Abwerbung für Grasser ein "Kompliment"

Redaktion, 20. Juni 2006 19:47

Der Finanzminister "liebt" den Wettbewerb und richtet indirekt Kritik an seinen deutschen Kollegen Steinbrück

Wien – "Ich bin versucht, diese Kritik als Kompliment zu sehen", sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser bei der Ecofin-Auftaktpressekonferenz schmunzelnd zu Aussagen seines deutschen Amtskollegen Peer Steinbrück (SPD) im STANDARD, wonach Österreich eine "ehrgeizige und aggressive" Firmenabwerbung betreibe. Grasser stolz: "Die Schnellen und Wettbewerbsfähigen gewinnen in dieser Welt."

Österreich werbe aber nicht primär Firmen im Ausland ab, es sei vielmehr so, dass Unternehmen in verschiedenen Ländern "offenbar einen gewissen Frustgrad erreicht haben" und deshalb nach Österreich kämen, lobte Grasser seine eigene Steuerpolitik. Der Finanzminister, ein ausgewiesener Fan der österreichischen Schule der Nationalökonomie (Hayek & Co), sagte: "Ich liebe den Wettbewerb."

"Nachdenken"

Die Senkung der Körperschaftssteuer, der Gewinnsteuer für Kapitalgesellschaften, von 35 auf 24 Prozent, war eines der Kernelemente der letzten Steuerreform in Österreich. Auch Deutschland möchte mittelfristig einen KöSt-Satz von 25 Prozent, die Senkung aber "weit gehend aufkommensneutral" durchführen, sprich andere Steuern und Abgaben erhöhen.

Grasser richtete indirekt Kritik an seinen deutschen Kollegen Steinbrück: Wenn mehr Firmen nach Österreich kämen, sollten andere darüber nachdenken, was sie nicht richtig gemacht hätten. (miba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.4.2006)

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Yossarian
08.04.2006 15:38
Wieso werden eigentlich die Eigenimporte

von Tabakwaren verboten, wenn Steuerwettbewerb so gut ist für die EU?

Jan Sommer
08.04.2006 23:47
Die sind gar nicht wirklich verboten - bestehens doch


einfach auf eine ordnungsgemässe Abfertigung gemäss Deklaration und wenn der Eiertanz der Vermeidung beginnt, drohens einfach mit einem EU Verfahren.
Vor 2 Jahren habens einen Bekannten mit 10 Stangen, der auf ordentliche Abfertigung zur Einfuhr bestand, schlussendlich nach einer Stunde einfach samt den Zigaretten ohne irgendwas weitergeschickt.
js

Maria.k
 
08.04.2006 14:16
Die österreichische Steuerpolitik zeichnet sich

durch rücksichtslosen Nationalegoismus aus. Natürlich ist das Urteil des deutschen Finanzministers ein deutlicher Hinweis auf die eu-feindliche Haltung unseres Landes.
Die freche antwort Grassers wir dem Ansehen unseres Landes kaum dienlich sein.
Österreich hat nach dem Krieg immer profitiert. Es war das einzige Land, das Marshalplanmittel geschenkt erhielt. Der revolvierende ERP Fond ist noch immer ein nunmehr für die Wirtschaft wichtiges Kreditinstrumen.
Das von Grasser eingeführte massive Steuerdumping, die vor allem geldwirtschaftliche Ausbeutung der neuen Länder kann sich auch einmal zum Nachteil der (gierigen)Banken kehren. Einmal merken die Menschen am Balkan, daß ihnen keine Hilfe sondern eine hohe Zinsenlast zuteil wird.

Peter Noll
18.04.2006 19:04
Lt. heutigem Handelsblatt...

liegt die deutsche Steuerquote bei Ertragssteuern von Kapitalgesellschaften bei 36,1 %. Österreichs Vergleichszahl ist 23,5 %. Irgendwann hat Grassers Methode ein Ende und das Pendel schlägt zurück. Die Methoden des Herrn Grasser sind zu durchsichtig, dass sie auf Dauer Bestand hätten.

Management Quatscher
08.04.2006 12:40
Schall und Rauch

Bisher haben sich nur ein paar IT-Beratungsunternehmen und ein paar Briefkastenfirmen, die kaum Arbeitsplätze schaffen, angesiedelt.

Die großartigen Effekte durch die Ansiedlung deutscher Unternehmen beschränken sich auf die Anstellung von 3 Verkäufern und einer Halbtagssekretärin.

Denkanstoss
 
08.04.2006 14:04
Glauben Sie, dass der deutsche Finanzminister wirklich

so einen Tamtam machen würde um ein "paar IT-Beratungsfirmen und ein paar Briefkastenfirmen"?

