Das große Krabbeln

10. September 2007, 10:55
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Auf der Mauer auf der Lauer sitzt die kleine Wanze. Und die Blattlaus, die Spinnmilbe, die Weiße Fliege...Schädlingsspritzmittel im Test

Auf der Mauer auf der Lauer sitzt die kleine Wanze. Und die Blattlaus, die Spinnmilbe, die Weiße Fliege...Sie alle warten darauf, dass die Topfpflanzen, die zum Überwintern ins Haus gebracht wurden, endlich wieder ins Freie kommen. Wie man sein geliebtes Grün vor den gefräßigen Krabblern am besten schützen und bereits befallene Pflanzen von ihnen befreien kann, hat Romana Hasenöhrl herausgefunden.

Alles, alles tut man für sie. Im Herbst werden sie in den Keller oder Wintergarten getragen, die empfindlichen Topfpflanzen, damit sie nur ja nicht erfrieren. Im Frühling werden sie wieder in den Garten geschleppt, in den zarten Schein der Frühlingssonne. Und wie danken sie diesen Aufwand? Mit Blattläusen!

"Pflanzen, die den Winter im Haus verbringen, sind besonders anfällig für die gefräßigen Insekten", sagt Hobbygärtnerin Elisabeth. Weil sie schwächer seien als ihre robusten Kollegen, die den Winterfrost überstehen können. Auch Elfi aus dem Bioladen ist dieser Meinung. "Nur eine geschwächte oder bereits kranke Pflanze zieht Schädlinge überhaupt erst an", meint sie und erklärt, dass man seinen Pflanzen prinzipiell Gutes tut, indem man sie ab und an mit einem Auszug an ätherischen Ölen besprüht.

Das ist die Vorsorge, voll biologisch. Was nun aber mit den Pflanzen, die es bereits erwischt hat? Helfen Öko-Mittel da überhaupt noch? Wie groß ist der Aufwand, wie hoch sind die Kosten? Wie sieht die Pflanze nach der Behandlung aus? Und ist das Mittel für die Innenanwendung zu empfehlen? Eine kleine Gruppe von Hobbygärtnern und Pflanzenliebhabern hat sich daran gemacht, all diese Fragen zu beantworten.

Die Kriterien

Bei der Auswahl der Produkte hielten sich die Tester an "milde" Mittel, die für Bienen und andere Nützlinge nicht gefährlich sind. Aus der großen Produktpalette konnte wohlgemerkt nur eine begrenzte Auswahl getroffen werden - die meisten Firmen bieten zum Beispiel sowohl Mittel zum Spritzen als auch solche zum Einsatz im Wurzelbereich an. Für die Wertung relevant waren Aufwand, Wirksamkeit, Geruchsbelästigung sowie Kosten und Ausgiebigkeit.

>>>Die Ergebnisse

Die Ergebnisse

Schildlaus-Frei von Dr. Stähler, Konzentrat zum Verdünnen und Spritzen, 7,70 Euro für 100 ml (z. B. im Gartencenter Posch in Wals)
Zwischen 50 und 100 Milliliter des Konzentrats müssen mit 10 Liter Wasser verdünnt und dann auf die Pflanzen gespritzt werden. Zwei Hobbygärtnerinnen lehnten sofort ab: "Diese Patzerei tu' ich mir nicht an", lautete das Argument. Die Dritte war zufrieden: Ihre behandelten Pflanzen waren nach ein bis zwei Behandlungen innerhalb von zwei Wochen lausfrei. In Sachen Ausgiebigkeit wurde dieses Mittel neben dem Hausmittel Schmierseifenlösung mit Abstand als bestes deklariert, außerdem zeigten die Blätter der Pflanzen eine Woche nach der Lausfreiheit einen "wunderbaren, satten, dunkelgrünen Glanz", was die Gärtnerin zu wahren Jubelstürmen bewegte. 9 Punkte

Substral Plant Pin, Dünge- und Anti-Blattlaus- Stäbchen, 4,45 Euro für 15 Stück (z. B. bei dm)
Die äußerst praktischen Stäbchen werden in die Erde gesteckt und geben mit dem Aufweichen durch das Gießwasser ihre Wirkstoffe ab. Die behandelte Pflanze war nach einmaliger Gabe und sechs Tagen Wartezeit lausfrei. Was die Hobbygärtner faszinierte, war die einfache Anwendung und die Kombination mit Dünger - vor allem nach der Winterruhe sprießen die Pflanzen dann besonders kräftig. Wermutstropfen an diesem Produkt: Die Stäbchen riechen einfach ekelhaft. Der Geruch vergeht allerdings nach Einbringen in die Erde. Ginge es nur nach dem Aufwand, wären die Plant Pins eindeutig Sieger, vom Kosten-Nutzen-Faktor liegen sie aber im oberen Segment, und der Geruch tat das Seinige. 8 Punkte

