Die grüne Oase

26. Juli 2007, 12:33
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Einen Ort des Friedens, der Heilung und der Harmonie zu schaffen ist das Ziel der traditionellen Gartenbaukunst

Egal ob Fensterbank oder Balkon. Wintergarten oder Grundstück. Die Kriterien zur kunstvollen Planung und Einrichtung der "Grünanlage" bleiben bei allen Größen gleich.

Ein Gärtner, der asiatische Gestaltungskriterien einsetzt, sieht es als kreative Herausforderung an, den bestehenden Garten und seine Landschaft so zu gestalten und sich entwickeln zu lassen, dass sich seine wahre Natur enthüllt. In der Praxis heißt das die acht taoistischen Grundprinzipien einhalten.

Die natürliche Schönheit erhalten

Die Zweige oder Halme von Pflanzen werden nicht verändert. Wachsen sie schief, sind sie schief. Werden Pflanzen geschnitten oder mit Kupferdraht in Form gebracht, dann nur um das natürliche Aussehen zu unterstreichen. Geometrische Formen, wie wir sie aus den Barockgärten kennen, blockieren die natürliche Lebensenergie.

Gleichgewicht von Yin und Yang

Die zwei Pole Yin und Yang stehen für das sanfte, weiche - weibliche Yin und das kraftvolle, aktive - männliche Yang. Diese beiden Pole können nur gemeinsam ihre Stärke entwickeln. Auf den Garten umgelegt heißt das: An einem besonders stillen Plätzchen (Yin) sorgt das Fließen eines Wassers (Yang) für ein harmonisches Gesamtes.

Leere und Stille

Jeder Garten sollte einen stillen Bereich haben. Diese Yin-betonte Stille und Leere wirkt als Ausgleich zu Geschwindigeit, Aktivität und Bewegung im Garten. Ein offener Teich, eine Sand- oder Felsmulde oder ein Hügel mit Höhlenöffnungen kann diese Leere erzeugen.

Harmonie der Größenverhältnisse

Um dem Garten Tiefe zu verleihen, sollte man die drei Proportionen Höhe, Tiefe und Breite berücksichtigen. Neue Element im Garten werden dabei auf bereits bestehende Größen abgestimmt.

Auf den ersten Blick ist nicht alles zu erfassen

Eines der wichtigsten Merkmale eines chinesischen Gartens ist, dass der Besucher nur wenige Dinge auf einmal sehen kann. Die einzelnen Geheimnisse des Gartens sollen nach und nach entdeckt werden.

Das Kleine birgt das Große

Die wahre Natur entfaltet sich laut diesem Prinzip im eigenen Garten. Selbst ein kleiner Garten ist eine Nachbildung der Natur mit all ihrer Kraft.

Die Energie folgt der Absicht

Dieses Prinzip vergleicht die Gartengestaltung mit der Landschaftsmalerei. Der Betrachter soll vom Geist des Künstlers berührt und inspiriert werden. Dies ist aber nur möglich, wenn die Landschaft und die Absicht des "Künstlers" harmonieren.

Übung macht den Meister

Im asiatischen Raum besteht der Lernprozess hauptsächlich aus Praxis, welcher auch in der Gartengestaltung große Bedeutung zukommt. Ein Weg zur Übung ist zum Beispiel der Bau von Miniaturgärten auf kleinen Flächen. (red)

Buchtipp

Dr. Jes T. Y. Lim
Tao-, Zen- und Feng Shui-Gartendesign
Grundlagen, Anwendungen, Praxisbeispiele

Bassermann Verlag;
ISBN-10: 3-8094-1900-1
ISBN-13: 978-3-8094-1900-6
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    foto: buchcover/bassermann
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