Solarmarkt mit starken Zuwachsraten

9. August 2006, 11:21
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Steigende Energiepreise sorgen für einen Boom bei Sonnenkollektoren. Österreich liegt bei Solarenergie weltweit im Spitzenfeld

Ein regelrechter Boom herrscht in Österreich derzeit bei solarthermischen Anlagen. Im Vorjahr wurden hierzulande laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens InterConnection Consulting Group Solarkollektoren im Wert von 56 Millionen Euro verkauft, der Markt ist damit um 17,9 Prozent gegenüber 2004 gewachsen. Mit Installation und Wartung der Anlagen werden weitere 25 bis 30 Millionen Euro umgesetzt, wovon vor allem die Klein- und Mittelbetriebe (KMU) profitiert hätten, berichtete InterConnection-Geschäftsführer Frederik Lehner.

In rund 190.000 österreichischen Haushalten sind bereits Solaranlagen installiert, 12.000 kommen jährlich hinzu. Inklusive Export (mehr dazu siehe unten) wurde von der österreichischen Solarbranche 2004 ein Umsatz von 178 Millionen Euro erwirtschaftet.

Hohe Ölpreise pushen Verkäufe

Insbesondere die steigenden Energiepreise seien für diese positive Entwicklung verantwortlich. InterConnection konnte eine sehr hohe Korrelation zwischen dem Anstieg des Rohölpreises und der Menge an installierten Kollektoren nachweisen. Von 2004 auf 2005 stieg die installierte Fläche etwa von 191.500m² auf 224.100m² an. Für heuer wird eine neu errichtete Fläche von fast 250.000m² erwartet.

Der Preis pro Quadratmeter eines Solarkollektors bewegt sich (ohne Montage) bei ca. 180 bis 250 Euro ("ex works", also direkt vom Hersteller bezogen). Die Mehrheit der Kollektoren wird "In-Dach" montiert (2005: 44,8 Prozent des Gesamtmarkts, Tendenz steigend), 32,8 Prozent "Auf-Dach" (Tendenz sinkend). Die weiteren Montagearten fallen nach wie vor wenig ins Gewicht: Auf Flachdächern landet etwa jeder achte Quadratmeter (12,9%), das Schlusslicht bilden Fassaden-Montage (5,3%) und Freiaufstellung (3,7%).

Fast nur noch Flachkollektoren

Nach Produktgruppen unterteilt, entfallen von den 2005 neu installierten Kollektorflächen die überwiegende Mehrheit (94,3%) auf Flachkollektoren, 4,2 Prozent machen so genannte "Schwimmbadabsorber" aus, 1,5 Prozent entfallen auf Vakuumröhrenkollektoren. Schwimmbadabsorber werden vorwiegend zum Beheizen von Freibädern genutzt und sind in der Anschaffung am günstigsten, die etwas teureren (aber auch leistungsfähigeren) Vakuumröhrenkollektoren haben den Vorteil, dass die Solarenergie auch zur Heizungsunterstützung genutzt werden kann.

Weil der Großteil der öffentlichen Bäder in Österreich bereits mit Solarsystemen ausgestattet ist, wird im Segment der Schwimmbadabsorber übrigens mit keinem relevanten Wachstum mehr gerechnet. Der Trend gehe überdies hin zu Kombi-Anlagen, die sowohl die Heizung unterstützen als auch der Warmwasserbereitung dienen, weiß Lehner.

Mit den Förderungen seitens der Politik für den Ausbau der Solarwärmenutzung zeigte sich Roger Hackstock, Geschäftsführer des Verbandes Austria Solar (der mehr als 120 Firmen der Branche vertritt) sehr zufrieden, schränkte aber gleich ein: "Gott sei Dank sind wir kein Solarstrom-Verband." Bei der Solarstromerzeugung fahre die Regierung seiner Ansicht nach nämlich eine regelrechte "Verhinderungsstrategie".

