Steve Jobs und Apple - Geschichte eines außergewöhnlichen Konzerns

2. Mai 2006, 11:19
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Kritische Biographie rechtzeitig zum 30-jährigen Firmenjubiläum des Computerherstellers nun auch auf Deutsch

An Steve Jobs scheiden sich die Geister. Die Apple-Gemeinde verehrt den Mitbegründer des kalifornischen Hightech-Unternehmens als Visionär und geschmackvollen Computerpionier. Etliche Zeitbeobachter und Journalisten halten den Chef von Apple Computer dagegen für einen durchtriebenen Egomanen mit schlechten Manieren, der seine Erfolge fast immer auf Kosten seiner Mitarbeiter erzielt hat. Die Autoren Jeffrey S. Young und William L. Simon gehören zweifelsfrei zu den Kritikern von Steve Jobs.

Inoffiziell

Als im Frühjahr 2005 in den USA die nicht autorisierte Biografie "iCon" von Young und Simon erschien, entsprach die Reaktion von Jobs dem Bild, dass die beiden Autoren von dem Apple-Boss gezeichnet hatten. Tobend vor Wut verbannte Jobs mit einer persönlichen Anweisung sämtliche Titel des Verlags John Wiley & Sons aus den firmeneigenen Apple-Stores, darunter die populäre "Dummies"-Reihe. Schon der Titel des Buchs empfand Jobs als Provokation. "iCon" heißt zum einen "Ikone", kann als "I con" aber auch "Nein-Sager" sowie als "Hochstapler", "Bauernfänger" oder "Schwindler" gelesen werden.

Indirekt

Der Frankfurter Scherz-Verlag, der rechtzeitig zum 30-jährigen Firmenjubiläum von Apple Computer am 1. April 2006 die deutsche Übersetzung des Buches auf den Markt gebracht hat, will diesen Angriff nicht schon auf dem Buchcover führen. "Steve Jobs und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens" lautet der harmlose Titel der deutschen Ausgabe und zeigt die Silhouette von Jobs vor dem Apple-Symbol. Dabei beschäftigt sich das Buch nicht nur mit Apple, sondern mit drei Unternehmen: Apple, NeXT und Pixar.

Probleme

Charlotte Lyne, die "iCon" aus dem Amerikanischen übersetzt hat, verliert denn auch in dem Firmengeflecht den Überblick und ordnet zum Börsengang von Pixar auf Seite 317 vier führende Mitarbeiter des Studios fälschlicherweise Apple zu. (Aus "Within the company, four man were blessed by the IPO but not through Steve's willing generosity." wird in der deutschen Ausgabe "Bei Apple gab es vier Männer, für die sich der Börsengang als ein Segen erwies, aber das hatten sie keinesfalls Steves Großzügigkeit zu verdanken.")

Der erste Teil des Buches stützt sich weit gehend auf die Recherchen des Journalisten Michael Moritz, der schon in der Neujahrsausgabe des Time Magazine 1983 Steve Jobs als charismatisches, aber charakterschwaches Computer-Wunderkind porträtiert hatte. Time wollte damals eigentlich Steve Jobs zum "Mann des Jahres" auf das Titelblatt heben, rückte aber nach warnenden Hinweisen ihres Silicon-Valley-Korrespondenten Moritz von diesem Plan ab und ernannte den Personal Computer zur "Maschine des Jahres". Die Schilderungen von Moritz, die dieser später in seinem Buch "The Little Kingdom" ausgearbeitet hatte, werden von Young und Simon durch dünn belegte, unappetitliche Details ergänzt. Jobs ist der junge Schnösel, der zu beschäftigt ist, die Toilettenspülung zu bedienen. Der nicht weiß, wann man sich mal besser duschen sollte. Der Tyrann, der Mitarbeiter mit obszönen Bemerkungen provoziert.

Nachlesen

Young und Simon versuchen zwar auch, das Charisma von Jobs zu beschreiben, mit dem dieser seine Ingenieure zu Höchstleistungen antreibt, Finanzmogule um den Finger wickelt oder seine Kunden in den Bann zieht. Doch schnell landen die beiden Autoren wieder im kritischen Stakkato. Wer diese Seite von Steve Jobs näher kennen lernen möchte, kann sich beispielsweise auf der Website www.folklore.org ein Bild machen. Hier hat Andy Hertzfeld, einer der maßgeblichen Schöpfer des ersten Apple Macintosh, Episoden aus dieser frühen Apple-Geschichte gesammelt.

Ausrichtung

Der zweite Teil des Buchs orientiert sich dagegen so stark an der Biografie "The Second Coming of Steve Jobs" von Alan Deutschmann, so dass der Reporter des US-Magazins "Fast Company" sich lautstark über die Übernahme kompletter Textpassagen durch Young und Simon beschwerte. Im Mittelpunkt steht hier der spannende Abschnitt der Karriere von Jobs, nachdem er 1985 vom damaligen Apple-Chef John Sculley gefeuert worden war.

Mit seinem Geld aus dem Börsengang von Apple gründete Jobs die Computerfirma NeXT und kaufte die Trickfilmabteilung von George Lucas, aus der dann das Animationsstudio Pixar wurde. Nach einem holprigen Weg und kurz vor der persönlichen Pleite gelang es Jobs dann, Pixar mit Trickfilmen wie "Toy Story" und "Findet Nemo!" zum Erfolg zu führen. Das letzte Kapitel dieses Stücks, der Verkauf von Pixar an Disney, ging dann nach der Drucklegung des Buches über die Bühne.

Die Rückkehr

1996 wurde Steve Jobs von Apple in das krisengeschüttelte Unternehmen zurückgeholt. Mit Hilfe des Designcomputers iMac und der unglaublichen Erfolgsgeschichte des Musikplayers iPod führte er dann Apple wieder in die erste Reihe der Hightech-Gesellschaft zurück. Diese Phase wird von den beiden Autoren vergleichsweise wohlwollend begleitet. Sie haben auch eine Ursache für die Erfolgssträhne von Steve Jobs ausgemacht: das Familienglück mit Laurene Powell, die er im März 1991 heiratete, und den drei Kindern. (APA)

Link

Apple

Jeffrey S. Young/ William L. Simon: Steve Jobs und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens Scherz Verlag, Frankfurt/Main, 456 Seiten, Euro 19,90 (D), ISBN 3-502-15052-4

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