"Mensch überlebt, nur unter welchen Bedingungen"

9. Oktober 2006, 18:09
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"Wissenschafterin des Jahres 2005" Helga Kromp-Kolb sprach Montagabend in Graz über Klimaveränderungen

Graz - "Der Mensch kann sich zwar an die unterschiedlichen Klimate anpassen, aber kann er sich auch an die Veränderungen anpassen?" - So die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb am Montagabend in Graz. Die vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zur "Wissenschafterin des Jahres 2005" gewählten Umweltmeteorologin hielt einen von der Akademie Graz organisierten Vortrag zum Thema "Globale Bedrohung Klimawandel".

"Ein wesentlicher Teil unserer Bedürfnisse ist klimaabhängig", so Kromp-Kolb. "Selbst die Art der Arbeit und der Frieden." Die Atmosphäre sei eine sehr empfindliche Schicht. Je nach Zusammensetzung verändere sich die Energiemenge pro Quadratmeter, die auf der Erde zur Verfügung steht.

3,2 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr werden wir nicht mehr los

Der Mensch habe in den Haushalt der Atmosphäre eingegriffen, übermäßig viel CO2 eingebracht, so die Klimaforscherin. Einen Teil würden Pflanzen, Erde und Ozeane wieder aufnehmen, aber: "Von den etwa 6,3 Gigatonnen Kohlenstoff, die wir pro Jahr in die Atmosphäre einbringen, kann sie rund 3,2 Gigatonnen nicht wieder loswerden." Laut Kromp-Kolb seien die Klimaveränderungen nicht abgeschlossen: "Es ändert sich noch immer alles weiter."

Die Wissenschaft versucht, vergangene Klimate mit mathematischen Modellen zu rekonstruieren. Ein Gremium der UNO hätte sieben Emissionsszenarien berechnet. Extremszenarien gingen von einem europaweiten Temperaturanstieg von 1,4 bis 5,8 Grad bis zum Jahr 2100 aus. Im alpinen Raum steige die Temperatur im Winter zwischen 2,5 und vier Grad, bzw. um vier bis sieben Grad im Sommer. Durch die wachsende Breite der Temperatur würde ein Hitzesommer wie 2003 bis zum Jahr 2100 im Normalbereich liegen, so Kromp-Kolb.

Abrupten Klimawandel möglich

Zugleich könnte es zu einen abrupten Klimawandel kommen, so wie das Kippen des Golfstromes. Der "Heizkörper Europas", der für das milde Klima sorge, würde dann kalt werden, so Kromp-Kolb. Eine Abkühlung von bis zu sechs Grad könnte die Folge sein.

Das Problem sei aber nicht, dass sich das Klima zuerst erwärmen und dann wieder abkühlen würde, sondern dass der Mensch Schwierigkeiten hätte, die Veränderungen zu verkraften. Zwei Grad Temperaturanstieg seien eine Grenzzone: Dann würde vermutlich der Golfstrom nicht kippen und sich Ökosysteme vielleicht noch anpassen können. "Die Frage ist nicht, ob der Mensch überlebt, sondern wie viele unter welchen Bedingungen", so Kromp-Kolb. (APA)

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