Magister mit Europa-Horizont

8. März 2007, 10:55
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Die Bratislavská vysoká skola práva ist die erste Privatuni auf slowakischem Boden und könnte zu einem Impulsgeber für eine neue Bildungsachse werden

Vladimír Mathern ist ein Mann mit Vergangenheit. Zwanzig Jahre lang Militärrichter, Strafrechtler und Buchautor, Professor der Jurisprudenz an der Comenius-Universität Bratislava und, in reifem Alter, seit zwei Jahren Rektor der ersten Bratislavaer Privathochschule.

"Hätte ich vor ein paar Jahren jemandem gesagt, dass wir an einer Privat-Uni mit dem Doktoratsstudium beginnen werden, hätte ich mich selbst noch für verrückt gehalten."

Vorsichtig geworden

Nun, nach dem ersten Semester mit insgesamt 400 Studenten, davon 180 internen und 220 externen Hörern, ist er mit dieser Selbstdiagnose schon höchst vorsichtig geworden. Immerhin werden in knapp zwei Jahren die ersten Bakkalaureaten, nach weiteren drei Jahren die ersten Magister der Rechte die Uni verlassen. Und wenn der Studienbetrieb im Oktober dieses Jahres komplett nach Ruzinov, einen Außenbezirk Bratislavas, übersiedelt, dann wird sie rund 2500 Studenten ausbilden können. Derzeit sitzt die Privatuni in dem biedermeierlichen Haus in der Na Vrsku, in der Bratislavaer Altstadt. Es fällt aufgrund des Winkelwerks in dem innen restaurierten Gemäuer schwer, das Wortspiel mit den Advokaten nicht zu spielen.

Bemerkenswert ist zum einen: Wo erst vor knapp 40 Jahren Panzer den Reformkommunismus Alexander Dubceks überrollten, wird heute auf privatem Boden auf private Rechnung Recht gelehrt. Bemerkenswert ist zum anderen: An der Schule wird in drei Sprachen - slowakisch, englisch, deutsch - gelesen. Immerhin ist der Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät ein Österreicher: Werner Ogris. Und auch der Dekan der zweiten Fakultät, derjenigen für Internationale Ökonomie, Peter Fischer, liest auf Deutsch. So könnte die Bratislavaer Privatuni durchaus eine interessante Alternative für jene Studenten werden, die in Wien oder in anderen österreichischen Universitäten, sardinenartig in Hörsäle eingelegt, einen täglichen Überlebenskampf um Studienplatz und Prüfungsfragen austragen müssen. Voraussetzung freilich ist trotzdem, das Slowakische zu verinnerlichen. Das Schulgeld pro Studienjahr ist mit 55.000 Slowakischen Kronen (rund 1400 Euro) außerdem deutlich höher als das staatlich österreichische.

Ein Triangel

Träger der Vysoká skola práva ist die Akademische Gesellschaft Bratislava. Sie ist auch Garant dafür, dass die Hochschule alle staatlichen Auflagen erfüllt und die Studierenden ihre Abschlüsse europaweit anwenden können. Emil Pejko, Direktor der Gesellschaft und gleichzeitig Hochschul-Vizerektor, im Gespräch mit dem STANDARD: "Wir orientieren uns weniger Richtung Europa, sondern Richtung Asien. Gemeinsam mit Wien und Moskau will unsere Uni ein Triangel bilden". Asiatische Ökonomie ist Neuland, das angesichts der Hoffnungsmärkte von der Ukraine bis Aserbaidschan betreten werden will. Es gibt, so Pejko, auch erste Kooperationsgespräche mit der Wirtschaftsuniversität Wien - etwa über ein gemeinsames Magisterstudium der Ökonomie. Ein weiterer Standort der Privat-Uni ist schon jetzt Brünn in Tschechien. Die Freude am Zusammenarbeiten, am Neuen, ist bei den slowakischen Nachbarn allseits zu bemerken. So hat die Privathochschule im vergangenen März mit der privaten Wiener Sales-Manager-Akademie auf der Hohen Warte einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Und mit der Donau-Universität Krems kam man schon im Vorjahr überein, bei Europa- und Rechtswissenschaften zusammenzuarbeiten.

Mehr Freiheiten

Wie die rasanten Veränderungen aufgenommen würden - immerhin ist es erst 17 Jahre her, seit die "samtene Revolution" demokratische Strukturen in die damals noch vereinigte Tschechoslowakei brachte? "Wir spüren mehr Freiheiten", meint Rektor Mathern - und wird ein kleinwenig unruhig, wenn man ihn auf die möglichen bevorstehenden politischen Veränderungen anspricht, welche die Parlamentswahlen im Frühsommer bringen könnten. "Es gibt politische Kräfte, die die privaten Schulen nicht befürworten", weicht er aus. Aber was soll einen Mann mit so viel Geschichte auch noch wirklich erschüttern.

(DER STANDARD-Printausgabe, 9.4.2006)

Christoph Mandl

www.uniba.sk

  • Wenn der Studienbetrieb im Oktober dieses Jahres komplett nach Ruzinov, einen Außenbezirk Bratislavas, übersiedelt, dann wird sie rund 2500 Studenten ausbilden können. Derzeit sitzt die Privatuni in dem biedermeierlichen Haus in der Na Vrsku, in der Bratislavaer Altstadt.
    foto: mandl

    Wenn der Studienbetrieb im Oktober dieses Jahres komplett nach Ruzinov, einen Außenbezirk Bratislavas, übersiedelt, dann wird sie rund 2500 Studenten ausbilden können. Derzeit sitzt die Privatuni in dem biedermeierlichen Haus in der Na Vrsku, in der Bratislavaer Altstadt.

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