SP-EU-Abgeordnete: Ratspräsidentschaft muss Westsahara ansprechen

Redaktion, 16. Dezember 2006 21:23

Swoboda: Marokko verweigert Delegation zur Erkundung der Menschenrechtssituation die Einreise

Wien - Anlässlich des Aufenthalts des marokkanischen Außenministers Mohamed Benaissa in Wien fordern die SPÖ-Europaabgeordneten Hannes Swoboda und Karin Scheele EU-Ratsvorsitzende und Außenministerin Ursula Plassnik (V) auf, die Menschenrechtslage in der Westsahara anzusprechen. Die vormals spanische Kolonie stehe unter marokkanischer Besatzung. Rabat verweigere seit vielen Jahren die Durchführung des von den Vereinten Nationen geforderten Referendums zur Selbstbestimmung der sahaurischen Bevölkerung, heißt es am Donnerstag im SPÖ-Pressedienst.

Völkerrechtliche Problematik

Swoboda, Vizepräsident der SPE-Fraktion, an die im Juli 2005 von allen Gruppen des Europäischen Parlaments beschlossene Ad-Hoc-Delegation zur Erkundung der Menschenrechts-Situation vor Ort. "Dieser Delegation wird jedoch durch Marokko die Einreise in die besetzten Gebiete verweigert. Ich erwarte mir von Plassnik gegenüber dem marokkanischen Chefdiplomaten daher eine klare Aufforderung zur Kooperation mit dem Europäischen Parlament", betonte Swoboda.

Die SPÖ-Europaabgeordnete und Präsidentin der Österreichisch-Sahaurischen Gesellschaft, Karin Scheele, verweist auf die völkerrechtliche Problematik des kommenden Fischereiabkommens zwischen der Union und Marokko. Dieses soll noch unter österreichischer Ratspräsidentschaft zu einem Abschluss kommen. Scheele: "Die westsahaurischen Küstengewässer dürfen keinesfalls unter den Geltungsbereich dieses Abkommens fallen, da dies einer internationalen De-facto-Anerkennung der Okkupation gleichkommen würde. Mehrere europäische Staaten, darunter etwa Schweden, haben dem berechtigten Ansuchen der sahaurischen Bevölkerung Rechnung getragen und bereits ihren Protest dagegen angekündigt." Die Europaabgeordnete forderte , dass sich auch Österreich diesem Beispiel anschließt.

Selbstbestimmungs-Referendum

Marokko widersetzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt der Durchführung des von der UNO geforderten Selbstbestimmungs-Referendums. Die Westsahara-Befreiungsorganisation "Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro" (Polisario) rief 1976 die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus, die von über achtzig Staaten anerkannt wird. Marokko hat große Anstrengungen unternommen, um die phosphatreiche Wüstenregion durch massiven Bevölkerungstransfer an sich zu binden.

In der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1429 war das Selbstbestimmungsrecht der Westsahara-Bevölkerung verankert worden. Während die in Algerien etablierte Exilregierung der DARS dem vom ehemaligen US-Außenminister James Baker ausgearbeiteten Referendums-Plan zugestimmt hat, wird dieser von Marokko abgelehnt. Der Baker-Plan sieht vor, die Bevölkerung bis 2008 in einem Referendum darüber entscheiden zu lassen, ob sie die volle Unabhängigkeit will oder zu Marokko gehören möchte.

Benaissa wird Donnerstag Abend mit Bundespräsident Heinz Fischer und am Freitag mit Außenministerin Plassnik zusammentreffen. (APA)

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