Dreifache Förderung

Von den Bundesländern werden Solaranlagen zum Heizen im Schnitt mit 2.199 Euro, für die Warmwasserbereitung im Schnitt mit 1.242 Euro gefördert. Hackstock wies aber darauf hin, dass auch viele Gemeinden Förderungen für Solaranlagen - zusätzlich zu den Landesförderungen - bereitstellen, außerdem können die Kosten im Regelfall noch von der Steuer abgesetzt werden.

Export-Boom

Der Austria Solar-Geschäftsführer berichtete außerdem von einem wahren Export-Boom: In den letzten Jahren seien aus österreichischer Produktion stets mehr Kollektoren ins Ausland verkauft als im Inland installiert worden, der Marktanteil Österreichs am EU-Solaranlagenmarkt betrug in den letzten drei Jahren im Schnitt 25 Prozent.

Österreichische Solaranlagen finde man mittlerweile in ganz Europa, die wichtigsten Exportmärkte sind Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. "Auch bei der Erschließung neuer Märkte in Südeuropa und Asien waren österreichische Kollektor-Produzenten erfolgreich. Die Solarwärmebranche zählt damit zu den am stärksten wachsenden Branchen Österreichs, Sonnenkollektoren zu den österreichischen Exportschlagern", freut sich Hackstock.

Steiermark schlägt Schweden

Bei der Wärmeleistung durch Solaranlagen im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt Österreich weltweit im Spitzenfeld. Insgesamt sind hierzulande über drei Millionen Quadratmeter Kollektorfläche installiert, EU-weit sind es rund 15 Millionen. "Vergleicht man die jährlich installierte Fläche in Österreich mit jener in anderen EU-Staaten, so wird ersichtlich, dass beispielsweise im Jahr 2004 in ganz Frankreich nicht mehr Solaranlagen errichtet wurden als in Oberösterreich, in Holland nicht mehr als in Kärnten, in ganz Schweden nicht mehr als in der Steiermark, in Großbritannien nicht mehr als in Niederösterreich", so Hackstock.

Jobmotor Solarmarkt

Gefragt, was dieser Boom für die Arbeitsplätze in der Branche bedeute, wies Hackstock auf eine kürzlich veröffentlichte Studie des Verkehrs- und Technologieministeriums (bmvit) hin. Demnach sind heute bereits rund 3.600 Personen mit der Produktion, dem Vertrieb und der Installation von Solaranlagen beschäftigt, während vor zehn Jahren noch nicht einmal 1.000 in diesem Sektor tätig waren.

"Tag der Sonne" am 5./6. Mai

Am 5. und 6. Mai 2006 findet weiters österreichweit bereits zum fünften Mal die Aktion "Tag der Sonne" statt. Dabei wird in mehr als 100 Veranstaltungen (Details siehe "Links") in vielen Gemeinden des Landes zum Thema Solarenergie informiert. (Martin Putschögl)

  • Bild: Kollektormontage von der Firma Bramac SolarDach.
    foto: austria solar/bramac dachsysteme international gmbh

    Bild: Kollektormontage von der Firma Bramac SolarDach.

  • Beim Mietwohnhaus Mooserkreuz in St. Anton/Arlberg sticht die vollflächig mit Solarkollektoren bedeckte Südseite des 2001 mit 14 Wohneinheiten errichteten Niedrigenergiehaus besonders hervor. Dieses Objekt ging bereits als Preisträger im verdichteten Wohnbau beim Tiroler Niedrigenergiehauspreis 2001 hervor.
    foto: austria solar

    Beim Mietwohnhaus Mooserkreuz in St. Anton/Arlberg sticht die vollflächig mit Solarkollektoren bedeckte Südseite des 2001 mit 14 Wohneinheiten errichteten Niedrigenergiehaus besonders hervor. Dieses Objekt ging bereits als Preisträger im verdichteten Wohnbau beim Tiroler Niedrigenergiehauspreis 2001 hervor.

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