The Truman Show

4. Juli 2006, 21:38
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Die Renaissance rund um den legendären New Yorker Schriftsteller und Exzentriker Truman Capote steuert langsam, aber sicher auf ihren Höhepunkt zu ...

Die Renaissance rund um den legendären New Yorker Schriftsteller und Exzentriker Truman Capote steuert langsam, aber sicher auf ihren Höhepunkt zu: Demnächst untersucht Bennett Miller in seinem großartigen Film Capote die Arbeit des Literaten an seinem Schlüsselroman In Cold Blood. Die Wiederentdeckung des lange Zeit als verschollen geglaubten Debütromans Sommerdiebe wird als kleine Sensation gefeiert, und ein weiteres Filmprojekt zu Leben und Werk ist für kommenden Herbst angekündigt.

Warum der Lebemann und dandyhafte Erfolgsautor von Breakfast at Tiffany's gerade jetzt wieder in aller Munde ist, hat verschiedene Ursachen, als die spannendste erweist sich bei wiederholter Lektüre seiner Bücher und Sichtung diverser Capote-Verfilmungen allerdings sein zentral bestimmender Zugang, unter die Oberfläche amerikanischer Gesellschaftsstrukturen zu blicken: Die Nivellierung von Gegensätzen in der amerikanischen Gesellschaft funktionierte Ende der 50er-Jahre und zu Zeiten seiner Recherchearbeit zu In Cold Blood nämlich genauso wenig wie heute: Die Brüche in den sozialen Strukturen, die unter einer zusammengewürfelten Nation gefährlich brodeln, treten angesichts wieder erstarkender wirtschaftlicher, ethnischer und religiöser Gegensätze auch dieser Tage deutlich hervor.

Ursula Bushnell feiert in einem Kulturzeit extra, das am Samstag um 19.20 Uhr auf 3sat zu sehen ist, die "Wiederentdeckung eines Genies". Dass man dabei wie Capotes Weggefährten auch der Faszination dieses widersprüchlichen Literaten und Lebemannes einmal mehr erliegt, tut angesichts der Wirkungskraft und Kühnheit seines Schaffens nichts zur Sache. (pek/DER STANDARD; Printausgabe, 8./9.4.2006)

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