Die Selbstversorger

21. Juni 2006, 15:38
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Österreich im Frühjahr des Jahres 2006. Die heimische Versorgung mit sehenswerten TV-Produktionen liegt darnieder ...

Österreich im Frühjahr des Jahres 2006. Die heimische Versorgung mit sehenswerten TV-Produktionen liegt darnieder. Am Sonntagabend reduziert sich die Auswahl auf Pilcher oder US-Mainstream, die Flucht ins Kabelfernsehen führt in Sackgassen des ebenfalls schon Dagewesenen. Jetzt ein gutes Buch zur Hand nehmen? Ein Konzert besuchen? Schlafen gehen?

Nein! Eine immer größer werdende Gruppe von Couch-Potatoes will nicht aufgeben. Das Motto der Stunde: Selbstversorgung. Wozu gibt es DVD-Player? Es formierte sich also zum Beispiel die freie Interessenvertretung Sopranos forever, ein Grüppchen zu allem entschlossener Fans, die gemeinsam Serienstaffeln zum lächerlichen Preis von jeweils rund 40 Euro erwerben und damit reihum befreundete Haushalte beliefern, teils gratis, teils gegen eine noch viel lächerlichere "Verleih"-Gebühr. 13 mal 50 Minuten um 4 Euro, und nie wieder Pilcher? Ein Geschenk! Und weitere Selbstversorgergruppen schießen aus dem Boden.

STANDARD-Leser T. etwa versorgt mittlerweile eine wachsende Klientel mit sämtlichen Formel-1-Aufwärmtrainings seit 2002. Herr P. versendet Malcom-Staffeln an befreundete Widerständische. B. und ihre Freundinnen verbringen ganze Wochenenden mit BBC-Verfilmungen von Pride and Prejudice. 180-Minuten-Kassetten mit alten Star Trek-Folgen müssen wieder und wieder kopiert werden. Hoch lebe das Privatarchiv! Und der ORF? Unbestätigten Gerüchten zufolge will er jetzt mit Pilcher-Themenabenden zurückschlagen ... (cp/DER STANDARD; Printausgabe, 4.4.2006)

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