Diplomatin Keppler-Schesinger: "Der Einsatz lohnt sich einfach"

12. Mai 2006, 11:56
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Susanne Keppler-Schlesinger hat kürzlich für Österreich die Verhandlungen zum Status der Frauenrechte in New York geführt

Die Gesandte im Außenamt ist derzeit mit ihrer Familie für vier Jahre in Wien. Und noch bis Herbst mit ihrem zweiten Kind in Karenz. Nach dem Studium der Musikwissenschaft und der Romanistik setzte sie sich die Diplomatische Akademie in den Kopf: "Da hat man mir vielfach abgeraten und gesagt: Als Diplomatin findest du nie einen Mann." Was sie heute "als Vorurteil eigentlich lustig" findet, hat sie damals nicht abgeschreckt, obwohl: "Zentral für Frauen im Außenministerium ist schon eine partnerschaftliche Unterstützung." So funktionierte auch die Unterbrechung ihrer Karenz: Ihr Mann, ebenfalls Diplomat, und die Großmutter verschafften den nötigen Freiraum, sodass Susanne Schlesinger kürzlich für Österreich im Rahmen des Ratsvorsitzes als Verhandlungsleiterin bei der 50. UNO-Statuskommission zur Lage der internationalen Frauenrechte in New York sein konnte.

Steckt da wohl auch eine vorbildliche Personalpolitik im Außenamt dahinter? "Ja, natürlich, wir gehen nicht in Karenz und werden abgeschrieben. Da ist schon gezielte Personalpolitik dahinter. Andererseits müssen wir ja aber auch sehr flexibel und mobil sein. Zwei Drittel der Tätigkeit im Ausland sind Bedingung." Das, vermutet sie, schrecke viele Frauen vom diplomatischen Dienst ab. "Das finde ich schade. Wir haben jetzt zwar zwei Ministerinnen in Folge, aber nur ein Viertel Frauen in Führungspositionen." Gerade jetzt, bei den Vereinten Nationen, habe sich wieder gezeigt, dass diese Arbeit für Frauen "sehr angenehm ist, da zählt kein Geschlecht. Da zählen die besseren Argumente."

Conclusions

Ihren Job – derzeit die Frauenthemen, davor die Drogenbekämpfung – empfindet sie als "besonders bereichernd und sinnstiftend. Der Einsatz zahlt sich wirklich aus." Tabuthemen der vergangenen Dekade würden "heute offen angesprochen". Zu einigen Punkten ist es ihr in New York gelungen, Conclusions zu erarbeiten, also alle 200 Mitgliedstaaten auf einen Nenner zu bringen, etwa zur Frauengesundheit und zur Arbeitsmarktpolitik in den entwickelten Staaten. Solche Conclusions gehen dann an die Regierungen, Parlamente, NGOs. "Das dreht sich wohl etwas im Kreis, aber es entsteht eine Spirale nach oben. Check-Systeme gegen bloße Lippenbekenntnisse sind ja auch eingebaut." Es bedürfe in vielen Bereichen, dort, wo es um tief verwurzelte Themen – Zwangsverheiratungen, genitale Verstümmelungen – gehe, einer vorsichtigen, schrittweisen Eindämmung. "Ich habe mich zu diesen Fragen bemüht, die Erfahrungen von 1400 NGO-Vertreterinnen aus dem Feld in die EU-Papers aufzunehmen und zu verhandeln." Oft münde dies zunächst in kontroversiellen Resolutionen. Conclusions seien "ein Kunststück".

Besonders freut sie, dass die Vereinten Nationen (UN Population Fund) dem Thema Frauen und HIV in Afrika hohe Aufmerksamkeit widmen. "Da haben wir jetzt Konsens, dass etwas geschehen muss. Bildung wird als Schlüssel angesehen; Medikamente und Aufklärung über Familienplanung sind Prioritäten." Sie ruft die dramatischen Zahlen in Erinnerung: "Wir haben alleine südlich der Sahara zwölf Millionen Waisenkinder als Folge von Aids. Wir sehen hier teilweise ganze mutterlose Gesellschaften."

Welches Land der kommende Wohnsitz wird? "Das wissen wir jetzt noch gar nicht, das richtet sich nach den frei werdenden Posten", sagt sie vollkommen unaufgeregt. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print, 8./9.4.2006)

  • Susanne Keppler-Schlesinger
    foto: standard/urban
    Susanne Keppler-Schlesinger
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