Schadenssumme offenbar über zwei Milliarden Euro - Bawag dementiert

2. Mai 2006, 12:53
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Das Refco-Debakel und diverse Spekulations­geschäfte kosteten die Gewerkschaftsbank offenbar weit mehr als zwei Milliarden Euro

Wien - Die Schadenssumme, die der Bawag während der vergangenen zehn Jahre durch diverse Spekulationsgeschäfte inklusive dem Refco-Kredit entstanden sind, übersteigt offenbar die Zwei-Milliarden-Euro-Grenze bei weitem. Allein die durch Wolfgang Flöttl junior, den Sohn des früheren Generaldirektors, entstandenen Spekulationsverluste belaufen sich laut einem "News"-bericht inklusive Zinsen auf bis zu 1,8 Milliarden Euro. Dazu kommen weitere rund 350 Millionen Euro durch den 2005 vergebenen Refco-Kredit.

Laut dem Bericht ist die Finanzmarktaufsicht zum Schluss gekommen, dass in wenigstens acht Bilanzjahren Spekulationsverluste verschleiert wurden. 1994 und 1998 seien jeweils 500 Millionen Euro Verluste eingetreten, 2000 450 Millionen Euro. Dazu kämen noch zwischen 200 und 350 Millionen Euro an diversen Zinsen. Macht in Summe 1,65 bis 1,8 Milliarden Euro. Elsner bestreite die Höhe der 1994 angefallenen Verluste, bestätige dem Grunde nach aber die durch die Spekulationsgeschäfte eingetretenen enormen Schadenssummen. Er gebe an, neben ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch und Bawag-Aufsichtsratschef Günter Weninger "Teile des Aufsichtsrats" informiert zu haben. Der damalige Minderheitseigentümer Bayerische Landesbank sei nicht informiert worden.

Flöttl-Geständnis

Die Info-Illustrierte zitiert das schriftliche "Geständnis" von Wolfgang Flöttl gegenüber dem damaligen Bawag-Chef Helmut Elsner im Wortlaut. Es stammt laut "News" vom 8. Dezember 2000 und soll auf Druck von Elsner verfasst worden sein. In dem Papier gibt Flöttl zu, das mittlerweile berühmt-berüchtigte Geschäft mit den japanischen Zinsswaps "entgegen der vereinbarten Veranlagungsrisken und der vereinbarten Risokostreuung" gemacht zu haben. Er erklärt ferner, keinen persönlichen Vorteil aus der Transaktion gezogen zu haben und "nunmehr nahezu mittellos" zu sein.

Das Papier, von dem es keinen Durchschlag gebe, sei von Elsner in Verwahrung genommen worden. Die Bawag-Verantwortlichen hätten es erst vor wenigen Tagen zugespielt bekommen.

Dementi

Von der Bawag selbst werden die von "News" veröffentlichten Zahlen als "irreführend" zurückgewiesen. Eine detaillierte Untersuchung aller Geschäfte mit Gesellschaften von Flöttl, insbesondere der entstandenen Verluste aber auch der daraus resultierenden werthaltigen Vermögensteile ist derzeit in Arbeit.

Die Geschäfte der Bawag mit Gesellschaften von Flöttl wurden Ende des Jahres 2000 beendet. Der Gesamtverlust daraus betrug letztlich 999 Millionen Euro. Dieser Verlust wurde in den Bilanzen der vergangenen Jahre verkraftet. Offen ist lediglich eine Position in Höhe von 120 Millionen Euro, für die noch eine Haftung des Eigentümers besteht. (APA)

  • Die bisher angenommene Schadenssumme dürfte zu tief gegriffen sein.
    foto: derstandard.at

    Die bisher angenommene Schadenssumme dürfte zu tief gegriffen sein.

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