Othmar Ederer

31. Juli 2006, 10:02
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Viel Licht und noch mehr Schatten - Der Grawe-Generaldirektor gilt als fachlich äußerst versiert, aber nicht gerade risikofreudig

Licht und Schatten. Vor wenigen Wochen strahlte Othmar Ederer: "Ein großer Tag, für mich und das Unternehmen." Wenige Stunden zuvor hatte er als Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen Versicherung (Grawe) den größten Deal der Unternehmensgeschichte über die Bühne gebracht.

Er kaufte die Bank Burgenland - in Summe eine weit mächtigere Transaktion des 1951 in Graz geborenen Versicherungsmanagers als der seinerzeitige Einstieg mit 45,6 Prozent bei der Hypo Alpe-Adria. Die Probleme im Kärntner Bankenreich, wo die Grawe nun prominent engagiert ist, hatten Ederer rasch wieder auf den Boden geholt.

Zu ebener Erd', da fühlt er sich ohnehin trittsicherer. Othmar Ederer ist ein Stiller. In den Bildergalerien der Adabeikolumnen der steirischen Lokalblätter wird man ihn vergeblich suchen. Er gilt als fachlich äußerst versiert, aber nicht gerade risikofreudig, was im Falle des nicht unproblematischen Kaufes der Bank Burgenland sogar die Spekulation hochkommen ließ, hinter der Akquisition könnte der expansionsfreudige Chef der Hypo Alpe-Adria, Wolfgang Kulterer, stecken.

Othmar Ederer, der Sohn des Weizer "Kirchenwirtes", ist in ein mächtiges, sehr diskret agierendes konservativ-katholisches Netzwerk eingebettet. In Ederers Aufsichtsgremium sitzen unter anderen wichtigen Repräsentanten der Banken- und Industrieszene der Abt des Stiftes Admont, Bruno Hubl, als Vize des Aufsichtsrats, oder der Grazer Kanonikus und Stadtpfarrprobst Heinrich Schnuderl als dessen Mitglied, sowie als Aufsichtsratschef der direkte Nachkomme des Grawe-Gründers Erzherzog Johann, Franz Harnoncourt-Unverzagt.

Othmar Ederer wurde als Bub ins Bischöfliche Gymnasium nach Graz geschickt, er wechselte nach der Matura an die dortige Uni zum Betriebswirtschaftsstudium. Nach Berufsjahren bei Steyr Puch als Projektleiter kam er vor 22 Jahren zur Grawe. Und diente sich dort auf die zweite Ebene hoch. Der Sprung an die Spitze kam überraschend und war von Tragik begleitet. Der charismatische Generaldirektor Friedrich Fall war beim Bergsteigen abgestürzt. Für Ederer öffnete sich ein Zeitfenster, er wurde in aller Eile an die Spitze berufen. Er hatte schon damals, vor sechs Jahren, einen kleinen Kärntner Bankenskandal am Halse. In der RBB-Bank, an der die Grawe beteiligt war und in der spekulativ einiges schief gelaufen war.

So spektakulär die Wirtschaftscausen sind, mit denen Ederer in diesen Tagen beschäftigt ist, so beschaulich läuft es privat. Lesen, Bergwandern, Kirchgang. Und viel Familie. Sollte Ederer, der mit sechs Geschwistern aufwuchs, mit der Hypo Alpe-Adria anstehen, kann er mit professionellem Familiensupport rechnen: Seine beiden Söhne wurden am MIT und in Oxford ökonomisch geeicht. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2006)

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    Othmar Ederer, der Generaldirektor der Grazer Wechselseitigen Versicherung hat jüngst den größten Deal der Unternehmensgeschichte über die Bühne gebracht.

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