Kopf des Tages: Peter Mitterbauer

20. Juni 2006, 19:48
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Verlässliche schwarz-orange Personalreserve

Wien - Präsident zu sein, das liegt Peter Mitterbauer. Und weil er den Präsidentensessel im Haus der Industrie 2004 nach acht Jahren räumen musste, verschaffte er sich eben neue. In der Forschungsförderungsgesellschaft FFG zum Beispiel, und nun auch in der Verstaatlichtenholding ÖIAG. Bei Andritz, Generali Holding Vienna, Oberbank, Telekom Austria, Teufelberger, VA Tech und der W. Hamburger Holding begnügt sich der diplomierte Maschinenbauer (TU Graz) mit einfachen Aufsichtsratsmandaten.

"Gott sei Dank", sagen einflussreiche ÖVP-Industrielle, sonst würde die "oberösterreichische Mafia" ganz Österreich kontrollieren. Zu selbiger gehört der Industrielle Mitterbauer, dessen Vater den einfachen Schlossereibetrieb in Laakirchen zum renommierten Autozulieferer Miba ausgebaut hat, unbestritten. Zugerechnet werden ihr auch Zellstoff-Produzent Alfred Heinzel, der Papier-Industrielle Thomas Prinzhorn, Ex-Leykam- und nunmehr Sappi-Europa-Chef Wolfgang Pfarl sowie Ex-Frantschach-Chef Veit Sorger - eine Jagdgesellschaft, die im Jahr 2000 die "Wende" zu Blau-Schwarz forciert und daran mitgebaut hat.

Die hat die Industriellenvereinigung (IV) und mit ihr die ÖIAG fest im Griff, erneuert sich der ÖIAG-Aufsichtsrat doch turnusmäßig selbst.

Im Griff hat sie freilich auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dessen Homepage die IV in der Ära Mitterbauer großzügig gesponsert hat - "um ein liberales Gegengewicht zum Populismus des Jörg Haider zu schaffen", wie die Geldgabe jenseits der 200.000 Euro seinerzeit begründet worden war. Mit Kinder- und Schäferhund-Fotos war der KHG-Webauftritt dann zwar nicht liberal, mit Körperschaftssteuersenkung und Gruppenbesteuerung dafür aber großzügig und mit Sicherheit im Interesse der Industriellen. Dass Mitterbauer (und mit ihm sein innerhalb der IV scharf kritisierter Generalsekretär Lorenz Fritz) eine Rechtfertigung für das verschenkte Homepage-Geld bis heute schuldig geblieben ist, darf übrigens nicht verwundern, denn der 64-Jährige lässt sich auf solche Nebensächlichkeiten erst gar nicht ein: Pragmatisch, statt diplomatisch, heißt die Devise. "Und schon gar nicht charismatisch", fügen Weggefährten keck an. Schließlich müsse das Zepter in der Familie bleiben, ob die nun Mitterbauer heiße oder IV, sei egal.

Zu den Jagdtrophäen, die die Mitterbauer'schen Anwesen in Ebensee und Laakirchen zieren, kommt demnächst der "David" hinzu. Ihn bekommt der ehrgeizige Vielarbeiter demnächst vom Interessenverband der Anleger, weil er Generali-Aktien gekauft hat und dabei Insiderinformationen missbraucht haben könnte. Wer den Familienbetrieb einmal übernehmen wird, ist offen, denn Sohn und Tochter studieren noch. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.4.2006)

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