Wifo/IHS: Wirtschaft wächst heuer kräftig um 2,5 Prozent

31. März 2006, 19:25
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Beide Institute erwarten etwas stärkeres Wachstum des privaten Konsums - auch den Arbeitsmarkt sehen die Experten etwas freundlicher

Wien - Österreichs Wirtschaft wächst heuer recht kräftig um rund 2 1/2 Prozent, im kommenden Jahr wird sich das reale BIP-Plus aber dann auf kaum mehr als 2 Prozent abschwächen. Das erwarten Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS) in ihrer am Freitag vorgelegten Frühjahrs-Konjunkturprognose.

Gegenüber der letzten Vorhersage von Dezember hat das Wifo seine Annahmen unverändert gelassen, und das IHS hat seine BIP-Erwartung auch nur für das laufende Jahr leicht angehoben. Etwas stärker als zuletzt sehen beide Institute 2006 den Privatkonsum wachsen - begünstigt von guten Lohnabschlüssen und niedriger Inflation. Der Anstieg der Investitionen wird ebenfalls besser erwartet, vor allem die Ausrüstungsinvestitionen dürften sich deutlich beleben.

Den Arbeitsmarkt sehen die Experten etwas freundlicher als zuletzt. Die Beschäftigung sollte 2006 und 2007 um jeweils rund ein Prozent wachsen, wegen des weiter steigenden Arbeitskräfteangebots schlägt sich das aber nicht analog in rückläufigen Arbeitslosenzahlen nieder, so das IHS. Sinken dürften die Arbeitslosenzahlen durch mehr Schulungsmaßnahmen, zunehmen werden die Teilzeit-Jobs, sagt das Wifo.

Weltwirtschaft weiter auf Pfad lebhafter Expansion

Das Wifo geht nun für heuer und 2007 von 2,4 bzw. 2,0 Prozent realem Wirtschaftswachstum in Österreich aus, wie bereits im Dezember prognostiziert. Das IHS hat seine BIP-Erwartung für 2006 von 2,3 auf 2,5 Prozent angehoben und rechnet für 2007 unverändert mit 2,2 Prozent Zuwachs. Im Vorjahr hatte das BIP um 1,9 Prozent zugelegt.

Die Wifo-Prognose beruht nach Angaben des Instituts auf den relativ optimistischen Annahmen, dass die Erdölpreise zwar hoch bleiben, aber nicht mehr weiter steigen; dass der Euro gegenüber dem Dollar nur leicht abwertet; dass die kurz- und langfristigen Zinssätze kaum mehr steigen; dass die Immobilien-Blase in den USA nicht platzt; dass sich in Österreich die Investitionsbremse löst; und dass die Sparneigung der Privathaushalte nicht weiter wächst.

Kräftige Exportentwicklung

Hintergrund der Konjunkturbelebung im heurigen Jahr ist die seit 2004 auf einem Pfad lebhafter Expansion befindliche Weltwirtschaft, wobei sich die Zunahme von Welthandel und globalem BIP auf die Expansion in Asien und Amerika stützen kann, so das Wifo. Österreichs Unternehmen würden von einer kräftigen Exportentwicklung profitieren, das lebhafte Wachstum der Stundenproduktivität in der Industrie trage die weitere Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit.

Die Indikatoren würden auf ein kräftiges 1. Quartal 2006 hindeuten, in den USA wie in Europa, so das IHS. Insbesondere in Deutschland scheine ein nachhaltiger Aufschwung in Gang gekommen zu sein. Dies impliziere positive Impulse für die anderen Staaten im Euro-Raum. Aufgrund der Entwicklung der Weltkonjunktur dürfte die Stärke des Aufschwungs im Laufe des heurigen Jahres aber abnehmen. 2007 werde sich daher der Produktionsanstieg verflachen.

USA mit Abschwächung

In den USA schwäche sich das Wirtschaftswachstum allmählich ab, so das Wifo. Mit dazu beitragen würden die merklichen Zinserhöhungen und ein Ende des Immobilienpreisbooms. Im Euro-Raum übertrage sich die günstige Exportkonjunktur zunehmend auf die Investitionstätigkeit. Hingegen bleibe das Wachstum der Konsumausgaben der privaten Haushalte verhalten. Die deutsche Wirtschaft wachse 2006 dank der guten Exportkonjunktur und der Vorzieheffekte vor der Anhebung der Mehrwertsteuer merklich, 2007 sei dann wegen der restriktiven Budgetpolitik mit einem neuerlichen Rückschlag zu rechnen.

Für die Inflationsrate erwartet das Wifo für heuer einen Rückgang von 2,3 auf 1,7 Prozent, das IHS von 2,3 auf 1,4 Prozent. Nächstes Jahr soll die Inflation bei 1,9 (Wifo) bzw. 1,6 Prozent (IHS) liegen.

Das Maastricht-Defizit des Gesamtstaates sieht das Wifo - wie schon in der Dezember-Prognose - heuer von 1,7 auf 1,9 Prozent des BIP ansteigen, nächstes Jahr soll es auf 1,5 Prozent zurückgehen. Das IHS glaubt für 2006 an einen Anstieg von 1,7 auf 1,8 Prozent. Für 2007 geht das IHS davon aus, dass das im Stabilitätsprogramm angepeilte Defizitziel von 0,8 Prozent erreicht werden kann. Dies erfordere aber eine äußerst strikte Ausgabendisziplin. Die Anstrengungen, einen über den Konjunkturzyklus ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, begrüßt das Institut für Höhere Studien. (APA)

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