Neue Köpfe für Staatsholding

20. Juni 2006, 19:48
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Führungswechsel im Aufsichtsrat der Verstaatlichtenholding: Für Privatisierungen ist künftig Peter Mitterbauer zuständig - 225 Millionen Euro Dividende

Wien – Den Beschluss für den Post-Börsengang hat der alte ÖIAG-Aufsichtsrat unter Alfred Heinzel doch nicht mehr durchgeboxt. Zwar hatte dies die ÖIAG auf ihrer Homepage am Montag stolz verkündet, den entsprechenden Text am Nachmittag aber wieder vom Netz genommen.

Verdacht auf Insiderhandel

Somit obliegen Durchführung und Verkauf von bis zu 49 Prozent "gelber" Aktien über die Wiener Börse dem runderneuerten Kontrollgremium der Verstaatlichtenholding unter seinem neuen Aufsichtsratspräsidenten Peter Mitterbauer. Er wurde am Montag – trotz Verdachts auf Insiderhandel, den die Finanzmarktaufsicht FMA gegen den Miba-Chef hegt – von dem sich selbst erneuernden Aufsichtsrat an die ÖIAG- Spitze gewählt. "Sehr zu meiner Freude", wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser nach der einzig aus ihm selbst bestehenden ÖIAG-Hauptversammlung betonte.

Dass der Kauf von Generali- Aktien, den Mitterbauer (er ist Aufsichtsratspräsident der Generali Holding Vienna, Anm.) just zu dem Zeitpunkt tätigte, als die Generali-Mutter in Triest den Rückzug von der Wiener Börse beschloss, keinen schlanken Fuß macht, stört Grasser nicht. Damit ihm ähnliches bei der Telekom nicht passiert, will Mitterbauer, der "nichts Unrechtes getan hat", sein TA-Mandat zurücklegen und Aktienbesitz an ÖIAG-Beteiligungen der FMA melden und offen legen, wie er betonte. So eine Offenlegung könnte allen ÖIAG-Räten blühen, rühmt sich die ÖIAG doch, der Corporate Governance in Österreich zum Durchbruch verholfen zu haben.

Drei neue Aufsichtsräte

Neben Mitterbauer wurden drei neue in den Aufsichtsrat berufen: Ex-Börsenvorstand Stefan Zapotocky, Wolfgang Pfarl (Europachef des Papierkonzerns Sappi) und VW-Vor 2. Spalte stand Wolfgang Bernhard. Sie ersetzen Heinzel und IV-Präsident Veit Sorger, deren Mandate turnusmäßig abgelaufen sind, sowie Brau-Union-Konzernchef Karl Büche (gegen ihn wird, wie berichtet, wegen Verdachts auf Insiderhandel ermittelt) und Ex-Palmers-Managerin Astrid Gilhofer, die mehr oder weniger freiwillig abgetreten sind.

Sehr lang dürften die laut ÖIAG-Gesetz 2000 "frei von politischem Einfluss" agierenden zehn Kapitalvertreter übrigens nicht mehr tätig sein: Selbst in der ÖVP ist bereits offen davon die Rede, das ÖIAG- Gesetz nach der Wahl im Herbst so zu ändern, um als Eigentümer wieder direkt in der ÖIAG präsent zu sein. Weil die Kapitalvertreter weder so unabhängig seien, wie sie vorgeben, noch die Republik so tun solle, als habe sie mit ihren Firmen nichts zu tun. Gesichert ist übrigens ein Großteil der Forschungsanleihe für 2007: Die ÖIAG schüttet 225 Millionen Euro Dividende aus. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Auagabe, 4.4.2006)

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    Peter Mitterbauer

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