Staatliche Ölgesellschaft übernimmt zwei Ölfelder von ausländischen Konzernen

10. Juni 2006, 14:43
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Total und Eni sollen sich nicht an neue gesetzlichen Bestimmungen gehalten haben

Caracas - Die Regierung von Venezuela erhöht den Druck auf die internationalen Ölkonzerne. Die staatliche Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela (PDVSA) übernahm zwei Ölfelder, die bisher von dem französischen Unternehmen Total und der italienischen Eni erschlossen wurden. Ölminister Rafael Ramirez begründete dies am Montag in Caracas damit, dass sich beide Konzerne nicht an die neuen gesetzlichen Bestimmungen gehalten hätten.

Exxon Mobil und Statoil verkaufen Anteile

Total und Eni hatten Verträge zur Ölförderung in Jusepin und Dacion, zwei von insgesamt 32 Ölfeldern in Venezuela. Andere Ölkonzerne, darunter die US-amerikanische Exxon Mobil und die norwegische Statoil haben sich wegen der Verschärfung der Förderbedingungen bereits entschieden, ihre Anteile an der Ölförderung in Venezuela zumindest zum Teil zu verkaufen.

Die Regierung in Caracas will mehr Einnahmen aus dem Ölreichtum des Landes erzielen als bisher und hat deswegen angeordnet, dass die PDVSA bei jedem Ölfeld über eine Kontrollmehrheit von 60 Prozent verfügen soll. Nach Angaben von Ramirez haben bislang 20 Gesellschaften die neuen Bedingungen akzeptiert, darunter Shell, die spanisch-argentinische Repsol YPF und China National Petroleum.

Alternativangebot abgelehnt

Total-Sprecherin Patricia Marie sagte in Paris, die PDVSA habe ein Alternativangebot zur Zusammenarbeit bei der Ölförderung in Jusepin abgelehnt. Dort werden täglich rund 30.000 Barrel Rohöl (ein Barrel=159 Liter) gefördert. Die italienische Gesellschaft Eni protestierte gegen die Übernahme des Ölfelds Dacion durch die PDVSA und forderte Schadensersatz wegen Vertragsverletzung.

Waffengeschäft mit Russland

Venezuela plant ein millionenschweres Waffengeschäft mit Russland, um aus der Abhängigkeit von den USA herauszukommen. Die USA hinderten Venezuela, ihre in den 80-er Jahren vom US-Militär gekaufte F-16-Kampfjetflotte zu modernisieren, deshalb sei er "bereit, russische Jagdflugzeuge zu kaufen (...), um unseren Boden zu überwachen", sagte Präsident Hugo Chavez am Montag (Ortszeit) anlässlich der Vertragsunterzeichnung über den Kauf von 33 russischen Militärhubschraubern und 100.000 Gewehren.

Die USA wollten, dass die venezolanischen F-16-Jets "nach und nach am Boden bleiben", so der Präsident. Chavez dankte zugleich seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin für das Rüstungsgeschäft. Nach Angaben von Verteidigungsminister Orlando Maniglia hat das Paket einen Wert von rund 200 Millionen Dollar (166 Mio. Euro).

Die Beziehungen zwischen Venezuela und den USA sind seit Jahren gespannt. Chavez warf Washington mehrfach vor, seine Entmachtung betreiben zu wollen. Beim Weltsozialforum in Caracas Ende Jänner bezeichnete er US-Präsident George W. Bush als "größten Terroristen der Welt". US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wiederum verglich Chavez daraufhin mit Adolf Hitler. (APA/AP)

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