Wenn der Eigentümer schläft

1. März 2007, 15:00
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Österreichs Erfolgsbanken notieren an der Börse - Problemkinder sind die anderen

In den vergangenen Wochen haben Erste Bank, Bank Austria Creditanstalt und Raiffeisen International Rekordergebnisse für das Jahr 2005 präsentiert. Die Bank Burgenland kam hingegen durch eine vermurkste Privatisierung in den Schlagzeilen, die Bawag durch den größten Finanzskandal der Nachkriegsgeschichte - und die außerhalb von Kärnten wenig bekannte Hypo Alpe-Adria durch eine schief gegangene Devisenspekulation, die dem kleinen, aber forschen Institut hunderte Millionen Euro gekostet hat.

Was dabei auffällt: Die Stars in Österreichs Bankenszene notieren an der Wiener Börse oder gehören zu börsennotierten Konzernen. Die Verlierer hingegen sind im Besitz von Bundesländern oder politischen Vereinen wie dem ÖGB.

Das - und nicht etwa das Parteibuch der Manager - ist der Schlüssel, um die so wechselhafte Bilanz der österreichischen Bankenlandschaft zu begreifen. Wenn Banker morgens mit Respekt und etwas Furcht an ihren Eigentümer denken, dann werden sie während des Tages klug und risikobewusst handeln. Wenn sie jedoch wissen, dass der Eigentümer schläft und nur gelegentlich um eine politische Gefälligkeit bittet, dann tritt das ein, was Ökonomen als "Moral Hazard" bezeichnen: Ein schlecht kontrollierter Manager ist versucht, hoch zu pokern. Für Erfolge wird er hoch belohnt; Verluste kann er hingegen leicht verstecken und im schlimmsten Fall sich aus dem Staub machen.

Nicht nur die Bawag, auch die Jörg Haider treue Kärntner Hypo war seit Jahren dafür bekannt, dass sie "hart am Wind segelt" - also Risiken eingeht, die andere scheuen. Das brachte viel Wachstum und große Gewinne. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Ding einmal schief gehen würde.

Denn wenn in der Vorstandsetage das große Rad gedreht wird, dann schwindet auch im Mittelbau das Verantwortungsbewusstsein. Ein Mitarbeiter, der auf einen Schlag 328 Millionen Euro verliert, der ist mehr als ein fauler Apfel. Bei der Hypo hat - wie einst bei der britischen Barings Bank - das interne Kontrollsystem versagt.

Auch die Börsen sind nicht immer gerecht, und so mancher Manager ist nach Verlusten mit einem goldenen Handschlag von dannen gezogen. Aber die Märkte fordern unbarmherzig jene Transparenz ein, die in der ÖGB-Zentrale und im Klagenfurter Landhaus stets ein Fremdwort war.

Deshalb wäre der Verkauf der Bawag an ein Unternehmen, das sich am Kapitalmarkt orientiert, das Beste für die Bank, für ihre Mitarbeiter und ihre Kunden. Der ÖGB entledigt sich damit einer Last, die ihm zuletzt nur finanzielle und politische Kopfzerbrechen bereitet hat.

Warten würde gar nichts bringen: Vor einigen Jahren wäre sicher ein höherer Preis herauszuholen gewesen, doch in der jetzigen Atmosphäre droht die Bawag täglich an Wert zu verlieren. Und für ihr dichtes Kundennetz sind andere Institute offenbar bereit, einiges auf den Tisch zu legen.

Vor drei Jahrzehnten mögen Banken noch als strategisches Instrument für Regierungen und als Spielwiese für Politiker nützlich gewesen sein. Doch heute ist das Finanzgeschäft so kompliziert geworden, dass mangelhafte Kontrolle und nicht kommerzielles Denken unweigerlich zu Verlusten führt - wenn nicht sofort, dann später.

Das gilt für die zahlreichen Landesbanken jeder Couleur und auch für jene politisch einschlägigen Genossenschaften, die mehr oder weniger eigentümerlos dahinwerken. Unter den vielen Raiffeisenkassen und Sparkassen befinden sich einige tickende Bomben; doch niemand weiß genau, welche hochgehen werden. Nach rot und blau-orange könnte die nächste Bankenaffäre eine schwarze sein.

Die unsinnigste Konsequenz aber wäre, den Banken jetzt Spekulationsgeschäfte zu verbieten, wie dies Finanzminister Karl-Heinz Grasser andeutet. Banken müssen - genauso wie Privatanleger - gewisse Risiken eingehen, wenn sie eine gute Rendite erwirtschaften wollen. Das Risiko gehört zum Bankgeschäft dazu - die Gefahr ist der Übermut. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.4.2006)

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