RWE in Übernahme-Euphorie

1. Juni 2006, 19:34
posten

Deutscher Energieriese will Führungsrolle in den Niederlanden und plant ein Groß-Kraftwerk um 1,5 Milliarden Euro

Essen - Der deutsche Energiekonzern RWE will in seinem europäischen Energiegeschäft weiter wachsen und plant den Bau eines Großkraftwerks in den Niederlanden. In dem Nachbarland will RWE künftig zum führenden Strom- und Gasunternehmen werden. Derzeit steht der in den Niederlanden weitgehend nur beim Gas aktive Konzern in diesem Geschäft auf Rang fünf. Das geplante Kraftwerk mit Investitionskosten von rund 1,5 Milliarden Euro könnte in den Jahren 2012 oder 2013 ans Netz gehen, kündigte der aus den Niederlanden stammende RWE-Chef Harry Roels am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Essen an.

Das kombinierte Steinkohle- und Biomassekraftwerk solle über eine Leistung von 1.600 bis 2.200 Megawatt verfügen. Mit Rotterdam Maasvlakte und Eemshaven würden derzeit zwei Küsten-Standorte geprüft.

Marktführerschaft

Langfristig wolle der RWE-Konzern, der in Österreich mit rund einem Drittel an der Kärntner Kelag beteiligt ist, zu den fünf führenden Strom- und Gasunternehmen in Europa gehören, kündigte Roels an. RWE werde angesichts einer momentanen "Übernahme-Euphorie" jedoch einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn dies nicht im Trend liege, so der Konzernchef. Diese zurückhaltende Haltung in Hinblick auf große Zukäufe werde auch ausdrücklich von allen großen institutionellen Investoren gebilligt.

"Enormes Investitionsprogramm"

"Ich möchte aber gar nicht verhehlen, dass auch wir nach dem Restrukturierungskurs der letzten Jahre wieder klar auf Wachstum setzen", sagte Roels. In Deutschland, wo RWE heute größter Stromerzeuger sei, plane das Unternehmen ein "enormes Investitionsprogramm", um seinen Marktanteil zu halten. So sei neben dem bereits im Bau befindlichen 2100 Megawatt-Braunkohlekraftwerk im rheinischen Neurath ein Steinkohlekraftwerk am Standort Hamm ins Auge gefasst.

Der Verkauf ihrer britischen Wasser-Tochter Thames Water will RWE bis zur Jahresmitte starten. Die Voraussetzungen sowohl für einen Börsengang als auch für einen Verkauf an langfristig orientierte Investoren seien derzeit günstig, so Roels.

Thames Water-Verkaufsstart bis Sommer

Die Vorbereitungen für den Börsengang der amerikanischen Wasser-Tochter American Water seien bereits angelaufen. Die Erlöse aus den geplanten Verkäufen könne RWE voraussichtlich erst im kommenden Jahr verbuchen, sagte Roels. Für den Kauf der beiden Töchter hatte RWE erst vor fünf Jahren fast 20 Mrd. Euro bezahlt, davon 8,7 Milliarden Euro für American Water.

Bekräftigt wurde bei der Hauptversammlung am Donnerstag auch die Jahresprognose. "Beim Nettoergebnis erwarten wir einen Anstieg um zehn bis 20 Prozent", sagte Roels laut Redetext. Das betriebliche Ergebnis solle um fünf bis zehn Prozent zulegen, fügte er hinzu. 2005 hatte der Energieriese sein Nettoergebnis um 4,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesteigert und das Betriebsergebnis um 3,8 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro erhöht. (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    RWE peilt die Führungsrolle in den Niederlanden an.

Share if you care.