In Kärnten mahlen Mühlen langsam

4. Mai 2006, 19:04
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Noch keine gerichtlichen Vorerhebungen in der Causa, in der es um die Verbuchung eines 328 Millionen Euro schweren Verlusts geht

Wien – In der Causa Hypo Alpe-Adria-Bank mahlen die Mühlen der Justiz noch nicht sehr schnell. "Der Sachverhalt ist so komplex, dass es noch keine gerichtlichen Vorerhebungen gibt, derzeit sind erst sicherheitsbehördliche Erhebungen anhängig", teilte Carmen Riesinger, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Klagenfurter Landesgericht, dem STANDARD mit.

In diesem Verfahren, das das Landeskriminalamt in Klagenfurt durchführt, soll nun geklärt werden, ob Grund für ein gerichtliches Vorgehen gegeben ist und, wenn ja, gegen wen, heißt es. Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen einen so genannten Anfalls^bericht an ihre Oberbehörde in Graz abgeschickt.

Etwas mehr Licht im Dunkel gibt es in der Causa bereits, in der es um die Verbuchung eines 328 Mio. Euro schweren Verlusts nach einem schief gelaufenen Währungs-Swap-Geschäft 2004 geht.

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Wie berichtet, hat die Finanzmarktaufsicht Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, es bestehe der Verdacht der Bilanzfälschung. Denn: Der Schaden wurde‑ in der Bilanz 2004 nicht zur Gänze erfasst. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Tatsächlich hatten die Kärntner Banker ursprünglich 16 Swap-Kontrakte geschlossen. Nachdem die Verluste auf 328 Mio. Euro explodiert waren und man die Reißleine gezogen hatte, fanden die Kärntner zu einer Einigung mit ihren Geschäftspartnern in dem Deal – im Wesentlichen mit der Investmentbank Lehman Brothers. Vereinbart wurde, die Schuld in zehn Jahresraten zu begleichen – das Ganze dürfte wieder wie ein Swap konstruiert worden sein.

Das Geschäft wurde nicht wie ein Kredit, sondern im‑ Derivativbuch erfasst. Genau daran dürften sich die Wirtschaftsprüfer gestoßen haben, die ihre Testate für die Bilanz 2004 zurückgezogen und die FMA involviert hatten. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2006)

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    foto: derstandard.at
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