Rudolf Hundstorfer - Ein bewahrender Präsident

3. Mai 2006, 14:51
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Kompromisskandidat schlägt Reformer aus dem Feld

Wien - Mit Rudolf Hundstorfer (54) als geschäftsführendem ÖGB-Präsidenten bis 2007 setzt der Gewerkschaftsbund ein Signal der Kontinuität. Der Vorsitzende der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft und enge Vertraute von Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) gilt nicht gerade als Reformmotor. Höchstens sanfte Änderungen in der Struktur des ÖGB sind von ihm im nächsten Jahr zu erwarten. Sein Atout im Präsidenten-Poker: Er war der Einzige, mit dem alle Leben konnten. Zusätzlich schaffte Hundstorfer ein ordentliches Krisenmanagement. In die ÖGB-Geschichte geht er als jener Präsident ein, der die BAWAG verkauft hat.

Interimspräsident

Schon dass Hundstorfer nach dem Abtritt von Fritz Verzetnitsch in die Rolle des Interimspräsidenten geschlüpft war, hatte eine gewerkschaftliche Logik. Der Wiener gehört zu keinem der großen gewerkschaftlichen Blöcke, gilt als verbindlich und rhetorisch fähig, was in der für den ÖGB einmaligen Krisensituation jeweils von Bedeutung war. Überraschend an der Entscheidung ist, dass die Gewerkschaftsgranden nicht davor zurückschreckten, gerade einen engen Weggefährten von Ex-Präsident Fritz Verzetnitsch und Alt-Finanzchef Günter Weninger zu ihrem Präsidenten zu machen, war dieses Duo doch wesentlich am BAWAG-Desaster beteiligt.

Der gelernte Kanzleibedienstete Hundstorfer ist eng mit dem Wiener Rathaus verbunden. Im Magistrat der Stadt Wien absolvierte er seine Lehrjahre, arbeitete dann in verschiedenen Verwaltungsbereichen der Gemeinde. Heute gilt er als einer der mächtigsten Männer im Wiener Rathaus: Der SPÖ-Politiker ist Chef der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, FSG-Chef in Wien und Vorsitzender des Wiener Gemeinderates. Gegen seinen Willen geht wenig - zuletzt bewiesen bei sehr rasch wieder schubladisierten Überlegungen, die MA 48 (Müllabfuhr) auszugliedern. Ein Gespräch Hundstorfers mit Bürgermeister Häupl soll gereicht haben.

Netzwerker

Gewerkschaftlich ist Hundstorfer, geboren am 19. September 1951 in Wien, seit fast 40 Jahren tätig, was ihm ein gut funktionierendes Netzwerk eingebracht hat: 1967 Jugendvertrauensmann, ab 1976 freigestellter Personalvertreter, ab 1987 Leitender Referent, ab 2001 Geschäftsführender Vorsitzender der GdG, seit 2003 GdG-Vorsitzender und ÖGB-Vizepräsident, letzteres übrigens mit dem besten Ergebnis aller Präsidiumsmitglieder bei seinem ersten Antreten am letzten Bundeskongress 2003 - ein Zeichen dafür, dass ihm zwar vielleicht nicht alle gewerkschaftlichen Herzen zufliegen, Respekt ihm gegenüber aber garantiert ist.

Wenig Feinde

Was im ÖGB letztlich für Hundstorfer sprach: Er ist nicht gerade ein Mann der Visionen. Reformen ja, aber keine übertriebenen, lehnte er schon jetzt als Interimspräsident eine allzu motivierte Änderung der Strukturen im ÖGB ab - und genau das ist vielen Bewahrern ganz recht. Zusätzlich gehört Hundstorfer nicht zu denen, die andere öffentlich vor den Kopf stoßen. Feinde sind also Mangelware.

Privat

Privat gibt es über Hundstorfer ein nettes Detail, er ist zwar schon drei Mal verheiratet, aber nur mit zwei Frauen. Wie das kommt - die erste Ehefrau ist auch die Dritte. Den drei Verbindungen entstammt eine Tochter, dazu hat der Ex-Handballer und Präsident des Wiener Handballverbands zwei Stiefkinder. (APA)

  • Rudolf Hundstorfer, ÖGB-Chef
    foto: standard/cremer

    Rudolf Hundstorfer, ÖGB-Chef

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