"Dann wäre der Kura­tor ja der Satellit?!"

16. November 2006, 15:10
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Chris Goennawein, Art Direktor des neuen Kunstmagazins Parabol verrät im derStandard.at-Inter­view die beste Leseposition fürs Großformat und wie man komplett auf Anzeigen verzichtet

Jeder der sich leidenschaftlich mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzt, erklärt Goennawein im Gespräch mit Anne Katrin Feßler, kommt an 'Parabol AM' *, zukünftig nicht vorbei.


derStandard.at: Auf einem der 'Parabol -Pressefotos liest ein junger Mann das Magazin auf offener Straße? Haben sie selber schon mal probiert Parabol im Stehen zu lesen?

Chris Goennawein: Der junge Mann auf dem Foto bin ich selbst. Wie Sie sehen, ist es geglückt. Ich finde jedoch, dass Parabol kein Magazin für die Straße ist.

derStandard.at: Abgesehen vom "Stehen", was ist die geeignetste Körperposition zum Parabol lesen?

Goennawein: Parabol läßt sich wunderbar im Sitzen lesen. Jeder, der über einen zeitungserprobten Frühstückstisch verfügt, wird keine Probleme haben. Die Abbildungen sollte man überwiegend im Stehen betrachten.

derStandard.at: Es heißt: "Parabol richtet sich an Menschen, die unmittelbar in das Kunst- und Kulturgeschehen involviert sind." ...also Künstler, Sammler, Kuratoren, Kritiker? Ist die Zielgruppe wirklich so eng definiert?

Goennawein: Ich denke, bei Parabol ändert sich die Zielgruppe von Kurator zu Kurator. In diesem Punkt sind wir flexibel und möchten uns von Ausgabe zu Ausgabe an den Kurator anpassen. Wie die nächste Nummer wird, weiß ich selbst noch nicht. Auf jeden Fall wird Ami Barak andere Inhalte als Daniel Baumann wählen. - Und bei Parabol folgt die Form der Funktion.

Fest steht nur, dass Parabol polarisiert. Und polarisieren wird Parabol immer im unmittelbaren Umfeld der zeitgenössischen Kunst, zu dem eben Personen zählen, die im weitesten am Kunst- und Kulturgeschehen interessiert sind.

derStandard.at: Ihr schreibt auch das Heft sei ein nice- und need-to-have. Wer "braucht" Parabol?

Goennawein: Jeder, der sich ernsthaft mit zeitgenössischer Kunst auseinander setzt, sich leidenschaftlich mit ihr beschäftigt und an Magazinen interessiert ist, sollte an Parabol nicht vorbei kommen.

derStandard.at: Und warum? Worin - ganz knapp formuliert - unterscheidet sich Parabol von anderen Kunstmagazinen?

Goennawein: Zum einen dehnt Parabol die Konvention des Archetyps Magazin. Zum anderen passt es sich seinen Inhalten an - und nicht die Inhalte dem Magazin.

derStandard.at: Ist es angedacht, Parabol durch Format und inhaltliche Konzeption zu einem Sammelobjekt zu machen? Also weniger Periodikum als vielmehr Kunstobjekt?

Goennawein: Parabol ist kein Kunstobjekt. Ein Ausstellungsraum wird ja durch eine Installation auch kein Teil der Kunst. Parabol ist ein Raum - ein aufgeräumter, großzügiger Raum. Diese Andersartigkeit macht daraus höchstens ein Kultobjekt, jedoch nie Kunst an sich.

Sammeln liegt sicher in der Natur unserer Leser und daher denke ich, dass Parabol auf jeden Fall einen Platz im Setzkasten bekommt.

derStandard.at: Ist die Tragtasche aus LKW-Plane nur Verpackung oder mehr?

Goennawein: Die Verpackung der ersten Ausgabe erfüllt drei Funktionen. Erstens sammelt sie die Kollektion der einzelnen Künstlerbeiträge, zweitens kann man so das Paket sinnvoll auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln an der Frühstückstisch transportieren und drittens wird es dabei nicht nass.

derStandard.at: Statt einer Finanzierung über Anzeigenverkauf, setzt ihr auf den Verkauf selbst und Sponsoren aus der Wirtschaft. Wie funktioniert das genau?

Goennawein: Der Verzicht auf Anzeigen ist obligatorisch. Schaltet eine Galerie eine Anzeige, erhofft sie sich auch immer redaktionelle Aufmerksamkeit. Diese richten wir aber allein auf den Kurator, das Konzept und die Künstler. Und das heißt auch, dass wir komplett vom Verkauf abhängig sind. Das ist in einer Zeit allgemeiner Vorsicht mutig, jedoch auch ein klares Signal.

derStandard.at: Rechnet sich das?

Glücklicherweise müssen wir von Parabol nicht leben: Die Herausgeber section.d und section.a sind als Designbüro und Art-consulting-Unternehmen unabhängig. Wer auf Katalogpapier im Bogenoffset druckt, braucht natürlich für weitere Ausgaben die Sympathie der Wirtschaft. Deshalb suchen wir Partner, die ebenso mutig und idealistisch sind, wie wir.

derStandard.at: Wie sind die ersten Reaktionen auf euer Magazin?

Goennawein: Besonders hat mir gefallen, das es nur zwei klare Meinungsgruppen gibt. Die einen finden Parabol schrecklich, die anderen lieben es. Ich empfinde es als Kompliment, dass Parabol derart polarisiert und keinen gleichgültig läßt. Wir werden an der Auflage von 2.000 Stück festhalten. Für uns ist die Qualität der Materialien sehr wichtig und eine höhere Auflage würde Quantität statt Qualität bedeuten.

derStandard.at: Wie steht das Magazin zu seinem Namen? Kommt der mehr von Parabel/Gleichnis oder der mathematischen Kurve oder ist gar der Parabolspiegel angedacht, der Lichtstrahlen in seinem Brennpunkt vereinigt?

Goennawein: Die Frage freut mich: Der Name leitet sich ursprünglich aus der Parabel, dem Gleichnis, ab. Die Zeitschrift 'Page' hat jüngst getitelt: "Antenne für Kunst". Tatsächlich assoziieren viele Leute Parabol mit der gleichnamigen Antenne. Doch dann wäre der Kurator ja der Satellit und da hört's doch irgendwie auf, oder!?

* Das neue Magazin heißt Parabol AM - 'AM' für ArtMagazine. Im Sinne der Lesbarkeit werden wir es beim kurzen Parabol belassen.

Siehe auch Kurzrezension:

Ein "White Cube" auf 44 Seiten
  • Hinter dem Magazin verbirgt sich - wie wir nun wissen - Chris Goennawein, Art Direktor und Projektleiter von Parabol.
    foto: parabol am

    Hinter dem Magazin verbirgt sich - wie wir nun wissen - Chris Goennawein, Art Direktor und Projektleiter von Parabol.

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    foto: parabol am
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