Die Rückkehr der Fürsten

31. März 2006, 18:20
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Das Burgenland will seinen Kulturtourismus forcieren. "Esterházy" soll dabei mehr sein als ein bloßes Logo

"Esterházy" soll dabei mehr sein als ein bloßes Logo, das an die gemeinsame Geschichte erinnert. Die pannonische Adelsfamilie will aktiv mitgestalten.
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Die burgenländischen Kulturevents – Mörbisch und Verwandte – haben durchaus Tradition und in manchen Kreisen sogar richtiggehende Aficionados. Freilich wäre da noch zusätzliches Potenzial, um das bislang eher mit zurückhaltender Scheu geworben wurde.

Zwar besuchten im Vorjahr rund 390.000 Gäste die klassischen Musikveranstaltungen wie eben die Seefestspiele in Mörbisch oder die Opernfestspiele im Römersteinbruch‑St. Margarethen. Der Anteil der Besucher aus den östlichen Nachbarländern war allerdings beinahe schmerzhaft gering: "Aus Ungarn hatten wir letztes Jahr höchstens 200 Besucher. Aus der Tschechischen und Slowakischen Republik so gut wie keine", sagt etwa Dieter Posteiner, Geschäftsführer der Seefestspiele Mörbisch.

Dass man die Region Eisenstadt-Neusiedlersee-Westungarn für Besucher aus aller Welt noch attraktiver machen und als Kulturregion stärker etablieren sollte, meint auch Stefan Ottrubay, Vorstand der Esterházy Privatstiftung und damit sozusagen geschäftsführender Fürst der Pannonien einst beherrschenden Familie: "Wir kennen das enorme kulturelle Potenzial dieses zusammenwachsenden Raumes." Die Familie Esterházy sei zudem "seit Jahrhunderten einer der maßgeblichen Kulturförderer in der Region Burgenland, in Westungarn und auch in der südwestlichen Slowakei".

Sowas verpflichte, deshalb soll diese kulturpolitische Tradition weitergeführt werden, und zwar mit dem jüngst aus der Taufe gehobenen "Kulturkreispannonien", einer überregionalen und grenzüberschreitenden Initiative, die zur zielgerichteten Entwicklung des Kulturlebens der Region beitragen und dieser neue Impulse geben soll – unter der Federführung von Esterházy, wie bei der Präsentation des Projekts am vergangenen Dienstag im Leopold Museum im Wiener Museumsquartier betont wurde.

Der Name Esterházy steht mit dem Eisenstädter Schloss und der Burg Forchtenstein ja nicht nur fürs Burgenland. Schloss Esterháza in Fertöd gilt ja als "ungarisches Versaille" oder doch zumindest Schönbrunn, und die Esterházy-Bauten in der ehemaligen ungarischen Hauptstadt Pozsony prägen bis heute das Stadtbild von Bratislava. Kein Wunder also, dass der "Kulturkreispannonien" sich der architektonischen Denkmäler annimmt.

Kulturviertel

Und das nicht bloß pfleglich. Man will die Kräfte fokussieren, das Haydn-Jahr 2009 soll als Impuls für Eisenstadt genutzt werden. "Der 200. Todestag Haydns bietet uns die Chance, die Region ins Licht der Weltöffentlichkeit zu rücken." Die schon getätigten, Ziel-1-gestützten Investitionen ins Eisenstädter "Kulturviertel" rund ums Schloss will man arrondieren, der im Schloss befindliche Haydnsaal soll mit moderner Technik ausgestattet werden. Und im Zuge einer Schlosserweiterung will Esterházy gemeinsam mit dem Land Burgenland eine Galerie für moderne Kunst des mittel- und osteuropäischen Raumes einrichten.

Das Investitionsvolumen beträgt rund 115 Millionen Euro. Davon entfallen allein 90 Millionen auf die Sanierung und den Ausbau des Schlosses in Eisenstadt. Esterházy will die EU, den Bund, das Land Burgenland und die Stadtgemeinde Eisenstadt als Finanzpartner gewinnen. Mit weiteren privaten Investoren wird ein Private Public Partnership angestrebt.

Der kulturelle Inhalt des "Kulturkreispannonien" soll in den nächsten Jahren mit allen maßgeblichen kulturellen Institutionen im Burgenland, in Ungarn und in der Slowakei weiterentwickelt werden. Pläne für das Südburgenland – traditionelles Batthány-Land – wurden keine erwogen.

Von Markus Böhm

Info

Kulturkreis Pannonien
  • Das Schloss Esterházy
    www.kulturkreispannonien.at

    Das Schloss Esterházy

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