"Auch Hauptschüler leisten gute Arbeit"

Redaktion, 16. Februar 2007, 13:07
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    Bewerbungsgespräche werden in einem ersten Schritt simuliert, das Feedback ist über die allgemeine Datenbank abrufbar und dient zur Orientierung.

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    Ausbildungsplätze, die den Jugendlichen lange Zeit nicht zugetraut wurden, stehen im Rahmen des "Hamburger Hauptschulmodells" wieder offen.

Das "Hamburger Hauptschulmodell" sorgt für bessere Berufschancen und macht deutlich, dass HauptschülerInnen besser sind als ihr Ruf

Die Situation Jugendlicher, die in den letzten Jahren von den Medien oft gezeichnet wird, ist eine triste. Perspektivlosigkeit, fehlende Lehrstellen und verfehlte Integration treiben Blüte wie kürzlich in der Rütli-Hauptschule in Berlin. Vor allem Hauptschulen haben den Ruf, allgemein eher Problemschulen mit schlechtem Ausbildungsniveau zu sein. Oft zu unrecht, trotzdem haben HauptschülerInnen vor allem in Städten schlechtere Startbedingungen.

Kaum Ausbildungsplätze

Jüngst ergab beispielsweise die Schulabsolventenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), dass AbiturientInnen 2005 eine dreimal so hohe Chance auf einen Ausbildungsplatz wie HauptschülerInnen haben. Von 77 Prozent der HauptschülerInnen, die eine Lehrstelle anstreben, finden nur 42,9 Prozent eine Ausbildung im dualen System.

Insgesamt sind besorgniserregende 15 Prozent der Jugendlichen in Deutschland arbeitslos, Projekte, die versuchen, dem Problem entgegenzusteuern gibt es viele, ein besonders erfolgreiches wurde im letzten Jahr mit dem Carl-Bertelsmann-Preis 2005 ausgezeichnet.

Das "Hamburger Hauptschulmodell"

Das "Hamburger Hauptschulmodell" bietet HauptschülerInnen ein professionelles Netzwerk, das auch von Unternehmen und Behörden getragen wird. "Das besondere an dem Projekt ist, dass hier sowohl Unternehmen asl auch Wirtschaftsbehörde, Schulbehörde und Arbeitsagentur an einem Strang ziehen," erklärt Jens Prager von der Bertelsmann-Stiftung, wieso gerade dieses Modell zum Preisträger wurde, alle 109 Hamburger Hauptschulen schlossen sich diesem Netzwerk an. Eine Koordinierungstelle - finanziert aus Mitteln von Stadt, Bund und dem Europäischen Sozialfond - vermittelt zwischen den verschiedenen Parteien und sorgt dafür, dass alle auf ihre Rechnung kommen.

Betriebliche Ausbildung nach Interessenslage

SchülerInnen, die kurz vor dem Abschluss der Hauptschule stehen, lassen sich in der Koordinierungsstelle beraten, klären gemeinsam mit professionellen Coaches Stärken und Schwächen. Daneben steuert die Arbeitsagentur klassische Berufsberatung bei. Die Koordinierungsstelle übermittelt Namen und Schulnoten an interessierte Firmen, die wiederum die SchülerInnen zu Gesprächen unter realen Bedinungen eingeladen, das Feedback der Firmen landet in der Datenbank, auf die andere zugreifen können. Die Koordinierungsstelle sortiert.

Meist kristalliert sich bereits in dieser Phase heraus, zu welcher Firma welcher Schüler passen könnte. "Das ist gezieltes Matching, das hervorragend funktioniert", erklärt Jens Prager und hebt vor allem den Imagewandel der Hamburger HauptschülerInnen hervor. "In Metropolen müssen die Jugendlichen auch mit starker Konkurrenz aus den Bundesländern rechnen, in Hamburg ist aber mit dem Projekt das Bewusstsein bei den Unternehmern gewachsen, dass Hamburgs Hauptschüler gute Arbeit liefern." Und auch die Schulen können sich, seitdem die Koordinationsstelle vergleichbare Daten liefert, besser positionieren. "Unter den Schulen ist mittlerweile ein Wettbewerb um die bessere Vermittlungsquote entbrannt", so Prager. "Je besser die Quote, desto besser der Ruf der Schule."

