Die Angeklagten im Enron-Prozess

5. Juli 2006, 16:33
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Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden ehemaligen Konzernchefs Betrug, Verschwörung und Insider-Geschäfte vor

Houston - In einem der größten Wirtschaftsprozesse der US-Geschichte müssen sich die früheren Enron-Chefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling seit Jänner vor einem Gericht in Houston verantworten. Das Verfahren dreht sich um die Hintergründe des spektakulären Zusammenbruchs des texanischen Energieunternehmens vor fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden ehemaligen Führungskräften Betrug, Verschwörung und Insider-Geschäfte in rund drei Dutzend Anklagepunkten vor. Das Urteil wird frühstens für Ende Mai erwartet. Am heutigen Montag sollte Skilling aussagen. Es folgen einige Informationen zu den Angeklagten in dem Prozess.

Kenneth Lee Lay leitete Enron fast ununterbrochen von 1986 bis zum finanziellen Kollaps des Unternehmens im Dezember 2001. Der frühere Firmenboss verkaufte in dieser Zeit Enron-Aktien im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar (246 Mio. Euro). Als großzügiger Förderer der Republikanischen Partei genoss er lange Zeit die Freundschaft von US-Präsident George W. Bush und dessen Familie. Vor Gericht ist Lay in sechs Punkten wegen Betruges und Verschwörung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass Lay Angestellte, Analysten und Investoren bewusst über die finanzielle Schieflage täuschte, um sich selbst zu bereichern. Lay weist die Vorwürfe entschieden von sich. Er wird von Michael Ramsey verteidigt. Als Sohn eines baptistischen Pfarrers wurde Lay am 15. April 1942 in Tyrone, Missouri, geboren.

Jeffrey Keith Skilling übernahm die Leitung von Enron im Februar 2001, gab sie aber nach nur sechs Monaten im August überraschend an Lay wieder ab. Als einer der besten Absolventen seines Jahrgangs an der Kaderschmiede der Harvard Business School arbeitete Skilling zunächst für die Unternehmensberatung McKinsey, bevor er 1990 bei Enron einstieg. Dort baute er das System für Gas-Handel aus, das sich zum Kerngeschäft der Firma entwickelte. Skilling stellte auch den späteren Finanzchef Andrew Fastow ein, der als Drahtzieher die betrügerischen Bilanztricks einfädelte und milliardenschwere Verluste in Subunternehmen versteckte. Durch den Verkauf von Aktienpaketen nahm Skilling knapp 63 Millionen Dollar ein.

Als CEO war Skilling für seinen zuweilen temperamentvollen Führungsstil bekannt: Als ihn während einer Telefonkonferenz ein Analyst kritisch zur Finanzlage der Firma befragte, bezeichnete Skilling ihn als "Arschloch". Vor Gericht ist Skilling in 28 Punkten wegen Betruges, Verschwörung und Insider-Geschäften angeklagt. Wie Lay weist auch Skilling alle Vorwürfe von sich. Star-Anwalt Daniel Petrocelli verteidigt ihn. Skilling wurde am 25. November 1953 in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren. (APA/Reuters)

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