Bank bekommt bald neuen Eigentümer

31. März 2006, 17:49
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Viertgrößte Bank in Österreich sorgte für innenpolitisches Erdbeben - Investmentbank wird mit Käufersuche beauftragt

Wien - Die Gewerkschaftsbank BAWAG - seit der offiziellen Fusion mit der Postsparkasse heißt sie "BAWAG P.S.K." - ist vom Alleineigentümer ÖGB zum Verkauf gestellt worden. Eine Partnersuche für einen Minderheitsanteil sollte ursprünglich mit mehrjähriger Vorarbeit betrieben werden. Daraus wurde nichts. Jetzt trennt sich die Gewerkschaft ganz von ihrer Bank. Wahrscheinlich schon in den nächsten Monaten. Der ÖGB favorisiert eine "Österreich-Lösung".

Vor wenigen Tagen kam ein Milliardenverlust des Jahres 2000 an die Öffentlichkeit, der damals eine Garantie des Eigentümers ÖGB nötig machte, um die Bank vor der Insolvenz zu bewahren.

Der Bankskandal hatte den ÖGB erschüttert, zum Rücktritt des Gewerkschaftspräsidenten Fritz Verzetnitsch und zum Köpferollen auch im Bank-Vorstand geführt.

Nummer vier

Die BAWAG ist mit aktuell rund 1,4 Millionen Kunden und mehr als 57 Mrd. Euro Bilanzsumme die Nummer vier der Großbanken in Österreich. Beschäftigt sind in der Bank rund 4.200 Mitarbeiter, im Gesamtkonzern etwa 6.800. Die BAWAG hat rund 160 Filialen in Österreich, dazu kommt noch der Vertrieb über die rund 1.300 Postämter. Auch im Ausland gibt es etliche Filialen.

Die BAWAG P.S.K.-Gruppe ist mit rund 36,2 Prozent der größte Gesellschafter der Österreichischen Lotterien. Auch an der Oesterreichischen Nationalbank ist sie beteiligt. Wichtige Beteiligungen sind weiters die Schuhhandelskette Stiefelkönig, die die Bank nach finanziellen Turbulenzen im Jahr 2003 übernommen hatte, sowie die zu Jahresanfang 2002 vom US-Konzern Kimball übernommene Klavierfabrik Bösendorfer. Außerdem gehört ihr die Elektrokette Köck Cosmos. In Mittel- und Osteuropa ist die BAWAG P.S.K. in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien vertreten.

Fusion

Entstanden ist die Nummer vier am heimischen Bankenmarkt aus der per 1. Oktober 2005 rechtswirksamen Fusion von BAWAG und P.S.K. - fünf Jahre nach dem Kauf der Postsparkasse durch die BAWAG um 1,28 Mrd. Euro. Seit Juni 2004 steht die BAWAG P.S.K. wieder zu 100 Prozent im Besitz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Die Gewerkschaft hatte den 46,4-prozentigen Anteil der Bayerischen Landesbank (BayernLB) gekauft, die seit 1996 an der BAWAG beteiligt gewesen war.

Um einen Über-Nacht-Kredit an den US-Pleitier Refco im Oktober 2005 war eine erste heftige Debatte entstanden, die bereits den Rücktritt des damaligen Generaldirektors Johann Zwettler zur Folge hatte. Als neuer Chef der Bank wurde der renommierte Wirtschaftswissenschafter Ewald Nowotny ins Haus geholt. Bei den Aufräumarbeiten in der Causa Refco kamen u.a. die umstrittenen wieder aufgenommenen Karibik-Geschäfte der Bank mit dem Sohn ihres früheren Langzeit-Chefs Walter Flöttl, Wolfgang Flöttl, zu Tage. Die Staatsanwälte ermitteln gegen die einstige Bankspitze und gegen Flöttl jun. (APA)

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    foto: standard/cremer
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