Mehr Ausbildungsplätze

Aber nicht nur große Firmen öffneten ihre Ausbildungsprogramme wieder für HauptschülerInnen - beispielsweise bildet die Lufthansa seit kurzem wieder HauptschülerInnen zu FluggerätemechanikerInnen aus - auch kleine Unternehmen sahen in dem Projekt einen Anlass, Ausbildungsplätze anzubieten. "Der aufwändige Auswahlprozess ist für manche kleine Firmen ein Grund gewesen, keine Lehrplätze mehr anzubieten, nachdem die Auswahl nun die Koordinierungsstelle übernimmt, sind auch die kleinen Firmen wieder im Spiel," so Prager.

Positive Entwicklung

Und die Unternehmen wissen ihre HauptschulabsolventInnen zu schätzen. Die Abbrecherquote ist gering und die vermittelten bleiben Jugendlichen ihren Arbeitgebern treu. "RealschülerInnen haben im Schnitt größere Karriereambitionen und gehen den Firmen meist nach einer ersten Ausbildungsphase wieder verloren," erläutert Prager.

Trotz großer Erfolge liegt die Übergangsquote von HauptschülerInnen, die gleich nach dem Abschluss in einen Job wechseln im Hamburg aber immer noch bei nur 20 Prozent. Die Lage noch vor fünf Jahren: nur 6,7 Prozent bekamen gleich eine Ausbildungsstelle. Unterm Strich also ein Erfolg, der in Zukunft weiter ausgebaut werden soll. "Das Ziel in Hamburg ist es, auf 50 Prozent zu kommen," so Prager. (mhe)

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18 Postings
caitlin
00
12.5.2006, 19:10
....

ich würd mal sagen man soll sich sowieso über eine schule gut informieren. ich kenn viele die in ein gymnasium gegangen sind wegen einer angeblich "besseren" ausbildung. absoluter humbug es gibt ebenso gymnasien die nicht mehr als hauptschulniveau haben. bin selbst auf ein gymnasium gegangen (war schwerpunkt deutsch hatte in der volksschule nämlich 2er in mathe und mathematik hat mir nicht gefallen, draufhin haben wir uns erkundigt und es wird auch in jedem gymnasium auf etwas anderes wert gelegt.) jedenfall habe ich dann nach der 4ten auf eine hak gewechselt und bin anfangs nicht aus dem staunen herausgekommen, da waren viele aus einer hauptschule die besser waren als leute aus einem gymnasium also man kann nicht alle üba einen kamm scher

gottfried hlebaina
 
00
18.4.2006, 21:53
Unvergleichbar

Die Situation der Hauptschule in Deutschland ist eine völlig andere als in Österreich! In Deutschland ist das System noch stärker gegliedert...Hauptschulen, Gesamtschulen, Realschulen, Gymnasien! Die Hauptschule ist in Deutschland mit Ausnahme von Bayern meist eine Schule für (fast) Chancenlose!
In Österreich besuchen jedoch 70% der 10 bis 14 jährigen die Hauptschule, im ländlichen Raum tlw. 100 Prozent, nur in den großen Städten (Wien, Graz..) ist das Gymnasium zur nicht differenzierten Gesamtschule geworden.

Peter Noll
00
18.4.2006, 18:17
Warum muss man den alle Probleme gleich ideologisieren?

