Chevrolets Viral Marketing geht nach hinten los

13. April 2006, 10:05
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Internetuser reagieren zynisch und verweisen auf Klimaerwärmung

Viral Marketing bedeutet, den Konsumenten die Werbung mitgestalten zu lassen und ist einer der jüngsten Trends in der Werbebranche. Dass diese Werbeform nicht mit jedem Produkt funktioniert, hat die Automarke Chevrolet mit ihrem neuesten Modell 2007 Tahoe zu spüren bekommen. Mitte März stellte Chevrolet eine Internetseite chevyapprentice.com online, die es den Besuchern ermöglichte, eine Anzahl von Videoclips mit ihren eigenen Werbeslogans zu vervollständigen. Viele Teilnehmer haben diese Gelegenheit zum Anlass genommen, sich auf ironische und zynische Weise über den hohen Benzinverbrauch von Geländelimousinen und die Klimaerwärmung lustig zu machen.

Goldrauschfieber

Laut Melias Tezanos, Pressesprecherin bei Chevrolet, sei nicht geplant diese Clips von der Seite zu nehmen, berichtet die New York Times. In einem der Clips fährt das Automodell durch eine Wüstenlandschaft. Ein zynischer Slogan zum Clip lautet: "Das Öl unseres Planeten ist beinahe aufgebraucht. Man benötigt kein GPS, um zu sehen wohin uns dieser Weg führt" . Tezanos sagte, dass Chevrolet mit sowohl guten als auch schlechten Reaktionen gerechnet habe. Das Bedürfnis der Unternehmen nach von Kunden geschaffener Werbung sei so groß, so Drew Neisser, Chef der Agentur Renegade Marketing http://www.renegademarketing.com , dass Firmen bereit seien die Risiken auf sich zu nehmen. "Es herrscht ein Goldrauschfieber, was verbrauchererzeugte Inhalte betrifft", sagte Neisser weiter.

Werbung und Information

Neisser bezweifelt, dass sich die Marketingleute bei Chevrolet tatsächlich mit dem Internet auseinandergesetzt haben. "Haben die wirklich erwartet, dass die Verbraucher nette und liebenswürdige Clips machen würden? Wenn ja, dann haben sie sich wohl auf YouTube.com kaum umgeschaut", so der Chef von Renegade. Die Präsidentin von Pepsi-Cola Nordamerika, Dawn E. Hudson, zeigt sich vorsichtiger im Umgang mit dieser Form von Werbung. "Einer der Gründe für unsere Zurückhaltung ist die Vermischung von Werbung und Information", so Hudson.

Viral Marketing wird gerne von Unternehmen wie etwa Sony oder Chrysler eingesetzt, die damit eine junge, computererfahrene Zielgruppe ansprechen wollen, die dann diese Marketing-Botschaften im Netz verbreiten. Viral Marketing funktioniert auf dem Prinzip von Mundpropaganda. Über soziale Netzwerke wird kostengünstig Aufmerksamkeit auf Marken und Produkte gelenkt. Berühmte Beispiele dieser Werbeform sind die Low-Budget-Produktion Blair Witch Project oder das von Johnny Walker eingeführte PC-Spiel Moorhuhn. (pte)

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