Der "Animateur" des Weines

20. Oktober 2006, 11:14
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In den vergangenen Jahren hat sich ein gutes Dutzend an Spitzenbetrieben unter den Wiener Winzerbetrieben gemausert. Die Wiener Landwirtschaftskammer sieht sich als Impulsgeber

Langsam, aber doch hat sich in den vergangenen Jahren ein gutes Dutzend an Spitzenbetrieben unter den Wiener Winzerbetrieben gemausert. Die Wiener Landwirtschaftskammer sieht sich als Impulsgeber - das Umdenken selbst muss aber in den Betrieben stattfinden.

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Wien - "Die Spitze ist breiter geworden", ortet Kammerdirektor Robert Fitzthum von der Wiener Landwirtschaftskammer eine Vermehrung der Topwinzer in Wien. Waren es von einigen Jahren noch einsame Streiter wie Fritz Wieninger aus Stammersdorf, die Topqualitäten produzierten, so sind es nach Fitzthums Urteil derzeit bereits zehn, fünfzehn Betriebe, die in dieser Liga mitspielen.

Ziel der Landwirtschaftskammer ist es nun, in Sachen Wiener Wein "die Spannung aufrecht zu erhalten. Wir selbst können aber nur die Rahmenbedingungen schaffen - die Chancen müssen dann schon die Betriebe für sich selbst nützen".

Ein solcher Rahmen ist der derzeit laufende "Wiener Weinfrühling", der heuer erstmals von vielen Winzern als Dach für ihre eigenen Veranstaltungen genützt werden kann. Insgesamt 40 solcher Events sind es, die teils schon länger existieren, die aber jetzt neu positioniert werden können. Sei es eine Weindegustation im Weingut Klager (21. April), die Weinverkostung des Weinbauvereins Jedlersdorf (27. 4.), das "Mailüfterl" in der Stammersdorfer Kellergasse (6. und 7. Mai) oder auch die Maurer Weinverkostungen am 4. und 5. Juni beim Weinbau Beranek.

Das Frühlingslüfterl

Teils sind es auch Veranstaltungen der Wiener Landwirtschaftskammer selbst, die das Frühlingslüfterl für den Wiener Wein weiter verbessern sollen. Wenn etwa der Wiener Heurige wieder die Innenstadt besucht (19. bis 21. Mai auf der Freyung) - oder der große Wiener Weinpreis im Juni 2006 zum zweiten Mal im Rathaus zelebriert wird: inklusive mehrtägiger Jahrgangsverkostung mit den besten 100 Wiener Weinen und den Kreationen von vier Haubenköchen.

Dass mit dem Einsatz und der deutlichen Steigerung einiger Spitzenbetriebe in der Bundeshauptstadt aber auch die Kluft in der Qualität in Wien größer wird, will Fitzthum nicht abstreiten: "Betriebe von/bis gibt es immer. Wir sind in gewissem Ausmaß nur Animateure. Auch wurden von uns mehr als 30 Betriebe beraten und betreut. Aber das unternehmerische Denken und das fachliche Know-how muss der Betriebsführer schon selbst haben."

Und wenn's die Wiener inspiriert und anspornt, stört es Fitzthum auch keineswegs, wenn Topwinzer aus dem Umland Wiener Weingärten bewirtschaften. "Mein Ziel ist schließlich die Vollbewirtschaftung." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 6. April 2006)

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    foto: standard/newald
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