Benimmregeln

31. März 2006, 17:37
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Ohne Glaubwürdigkeit kein Geschäft. Das haben die Konzerne und ihre Bosse spätestens nach dem Enron-Skandal begreifen müssen

Ohne Glaubwürdigkeit kein Geschäft. Das haben die Konzerne und ihre Bosse, allen voran die Finanzindustrie, nach dem Enron-Skandal in den USA und dem tiefen internationalen Börsensturz der Folgejahre schmerzhaft begreifen müssen. Seither rangiert das Reputationsrisiko ganz oben auf der Gefahrenliste. Glaubwürdigkeit, Reputation, damit Vertrauen der Kunden, Käufer und Mitarbeiter, avancierte zum höchsten Gut.

Selbst auferlegte Corporate-Governance-Kodices als Nachweis für anständiges Verhalten kamen ausgehend von den USA in Mode: Unabhängige Aufsichtsräte, Auskunft über Eigengeschäfte der Vorstände, keine Freunderlwirtschaft, verschärfte Prüfungen und Haftungen. Aufsicht. Transparenz.

In Europa fand man das alles etwas überzogen. Auch in Österreich. Bloß nicht zu viele Regulatorien, das würgt die Unternehmensführung. Und ein gutes Einvernehmen mit dem sorgfältig ausgewählten Aufsichtsrat erleichtert halt vieles. Wohl existiert ein heimischer Corporate-Governance-Kodex, weit gehend liegt er aber in der Unverbindlichkeit. Weil solche Benimmregeln ja doch sowieso nur dem selbstverständlichen Anstand entsprechen. Oder?

Bawag und ÖGB beweisen das Gegenteil. Zeigen, was ohne überprüfbare Benimmregeln jahrelang an selbstverständlichen Führungsregeln herumjongliert werden kann. Dabei geht es nicht darum, kein Risiko einzugehen, das ist Teil unternehmerischen Handelns. Es geht auch nicht um das Pfui-Wort "Heuschrecken". Sondern um Manager, die in ihren Spitzenjobs private Interpretationen ihrer Befugnisse statt verbindlicher Corporate Governance leben. (Der Standard, Printausgabe 1.4.2006)

Von Karin Bauer
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