Die Oberideologen in den ehemals SPD-regierten deutschen Bundesländern haben ja ihren Feldversuch an lebenden Menschen bereits hinter sich: die Gesamtschule. Und ihre Klatsche via PISA 1 haben sie ja bereits hinter sich. Bei PISA 2 liegen die konservativen Länder Bayern und Baden-Württemberg vor Österreich, nun aber dicht gefolgt von den "neuen Bundesländern" Thüringen und Sachsen. Selbst das "rote" Bremen und Berlin verabschieden sich still und leise von der Mißgeburt Gesamtschule. Der Vorschlag "Abschaffen der Hauptschule" beweist die pädagogische Inkompetenz der Lehrer der Berliner Rütli-Schule. Das war selbst der rot-grün-roten Landesregierung zu viel und hat den Rektor bereits ausgewechselt.

cyber ferkel
00
18.4.2006, 18:09

Es gibt absolut keinen Grund hier in Österreich die Hauptschule kaputtzureden. In ländlichen Gebieten ist diese genau so gut wie eine Mittelschule. Lediglich in Wien gibt es Probleme weil's ein zu großes Mittelschulangebot gibt und dadurch bessere Schüler abgesaugt werden. Die Probleme würden sofort verschwinden wenn's nur mehr einen Schultyp gibt. D.h. die Hauptschulen in Mittelschulen (oder umgekehrt) umbenennen und einen gemeinsamen Lehrplan zugrundelegen. Die Möglichkeit eine Pseudoelite zu bilden gehört umgehend abgeschafft.

Petra Bleicek
00
18.4.2006, 17:46
Positive Beispiele in Wien-Favoriten

In Wien gibt es seit einiger Zeit so genannte kooperative Mittelschulen. Es handelt sich dabei um einen Schulform, bei der Schüler entweder nach Hauptschul- oder nach Gymnasienlehrplan unterrichtet werden.

Da gibt es einige hervorragende Beispiele. Bekannte von mir schicken ihre Kinder etwa zum Josef Enslein Platz. Dort wird wirklich hervorragend unterrichtet. Disziplinäre Probleme gibt es zwar ab und an, sind jedoch nicht mit jenen in manchen Hauptschulen vergleichbar.

Die Lehrer sind engagiert und betreiben Fortbildung ohne auf die Uhr zu schauen. Einige stellen ihr außerordentliches Know-How auch im Dienste der Politik, um das Schulwesen insgesamt voranzutreiben. Zu verdanken ist dies wohl auch einer ausgezeichneten Schulleitung.

hudl wudl
00
11.1.2007, 19:30
@ Petra: Ich versuch`s nochmal:

Gibt es für Wien ein eigenes SchUG? In Restösterreich ist nämlich der Stoff der 1.Leistungs-
gruppe in der HS gleichwertig dem der AHS-Unterstufe.

Sophie Deutsch
00
23.4.2006, 23:48
Tut mir leid,...

...aber die Kooperativen Mittelschulen sind Schrott. Es heißt zwar so schön, dass nach HS- bzw. AHS-Lehrplan differenziert unterrichtet wird, ist aber leider in der Realität eine Illusion. Die angeblichen AHS-Schüler sind nämlich bei Gott nicht auf AHS-Niveau.

abau
00
18.4.2006, 16:29

bestimmten Schulstufe wählbar).

zu überlegen:
Effektivität des neuen Schulsystems
Effizienz
Machbarkeit
Soziale Integration
usw.

Man müsste die Vor und Nachteile komplett durchspielen (Szenarioanalyse, etc.)

Wie seht ihr das?

abau
00
18.4.2006, 16:28
Radikalreform?

Es wird Zeit für eine Radikalreform des Schulsystems: Statt unterschiedlicher Schultypen in der 5-8 Schulstufe sollte ein gemeinsamer Schultypus angeboten werden. Statt geschlossener Klassen sollten Kurse (Deutsch 1-8, Geschichte 1-4 etc.) angeboten werden.

Es sollte zum Gesamtabschluss der Schule zb. bestimmte (zu diskutierende) Vorraussetzungen geben: Deutsch, Mathematik, Englisch mindestens 7 v 8 Stufen, andere Fächer zb. 3 v 4 oder 3 v 5

Wenn jemand in einem Fach durchfallt, so soll er das wiederholen müssen (und nicht auch noch den restlichen Stoff... ist ja eigentlich völliger Schwachsinn).