Nicht wirklich, oder?

RAGE
08.04.2006 14:53
Es sind nicht die paar IT-Beratungsunternehmen und Briefkastenfirmen...

..die den deutschen Finanzminister in RAGE bringen.
Vielmehr ärgert es die Deutschen das die
staatliche ABA auch gleich noch eine kostenlose
Steuerberatung anbietet, wie die Firmeninhaber ihre
Einkommessteuer in Deutschland niedrig halten
können.

mfg

slaipi
07.04.2006 18:58
Guter Anfang !

Wenn unser FM schon ein Fan von Hayek ist, wird er ihn hoffentlich auch bald einmal lesen.

zB "Die Anmaßung des Wissens" uä

pivos pivos
07.04.2006 18:58
wo ist denn

die wirtschaftliche leistung eines finanzministers bei steuerwettbewerb???
ich bin ja auch ein anhänger des wettbewerbes, aber doch nicht im bereich nationaler ökonomien!
die eu braucht eine einheitliche steuerpolitik!!!!

Maria.k
 
08.04.2006 14:31
Es tut mir leid, Grasser macht privat und fachlich

einen windigen Eindruck. Er hat offenbar nichts für Solidarität übrig.
Sehen Sie sich das EU-Wirtschaftsprogramm der SPÖ an, das die meisten garnicht lesen, und doch reflexxmäßig verurteilen:"Die Unternehmens und Kapitalsteuern sollen auf Basis einheitlicher Bemesseungsgrundlagen harmonisiert werden. Ein vereinheitlichter Körperschaftssteuersatz als eigenständige Einnahmequelle für eine gesamteuropäische Konjunktur-und Investitions soll festgelegt werden, wobei die Mitgliedsländer für ihr Budget einen darüber hinausgehenden Körperschaftssteuersart festlegen können."Dazu kommt der Gedanke eines europäischen Finanzausgleichs.
Politik ist schwer und mühsam. Bei Grasser muß aber alles in den Schoß fallen.Programme anderer liest er nicht.

Jan Sommer
08.04.2006 15:03
Einmal mehr soll hier das Pferd von hinten aufgezäumt werden :


Sinnvoll wäre diese Gleichmacherei nur dann,
wenn nicht nur lange vorher die juridischen, vertragsrechtlichen, arbeitsrechtlichen Bedingungen und die dazu gültige Rechtssprechung angegelichen würden,
sondern auch die Arbeitsleistung und die Bürokratie in Süditalien, Griechenland oder Südspanien nicht mehr so extrem unterschiedlich zu Norddeutschland z.Bsp. wäre.

Solange man nicht einmal annähernd den extrem unterschiedlichen Korruptionsaufwand in den früheren sozialistisch-kommunistischen Ländern abschätzen oder gar abstellen kann, sollte man sich auf die Harmonisierung der Gurkenkrümmung und ähnlicher Feinheiten beschränken.

....und deshalb sehr froh sein nicht brutal über einen Einheitskamm geschoren zu werden.
js

Maria.k
 
08.04.2006 20:45
Sie wissen ja sicher, daß der Begriff "Gleichnacherei"

im Wörterbuch der neoliberalen Wirtschaft steht. er soll, negativ besetzt, das positive treffende Wort"harmonisieren" ersetzen.
Ich mag diese Art und Weise der diskussion nicht, sie ist ganz einfach unseriös und herabsetzend.
Eine Angleichung der sozial-und arbeitsrechlichen standards hat ohnedies parallel zu erfolgen. Denn auch nationalstaatlich haben ehrliche Regionalpolitiker immer gewußt, daß ein spannungsfreies Zusammenleben der Menschen nur durch annähernd gleichen Lebensbedingungen hergestellt werden kann..
Was aber die Heuschreckenpolitiker anwenden wollen, ist eine schockartige, rücksichtslose "Vogel friß oder stirb"Strategie.

Jan Sommer
08.04.2006 23:56
Wenn der eine für nur ein Drittel der Leistung des Anderen


dieselben sozialen und arbeitsrechtlichen Ansprüche wie dieser geltend machen kann, schmarotzt der eine auf Kosten des Anderen und der wär schön blöd, wenn er weiter 100% einbringen würde.

Wir wären genau dort, womit schon der Kommunismus kläglich gescheitert ist - ohne Rücksicht auf die individuelle Leistung des Einzelnen stagniert alles bis hinunter aufs Steinzeitniveau.
js

Marilynn E.
Marilynn E.
07.04.2006 23:31

wenn die Oststaaten alle ihre Steuersätze senken und auch mit großen Fördeurngen locken, kann man halt nicht nur dasitzen und Däumchen drehen.

