KV-Verhandlungen Textil und Elektro/Elektronik stocken

1. Juni 2006, 16:52
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Gewerkschaften GMT und GPA wollen Druck machen

Wien - Die Kollektivvertragsverhandlungen, die die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) und die Gewerkschaft Metall - Textil (GMT) derzeit in den Branchen Elektro- und Elektronikindustrie bzw. Textilindustrie mit den jeweiligen Arbeitgebern führen, sind in den vergangenen Wochen ins Stocken geraten, berichtet die GMT am Donnerstag in einer Pressemitteilung. GMT und GPA würden nun Druck machen, um ernsthafte Angebote und seriöse Verhandlungen zu erwirken.

Für 20. April sei in Wien eine österreichweite Betriebsräte-Konferenz der GMT und GPA geplant, hieß es. Auch Betriebsversammlungen sollen in den kommenden Tagen einberufen werden, um die Beschäftigten zu informieren. Die Verhandlungen würden am 24. April 2006 fortgesetzt. Die Lohnverhandlungen für die rund 57.500 Beschäftigten der Elektro- und Elektronikindustrie seien gestern unterbrochen worden, derzeit liege kein Angebot der Unternehmensverhandler vor.

Zweite Verhandlungsrunde

Am 27. März fand die zweite Verhandlungsrunde für die rund 15.000 Beschäftigten der Textilindustrie statt. Die Gespräche wurden nach 11-stündiger Verhandlungsdauer zum zweiten Mal ohne Ergebnis unterbrochen. Die Gewerkschaften hätten das Angebot der Arbeitgeber, die Löhne und Gehälter nur in Verbindung mit weit reichenden Flexibilisierungen der Arbeitszeit zu erhöhen, abgelehnt, hieß es. Das Angebot der Arbeitgeber habe die Anhebung der Löhne und Gehälter um 1,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 125 Euro umfasst. Im Gegenzug sollte die Streichung der Mehrarbeitszuschläge, die Erhöhung der Bandbreite von bisher 80 Stunden pro Jahr auf 120 Stunden pro Jahr ohne Zuschlag und ein 40-Stunden-Übertrag in den nächsten Durchrechnungszeitraum ohne Zuschlag vereinbart werden. Die Verhandlungen werden hier am 11. April 2006 fortgesetzt.

"Die in der Textilindustrie angebotenen 1,5 Prozent decken nicht einmal die Inflation, von einem gerechten Anteil an der Erfolgen der Unternehmen kann daher keine Rede sein", sagte GMT-Vorsitzender Rudolf Nürnberger. Auch Einmalzahlungen würden nicht ausreichen, den Lebensstandard der Beschäftigten abzusichern, weil sie nicht auf Dauer wirksam seien.

Ernsthafte Angebote

"Wir erwarten, dass die Arbeitgeber beider Branchen mit ernsthaften Angeboten zu den nächsten Verhandlungen erscheinen", so Nürnberger. Lohn- und Gehaltserhöhungen davon abhängig zu machen, dass die Gewerkschaft Verschlechterungen bei den Arbeitszeiten zustimme, entsprechen "nicht gerade fairen sozialpartnerschaftlichen Gepflogenheiten".

Für Maßnahmen, die auf ein reines Einkommenskürzungsprogramm hinauslaufen, stehe die Gewerkschaft nicht zur Verfügung, betonte auch der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA, Karl Proyer. (APA)

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