Es gibt in diesem System bestimmte Plichtfächer (Deutsch, Englishc, Mathematik, usw.) und wählbare Erweiterungsfächer (eventuell erst ab einer

mavro
00
18.4.2006, 10:20
unterschied zw. deutschland und oesterreich

allerdings darf hier nicht vergessen werden, dass dieser beitrag nicht ohne weiteres auf die oesterreichischen hauptschulen umgeschlagen werden kann, da die deutschen hauptschulen wirklich nur als "abstellgleis" kurz vor der sonderschule gehandelt werden.... und das hier zu lande in oesterreich nicht der fall ist.

David Haardt
00
18.4.2006, 14:21
In den Staedten schon.

Ich finds ja wirklich atemberaubend dass der Loesungsvorschlag der Lehrer der Berliner Ruetli-Schule nicht im geringsten diskutiert wurde -- naemlich die Abschaffung der Hauptschule (was dem Prinzip der Gesamtschule naeherkaeme -- dann gaebe es nur noch Gymnasium und Realschule). Aber das passt der konservativen Politik wohl nicht in den Kram. Hier werden am laufenden Band Loesungen verhindert, nur weil die Ideologie, die Dogmen dagegen sind! Erstaunlich dass sich die Buerger das bieten lassen.

yomellamo
00
18.4.2006, 16:03
haben sie eigentlich auch den Artikel gelesen?

owen breon3
00
18.4.2006, 14:55
ganz ihrer meinung

man könnte fast einen schritt weitergehen ..

eigentlich wurden bisher tatsächlich alle irgendwie relevanten lösungsvorschläge ignoriert.

als einzige lösung steht nach wie vor "sparen" und "bestrafen" zur debatte ...

samyotix
00
18.4.2006, 12:24

Nicht? So wie ich das verstanden hab, ist das BORG für diejenigen, die für die normale Matura zu deppert sind; die Hauptschule ist für diejenigen, deren Eltern Bildung ablehnen oder sich nicht leisten können.

Rittmeister Kopetzký
00
21.4.2006, 12:00
Vollste Zustimmung!

... aber Sie sollten hintanfügen, dass ALLE die fürs öffentliche Schulsystem zu deppert sind und sichs leisten können in Privatschulen (Privatgymnasien) geschickt werden! - Die berühme Leasing - Matura!

Aber das ist alles ein alter Hut!

Tusnelda
00
18.4.2006, 16:09

Man muß schon differenzieren:
1) HS "am Land" ist meist etwas anderes als HS "in der Stadt"

2) BORG ist nicht gleich BORG. Aber es gibt in jeder Kategorie bessere und schlechtere.

3) Manche besuchen ein BORG gezielt wegen den dort angebotenen Zweigen und Schwerpunkten, die es anderswo eben nicht gibt. Ich habe aus diesem Grund täglich eine Anreise von 70 Minuten (in eine Richtung!) zum BORG in Kauf genommen, anstatt das deutlich nähergelegene BG/BRG zu besuchen.

Es kommt halt - wie so oft - darauf an, was die Beteiligten (Lehrer, Eltern, Schüler) daraus machen (wollen).

Beneedict
 
00
18.4.2006, 14:43
HS/Gym

Also ich weiss ja nicht 100% wie es in den Städten abläuft. Aber in ländlichen Regionen sind Hauptschulen sicher meist konkurrenzfähig mit Gymnasien. und oft wird nicht unnötig vertheoretisiert sondern praxisbezogener gelernt und gearbeitet. In Städten werden oft Schüler in Gymnasien gesteckt, die dort nicht hinpassen (z.B. wegen einer Schwäche in Mathematik) und sich dann dort durchkämpfen müssen während eine gute Hauptschule durch die flexibleren Leistungsgruppen mit diesen teilweisen Schwächen gut umgehen können. Natürlich ist mir klar, dass HS in Städten oft andere Probleme haben. Wie z.B. mit der Unterrichtssprache Deutsch bei neuen/zukünftigen Staatsbürgern :(

Internetgenerationler
 
00
18.4.2006, 11:45

in der stadt läuft das mit "abstellgleis kurz vor der sonderschule" schon (fast) so.

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