Umstrittener Umzug von Teilen der Boku nach Tulln nun fix

31. März 2006, 19:20
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Finanzierung durch den Bund gefordert - Studierende kritisieren Entscheidung "ohne seriöse Prüfung von Alternativkonzepten"

Wien - Die umstrittene Übersiedlung von Teilen der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien nach Tulln (NÖ) ist fix, sofern der Bund die Finanzierung übernimmt. Der Universitätsrat hat in seiner Sitzung am 28. März das Rektorat ermächtigt, die Infrastrukturvorhaben Tulln und Muthgasse (Wien-Döbling) in den Entwurf für die Leistungsvereinbarung aufzunehmen, erklärte Rektor Hubert Dürrstein am Freitag auf Anfrage der APA. Ab Mai muss die Boku mit dem Bildungsministerium über diese Vereinbarung und damit über die Finanzierung der Bauvorhaben verhandeln.

Speziell das Projekt in Tulln ist heftig umstritten: In unmittelbarer Nachbarschaft zum Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (IFA) der Boku soll dort das Kompetenzfeld "Nachwachsende Rohstoffe und Ressourcenorientierte Technologien" angesiedelt werden. Dazu sollen etwa 2009 die bisher in Wien angesiedelten Bereiche wie Pflanzenwissenschaften, Holzforschung, Naturfasertechnologie und Teile der Chemie in Tulln angesiedelt werden und gemeinsam mit dem IFA und neu angesiedelten Bereichen der Austrian Research Center Seibersdorf das "Universitäts- und Forschungszentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Tulln" (UFT) mit rund 300 Wissenschaftern bilden. Die Bakkalaureat-Studien sollen aber in Wien bleiben und nur Studienprogramme ab dem Master-Level in Tulln angeboten werden.

Im geplanten "Technologiezentrum Muthgasse" sollen Bereiche wie Biotechnologie, Nanobiotechnologie und Lebensmittelbiotechnologie angesiedelt werden. In der Muthgasse gibt es bereits einen großen Boku-Standort.

Kritik

Studentenvertreter kritisierten am Freitag in einer Aussendung die Entscheidung des Uni-Rats, die "ohne seriöse Prüfung von Alternativkonzepten in großer Eile getroffen" worden sei. Der größte Teil der Universitätsangehörigen stehe dem Projekt skeptisch gegenüber, viele fühlten sich nicht ausreichend informiert, so Julian Matzenberger, Studentenvertreter im Senat. Dürrstein betont dagegen, Betriebsrat und Hochschülerschaft zugesagt zu haben, gemeinsam mit Mitarbeitern und Studenten alle Fragen diskutieren zu wollen und gemeinsam "selbstverständlich eine bestmögliche Lösung zu erarbeiten".

Das Alternativ-Angebot der Stadt Wien - eine Flächenumwidmung in unmittelbarer Nähe zum Boku-Hauptstandort in der Peter-Jordan-Straße in Wien-Döbling - bezeichnet Dürrstein als "großartiges Angebot, das man weiterverfolgen wolle". Es biete weitere Möglichkeiten für die Entwicklung der Boku, sei aber auf Grund des Zeitvorlaufs von zwei Jahren nicht für die bevorstehende Leistungsvereinbarung geeignet. Dagegen seien die Vorgespräche mit dem Land NÖ abgeschlossen und der Finanzierungsanteil des Landes zugesagt. (APA)

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