Fiktiver Streit um echte Themen

24. Jänner 2007, 11:22
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Juristische Moot Courts erfreuen sich steigender Beliebtheit - in Wien fand der größte internationale Schieds­rechts­wettbewerb statt

Wenn sich hunderte StudentInnen aus aller Welt treffen, um einen juristischen Fall zu verhandeln, dann ist wieder Moot Court-Zeit. Diese Art des juristischen Wettbewerbs hat eine lange Tradition und wird auch in Österreich immer beliebter. Kurz erklärt: Ein Rechtsproblem wird von StudentInnen verschiedener Länder vor Publikum verhandelt, die studentischen Leistungen werden von ExpertInnen bewertet. In den vergangenen Tagen fand in Wien der William C. VIS International Commercial Arbitration Moot Court 2005/2006 statt.

Steigende Beliebtheit

Bei der dreizehnten Durchführung des Wettbewerbs nahmen diesmal neben 900 Studierenden aus 158 internationalen Universitäten etwa 400 internationale Experten der betroffenen Rechtsgebiete (ProfessorInnen, RichterInnen, RechtsanwältInnen) teil. Der Höhepunkt: Die Verhandlung vor Publikum.

Bevor es ans Verhandeln geht, investierten die StudentInnen allerdings reichlich Zeit in die Vorbereitung - was von der Universität Wien auch insofern belohnt wird, als man sich die Teilnahme am Moot als Seminar anrechnen lassen kann.

Der Fall wird immer am ersten Freitag im Oktober an die Teams versendet. Darüber ist bis Anfang Dezember ein Memorandum für die klagende Partei (30 Seiten mit Fußnoten und Bibliographie) und bis Mitte Februar ist ein Memorandum für die beklagte Partei zu erstellen. Erst danach folgt die mündliche Phase - die beim William C. VIS Moot traditionell in der Karwoche in Wien stattfindet. Nach Plädoyers auf Kläger- und Beklagtenseite steigen die besten 16 Teams in die Finalrunde auf, die nach dem "Knock-out-System" gestaltet sind.

UN-Kaufrecht

Was den William C. VIS International Commercial Arbitration Moot Court von anderen, ähnlichen Wettbewerben unterscheidet? Der materielle Teil des Falles betrifft immer das UN-Kaufrecht, der prozessrechtliche Teil richtet sich nach verschiedenen Schiedsverfahrensregeln. In diesem Jahr ging es um den Kauf einer Druckmaschine, die nicht die zugesichterten Eigenschaften aufwies, berichtet die Betreuerin der Wiener StudentInnen, Rechtsanwältin Dr. Alice Fremuth-Wolf.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Richterin Dr. Sonja Niederberger, bereitet sie die Studierenden auf die Verhandlungen vor. Dass sie die beiden Betreuerinnen für den Schiedsrechtsbereich interessieren, liegt unter anderem daran, dass beide ihre Karrieren als AssistentInnen im Zivilverfahrensrechtsinstitut der Uni Wien begonnen haben - das noch heute die treibende Kraft hinter dem Moot Court darstellt und sich um die Organisation von Räumen, PC-Ausrüstungen, Sponsoren oder Büchern kümmert.

Erfolge für Wien

Die Uni Wien hatte in den vergangenen Jahren beträchtliche Erfolge vorzuweisen, und auch diese Jahr konnten sich die Ergebnisse sehen lassen: Gewonnen hat das Team von Queen Mary and Westfield College (London) gegen Stetson University (die Sieger des letzten Jahres, gegen die die Uni Wien in der Runde der "Best of 16" ausgeschieden ist). Das Wiener Team schaffte es in jede Preiskategorie und erhielt dort zumindest eine "Honorable Mention" - eine hoch geschätzte würdigende Erwähnung vor dem Festpublikum.

Im Detail konnte sich das Wiener Team über den 2. Platz "Best Speakers" (Christopher Nahler), eine Honorable Mention "Best Speakers" (Marianne Kern), und eine Honorable Mention für beide Memoranda (Claimant und Respondent) freuen. "Das ist vor allem beachtlich, wenn man bedenkt, dass der Moot in Englisch stattfindet und wir gegen viele Native Speaker antreten", erklärt Betreuerin Fremuth-Wolf.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, und im Rahmen seines Jus-Studiums am nächsten Moot Court teilnehmen will, der findet Informationen auf der Homepage des ZGV-Institutes. Im Laufe des Sommers werden Info-Veranstaltungen für den nächstjährigen Wettbewerb abgehalten.

  • Die TeilnehmerInnen: Christopher Nahler, Marianne Kern, Anna Bladh, Andreas Geroldinger, Julia Moser, Karl Frewein, Florian Knotzer und Maria Steiner. Unterstützt von Alice Fremuth-Wolf (Rechtsanwältin und Mediatorin) und Sonja Niederberger (Richterin, BG I) sowie dem Institut für ZGV an der Uni Wien.

 

Unterstützt von:

 

Mag Natascha Tunkel (Institut für ZGV)

Mag Christian Koller (Institut für ZGV)

Mag Cecile Bervoets (vormals Institut für ZGV, jetzt FMA)

 

Zuständiges Institut und zuständige Professorin auf der Uni:

 

Institut für ZGV, Univ-Prof Dr Ena-Marils Bajons

    Die TeilnehmerInnen: Christopher Nahler, Marianne Kern, Anna Bladh, Andreas Geroldinger, Julia Moser, Karl Frewein, Florian Knotzer und Maria Steiner. Unterstützt von Alice Fremuth-Wolf (Rechtsanwältin und Mediatorin) und Sonja Niederberger (Richterin, BG I) sowie dem Institut für ZGV an der Uni Wien. Unterstützt von: Mag Natascha Tunkel (Institut für ZGV) Mag Christian Koller (Institut für ZGV) Mag Cecile Bervoets (vormals Institut für ZGV, jetzt FMA) Zuständiges Institut und zuständige Professorin auf der Uni: Institut für ZGV, Univ-Prof Dr Ena-Marils Bajons

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