Es geht uns nicht gut

21. Juni 2006, 15:38
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In der "ZiB 1" vom Montag wurde für einen Live-Einstieg aus dem Dürnkrut von Danielle Spera eine schöne Einmoderation gewählt

In der "ZiB 1" vom Montag wurde für einen Live-Einstieg aus dem Hochwassergebiet Dürnkrut von Danielle Spera sinngemäß folgende schöne Einmoderation gewählt: "In Dürnkrut ist die Stimmung bedrückt. Wir schalten jetzt live zu (...), der vor Ort ist. Wie ist die Stimmung?"

Mit klingendem Spiel und jeder Menge guter Laune wurde dort seitens der Feuerwehr im Hintergrund des etwas nervösen Jungreporters versucht, den Fluten zu trotzen. Es handelte sich also nicht gerade um die Eindämmung von Bierduschen beim jährlichen Feuerwehrfest.

Wie ist die Stimmung?

"Wie ist die Stimmung?", das ist überhaupt eine beim kosmischen Gestammel der ORF-Sportberichterstattung ausgeborgte Leerformel, die angesichts der Doping-Affäre von Turin endgültig den fahlen Beigeschmack des Zusatzes beinhaltet: "Mir geht es auch nicht ganz gut."

Beim kleinen Bruder Ö3 zählt diese Frage seit jeher zum guten Ton. "Hallo, von wo rufst du uns an? Aus Mistelbach? Hey, super! Wie ist die Stimmung in Mistelbach?!"

Nichts gegen Mistelbach. Allerdings gebrauchte auch der vom heiklen Thema etwas überforderte und als nächster ORF-Informationschef gehandelte Gerhard Jelinek neulich beim "Runden Tisch" des ORF mehrmals eine knallharte Steigerung dieser Frage angesichts fassungsloser Gewerkschafter bezüglich des Bawag-Skandals: "Wie fühlen Sie sich?"

Wie wir uns "fühlen"?! Wenn es uns gut ginge, dann würdet ihr nicht­ die Kameras draufhalten! (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 5.4.2006)

  • Artikelbild
    foto: orf/ali schafler
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