Elisabeth Jarok
08.04.2006 14:48

die oststaaten, die die uns angeblich unter druck bringen mit niedrigen steuersätzen, sind aber auch schon in der eu.
also würde eine eu-harmoniserung das problem lösen.

Marilynn E.
Marilynn E.
08.04.2006 21:51

ich bin auch für eine EU-Harmonisierung der Unternehmenssteuern. Viele sind das. Die Arbeitsgruppe in der EU tagt schon seit 15 Jahren darüber. Zumindest mal über die Harmonisierung der Bemessungsgrundlage, denn die ist das wichtigste, viel wichtiger als Steuersätze. Man hat sich noch nicht mal auf die Grundsätze einigen können.

Bei der Umsatzsteuer ist man schon weiter. Da hat man sich nach 20 Jahren im Jahr 1977 auf die 6. MwStR geeinigt, die Grundsätze regelt. Details wollte man dann gleich anschließen. Jetzt haben wir 2006 und seitdem gab es nichts Weiteres.

Sie sehen also wie schnell das in der EU mit der Harmonisierung von Steuern geht. Sollen wir darauf warten, bis da endlich eine Einigung zustande kommt?

Maria.k
 
08.04.2006 14:39
Zwischen Däumchen drehen und Steuerdumping

liegt ein beträchtlicher Unterschied.
Diese neuen Staaten werden wirklich-da paßt es-von den Heuschreckenländern der EU wie Kolonien überfällen. Glauben Sie daß es für eine Volkswirtschaft gut ist, wenn über 3/4 des Bankenapparates und der wichtigen Entscheidungen in ausländischen Händen liegt? Die Frage des Auslandskapitals und seiner Nachteile sind in Studien untersucht worden un diese zeigen genug Nachteile auf. Da hilft auch die Zugehörigkeit zur EU nichts.

Marilynn E.
Marilynn E.
08.04.2006 21:52

einen Steuersatz von 25% bezeichne ich nicht als Steuerdumping, tut mir leid.

zaphods 2nd head
08.04.2006 12:20
Und wenns in Afrika und Asien (und anderswo) Menschen gibt die mit 50 Cent am Tag...

...auskommen, sollten wir das auch endlich versuchen - damit die Kapitalgewinne schön blühen.

:)

Wär doch eine wundervbolle Welt, wo (Kapitalgewinne) die einfach gewinnen die schon haben.

Ist von Menschen gemacht - kann von Menschen geändert werden.

rinius ante portas
07.04.2006 20:01
da haben Sie vollkommen recht,

nur leider sehen das viele nicht so, schon gar nicht der Grasser. Ist auch einfacher, wenn mann auf Kosten anderer sich volkswirtschaftliche Vorteile verschafft.

||||||||||||||||||||||||´
08.04.2006 06:57
wer im kapitalismus versucht NICHT sich vorteile auf kosten anderer zu schaffen

nicht mal die naechstenliebenden [eigendefinition derer] christen.

Aloadin
 
07.04.2006 17:58

Schön das er ein Fan der Schule ist. Das unterscheidet ihn zumindest angenehm von seiner Kollegin Frau BM Gehrer. Ansonsten sollte er, volkswirtschaftlich betrachtet, mit seinem Eigenlob ein wenig besser haushalten, sprich sparen!

salix1
07.04.2006 17:45

auf das kann man ganz gewiss nicht stolz sein, wenn steuergeschenke für die konzerne auf kosten der klein- und mittelbetriebe gemacht werden. im herbst kommen die lang ersehnten wahlen und dort kann der österreicher und frau österreicher über die neoliberale poiltik des herrn grasser abstimmen. mal sehen was heraus kommt, die polizei hat sich schon umgefärbt.
nicht vergessen soll man die nulldefizit lüge (+2%) des herrn grasser und das hohe staatsdefizit heuer, aufgrund der steuergeschenke für die konzerne.

Marilynn E.
Marilynn E.
07.04.2006 23:33
die polizei hat sich schon umgefärbt.

echt? Komisch, ich dachte, auch schon vorher waren die Roten bei der Polizei vorne.

Komischerweise gab es bei der Körperschaftsteuer Mehreinnahmen in Höhe von 800 Mio. Wie ist da das Staatsdefizit durch Steuergeschenke an Großkonzerne vergrößert worden?

Maria.k
 
08.04.2006 14:42
Sie wissen doch genau-da sind Sie doch versiert-

daß diese Mehreinnahmen noch der höheren KÖST zuzurechnen sind . Die Mindereinnahmen werden erst für 2006 sichtbar werden.

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