Das "Schwarze Brett" geht online

31. Jänner 2007, 14:05
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Elektronische Wohnportale lösen die bisherigen "Aushänge" der Hausverwaltungen ab. EBG Wohnen kooperiert dabei mit dem Software-Entwickler Take Off

Ein Hauseingang, daneben ein Flatscreen-Monitor mit aktuellen Infos von der Hausverwaltung und Botschaften von mitteilungsbedürftigen Bewohnern. Daneben ist Platz für Werbe-Einschaltungen. So sieht, zumindest in bisher drei Wiener Wohnhausanlagen, die Zukunft des "Schwarzen Bretts" aus.

Sekundenschnell

"Informationen für die Hausbewohner können so innerhalb von wenigen Sekunden im Haus bekannt gemacht werden", sagt Jürgen Gutmayer, Geschäftsführer der Take Off Informationstechnik GmbH, die die Software für diese "Wohn- und Informationsportale" liefert. Für die Hausverwaltung liegen die Vorteile einerseits in dieser Beschleunigung des Informationsflusses, andererseits muss sich kein Mitarbeiter mehr auf den Weg zur jeweiligen Wohnhaus-Adresse machen, um dort Zetteln oder Plakate aufzuhängen. "Angezeigt werden können auf den Bildschirmen sowohl Texte als auch Bilder, Videos und Flash-Animationen", erklärt Gutmayer.

Die Kosten für die Installation des Online-Wohnportals (Monitor oder Plasma-TV, PC, Software) belaufen sich pro Wohnhaus einmalig auf rund 4.000 Euro, die laufenden Kosten bestehen im wesentlichen aus dem notwendigen Internet-Anschluss des Hauses. Durch die Möglichkeit, Werbung auf den Bildschirmen auszustrahlen, können die Kosten im Lauf der Zeit wieder "eingespielt" werden.

SMS an Board18

Will man selbst als Bewohner etwas bekannt machen, ist die Vorgangsweise die folgende: Man sendet eine SMS an die Telefonnummer, die auf dem Bildschirm rechts oben ständig eingeblendet ist. In die Kurzmitteilung schreibt man zuerst einen kurzen Code, der die Nummer des jeweiligen Boards enthält (zb: "Board18#"), dann folgt der Text der Nachricht. Die Software des Systems sorgt dafür, dass die SMS als elektronische Nachricht bei den Administratoren der Hausverwaltung landet. Diese können die Nachricht, sofern sie für die Öffentlichkeit bestimmt ist, sofort auf dem Bildschirm freischalten. Besteht Unklarheit, ob die Nachricht nur für die Hausverwaltung oder für alle Bewohner gedacht ist, wird per SMS nochmals rückgefragt: Veröffentlichen, ja/nein?

In drei Häusern der EBG Wohnbaugenossenschaft laufen die Multimedia-Portale bereits, jeder Neubau wird in Zukunft damit ausgestattet, berichtet Stefan Wasinger von der EBG-Hausverwaltung. Außerdem wird auch bei Wohnhaussanierungen umgerüstet.

"Tür schließen!"

Das Wohnhaus in der Absberggasse 45 im zehnten Wiener Gemeindebezirk ("Monte Laa"-Teilprojekt), das erst im vergangenen Februar den Mieterinnen und Mietern übergeben wurde, ist - neben dem Haus in der Jeneweingasse (21.) sowie dem "Vierkanter" in der Reichsapfelgasse (15.) - eine der drei Anlagen der EBG Wohnbaugenossenschaft, in denen das System bereits läuft. Hier landen im Wochenschnitt fünf SMS von Bewohnern auf dem Bildschirm, erzählt Gutmayer. Für die Mieter fallen dabei die normalen SMS-Kosten des jeweiligen Mobilfunkbetreibers an.

Dass das System Neugierde weckt und bei den Bewohnern sichtlich auf Interesse stößt, ließ sich beim derStandard.at-Lokalaugenschein feststellen. Neben Informationen der Hausverwaltung fanden sich da auf dem Schirm etwa auch Liebesbezeugungen an "Hasi", kryptische Grußfloskeln ("Hallo du!") oder auch Appelle an die Allgemeinheit, die Türen gefälligst geschlossen zu halten (siehe Bilder).

Die Technik ist dabei noch längst nicht voll ausgenutzt - bei EBG hat man durchaus Visionen: In Zukunft soll über das Portal auch die Waschküchen-Benützung koordiniert oder der Sauna-Besuch reserviert werden können, "das ist alles am Anlaufen", so Wasinger.

Portale für Filialen und Arztpraxen

Einen Schritt weiter denkt man auch bei Take Off schon. Schließlich ist der Einsatz der Technologie in Wohnhäusern - mit weiteren Wohnbaugesellschaften laufen diesbezüglich Gespräche - nur eine Anwendung von vielen. Gutmayer will das Multimedia-Portal auch an Handelsketten verkaufen, wo es rasche Kommunikation mit den Kunden in den Filialen ermöglichen soll. Außerdem könnte es auch etwa in Apotheken oder Arztpraxen aufgestellt werden. Ein Probebetrieb in der Praxis von Dr. Antonio Martins da Cunha, einem (vor allem durch die "Dr. Martins Coco Drinks") bekannten Wiener Sport- und Kindermediziner, wird demnächst anlaufen. Und schließlich können die interaktiven Bildschirme auch als internes Kommunikationssystem in größeren Betrieben eingesetzt werden, ist der Take Off-Geschäftsführer überzeugt.
(Martin Putschögl)

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    foto: derstandard.at/putschögl
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