen einberufen, berichtete am heutigen Donnerstag die "Gazeta Wyborcza". Ein Dorfpfarrer plant unterdessen, "Kirchen-Sliwowitz" für Touristen zu verkaufen.

Bisher sieht das Gesetz für illegale Alkoholproduktion ein Jahr Gefängnis vor. Das Problem beruht aber darauf, dass kaum jemand das Gesetz beachtet und sich in der Produktion von schwarzgebranntem Schnaps sogar lokale Selbstverwaltungen engagieren. In vielen Regionen hat die Herstellung von örtlichen Alkoholgetränken eine lange Tradition. "Der Sliwowitz erscheint bei Volksfesten, aber es ist verboten, ihn zu verkaufen. Wir möchten endlich Schluss mit dem Unfug machen", sagte gegenüber der "Gazeta Wyborcza" Franciszek Mlynarczyk, ein Mitglied der Sonderkommission und der Bürgermeister (Vogt) der südpolnischen Gemeinde Lack, wo der in ganz Polen berühmte Sliwowitz gebrannt wird.

Legale Branntwein-Brennereien

Laut der Zeitung sei Landwirtschaftsminister Krzysztof Jurgiel ein Befürworter der Legalisierung von lokalen Branntwein-Brennereien. Nach dem Entwurf des neuen Gesetzes könnte in jeder Gemeinde eine offizielle Brennerei in Betrieb sein, in der jeder Bauer seine Ernte in den regionalen Alkohol verarbeiten könnte. Mlynarczyk schätzt die künftige Jahresproduktion der regionalen Spirituosen auf 500.000 Liter. Diese Menge könne die großen Alkohol-Produzenten nicht bedrohen.

Regionale Alkoholika können aber auch zu gefragten Touristenattraktionen werden. Ein Pfarrer aus einem Dorf bei Chelm kündigte an, in der Gemeinde Sliwowitz zu produzieren und das Tröpfchen an Touristen zu verkaufen. Er beantragte bereits die Registrierung des Sliwowitz aus Chelm als lokales Traditionsprodukt. (APA)

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