Mixing Reisetbauer

23. Mai 2006, 12:34
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Den neuen Schnaps von Hans Reisetbauer sollte man unbedingt mit Limonade trinken

Eigentlich wollte Hans Reisetbauer, Brenner besonders edler Obstschnäpse aus dem oberösterreichischen Axberg, ja immer schon Wodka machen. "Alkohol in seiner reinsten Form" in unverwechselbarer Güte herzustellen, das hätte diesen Alchemisten hochgeistiger Flüssigkeiten doch sehr gereizt. Nach einigen Recherchen in Polen und Russland war das Thema freilich vom Tisch: Um Wodka so sauber zu brennen, dass er Reisetbauers Ansprüchen genügt, sind spezielle, bis zu 20 Meter hohe Distillen nötig, deren Anschaffung allein mehrere Millionen verschlungen hätte.

"Dann hat meine Frau bemerkt, dass ich eigentlich eh nur Gin & Tonic trinke, wenn wir spätabends noch in einer Bar sind", erzählt Reisetbauer die Genese des Projekts. So reifte der Entschluss, das klassische Getränk der englischen Oberschicht einmal einer grundsätzlichen Neuinterpretation zu unterziehen. "Gin ist nun einmal der Mix-Drink schlechthin", sagt Reisetbauer, "den trinkt man kaum einmal pur. Deshalb war mir wichtig, dass man den Wacholder und andere Gewürze auch durch die Limonade durchschmeckt - sonst könnte man ja gleich Korn nehmen".

Geschichtsträchtige Basis

Nach einigem Tüfteln und Recherchieren mit Freund und Weinhändler Markus Schenkenfelder kam Reisetbauer ein britisches Dokument aus dem Jahr 1889 in die Hände, auf dem alle 110 zur Produktion von Gin zugelassenen Kräuter und Gewürze vermerkt waren. "Auf dieser Basis begannen wir zu experimentieren", sagt Reisetbauer. Im nun vorgestellten Produkt, das mit Sinn für Ironie "Blue Gin" getauft wurde, finden 27 Gewürze und Kräuter aus 11 Ländern Verwendung. Die Basis bildet "blitzsauberer Kornbrand", natürlich von Reisetbauer destilliert, in dem die Gewürze angesetzt werden, bevor ein zweites Mal gebrannt wird. Das Ergebnis ist ein "Spirit" mit prononciertem Wacholderduft, mit deutlichen, frischen Zitrusnoten und subtilen Anistönen - und bei 43 Volumsprozent Alkohol so faszinierend mild, dass man ihn durchaus genussvoll auch pur genießen könnte. Davon freilich will Reisetbauer nichts wissen: "Der ist zum Mixen gemacht, mit Tonic, oder in einem gut gerührten Negroni!" Kaufen kann man "Blue Gin" demnächst im wohlsortierten Fachhandel, mit einem Preis knapp unter 30 Euro wird zu rechnen sein.
(corti/Der Standard/rondo/07/04/2006)

  • Keine Spur von blauen Hosen: "Blue Gin" von Hans Reisetbauer ist edle Basis für anglophile Drinks.
    foto: hersteller

    Keine Spur von blauen Hosen: "Blue Gin" von Hans Reisetbauer ist edle Basis für anglophile Drinks.

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