Substral Schädlingsfrei, Spray gegen Läuse und Spinnmilben, 7,95 Euro für 500 ml (z. B. bei dm)
Wie bei allen Sprayprodukten stellt sich die lästige Nebenwirkung des Tropfens ein, selbst wenn man noch so exakt arbeitet. Dieser Spray kam jedoch wegen seines angenehmen Duftes besonders gut bei den Testern an: "Das kann man bedenkenlos auch drinnen verwenden", meinte eine geruchsempfindliche Testerin. Verwendet wurde der Spray für Zitruspflanzen. Die Schädlinge waren nach zwei Anwendungen und einer Woche weg, dafür aber auch einige Blätter des empfindlichen Gewächses. Die verbliebenen glänzten satt und gesund. Beunruhigend für die Biogärtner ist der Hinweis auf der Flasche, dass das Mittel auch für Florfliegen schädlich ist, denn Florfliegen sind die natürlichen Feinde der Blattläuse. Der nette Herr im Gartencenter brachte die Aufklärung: Alle Präparate, die man direkt auf die Schädlinge sprühen muss, sind auch gefährlich für alle anderen Insekten, die man erwischt. Es ist also sorgsamster Umgang mit Sprays anzuraten - auch, wenn sie zum Beispiel als bienenfreundlich deklariert sind, können sie für andere Nützlinge gefährlich sein. 8 Punkte

>>>weitere Ergebnisse

Blattlausfrei von Neudorff, Spray gegen Blattläuse, weiße Fliegen und Spinnmilben, 6,79 Euro für 250 ml (z. B. im Gartencenter Posch in Wals)
Dieser aus Kali-Seife hergestellte Spray wurde an einem Hibiskus (mit Blattläusen) und einem Rosenstöckchen (mit Spinnmilben) getestet. Wie bei allen Sprays hatte die Gärtnerin mit triefenden Blättern und in der Folge einer verschmierten Kommode zu kämpfen, die vier Anwendungen in zwei Wochen machten sich aber bezahlt: Beide Pflanzen waren befreit. Die Testerin lobte den "seifigen Duft" des Produkts und die Tatsache, dass es auch für Hydrokulturen geeignet ist. Das Preis-Mengen-Verhältnis brachte einen Punkteabzug. 7 Punkte

Schmierseife, zum Beispiel von Manol, 1,59 Euro für 500 g (z. B. bei dm)
Ein Esslöffel Schmierseife wird in einem Sprühgefäß mit einem Liter Wasser verdünnt. "Mit Schmierseife bekommst du saubere Läuse, sonst nichts", ätzte ein frustrierter Lausbekämpfer - die über zwei Wochen andauernde Behandlung zeigte aber durchaus Wirkung. Der Unterschied zu den Fertigprodukten: Es waren mehr Behandlungen nötig. Wie bei allen Sprühmitteln trat auch hier das Problem des Tropfens auf, der Geruch der Mischung wurde aber als "angenehm zitronig" beschrieben. Aufgrund der oftmalig nötigen Anwendung schaffte die Schmierseifenlösung nur 7 Punkte

Spritzmittel aus Niempresskuchen, 2,40 Euro für 100 g (z. B. im Reformhaus Herbosan in Freilassing)
Einen Esslöffel Niem auf einen Liter Wasser geben und drei bis vier Tage stehen lassen, dann abseihen und mit einer Sprühflasche auf die Pflanzen spritzen - so erklärte Elfie die Anwendung. Für die Behandlung im Freien sollte das teeähnliche Pulver konzentrierter angerührt werden, es muss dann nicht abgesiebt werden, sondern der Ansatz wird komplett über die Pflanze gegossen. Niem wirkt auch als Dünger. "Kein Wunder, dass den Läusen da der Appetit vergeht!", kreischte eine empfindliche Testerin. Zugegeben: Das Niem-Konzentrat riecht wirklich nicht gut. Aber es wirkt: Nach drei Behandlungen war die Pflanze lausfrei. Die etwas aufwändige Zubereitung und der Geruch bescherten dem Niem-Ansatz wenige Punkte in diesen Kategorien, bei den Bio-Freaks in der Testergruppe war der Niem-Ansatz aber der Favorit. 6 Punkte (Der Standard, Printausgabe 1.4.2006)

Herzlichen Dank an Elisabeth und ihre Testergruppe sowie an Elfie Breit-Seiser vom Reformhaus Herbosan.
Von Romana Hasenöhrl

Bezugsquellen für Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen, die Blattläsuen und Co. ebenfalls den Garaus machen, bietet der Bestellservice der Umweltberatung zum Gratis-Download: Umweltberatung
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    foto: der standard
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