Abgekupfertes ICE-Modell

6. Mai 2006, 11:04
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Im Streit um ein Modell des ICE 3 will Modellbahn-Hersteller Märklin gegen kleineren Konkurrenten Piko vor Gericht ziehen

Sonneberg/Göppingen - Im Streit um ein Modell des ICE 3 will der Modellbahn-Hersteller Märklin gegen seinen kleinen Konkurrenten Piko aus Südthüringen vor Gericht ziehen. Piko habe abgekupfert, sagte Märklin-Sprecher Roland Gaugele am Donnerstag. Er bestätigte einen Bericht der "Berliner Zeitung", wonach sein Unternehmen demnächst Klage gegen den Konkurrenten einreicht. In der Konstruktion des Piko-ICE stecke eindeutig schwäbisches Know-how. Piko sehe der Klage mit Gelassenheit entgegen, sagte Geschäftsführer René Wilfer. "Die Züge sind völlig unterschiedlich."

Die 1992 aus einem früheren DDR-Kombinat hervorgegangene Piko Spielwaren GmbH hatte ihren ICE 3 im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht. Der von Branchen-Primus Märklin war früher im Handel. Der Piko-Zug kostet jedoch nur ein Viertel des Märklin-Preises. Den ersten Akt im Streit um das angebliche Plagiat gewann Piko: Anfang März erwirkte das Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen den Verein Plagiarius. Dieser darf nicht mehr behaupten, dass Piko den Zug gefälscht habe. Der Verein hatte Piko im Jänner mit dem Plagiarius-Award ausgezeichnet.

Keine Augen zudrücken

"Die Branche ist nicht so groß, dass wir bei so etwas alle Augen zudrücken können", begründete Gaugele die Klage gegen den deutlich kleineren Konkurrenten. Wann und wo die Klage eingereicht werde, sagte Gaugele nicht.

Die Gebr. Märklin & Cie. GmbH (Göppingen) macht im Jahr einen Umsatz von knapp 150 Mio. Euro, der von Piko (Sonneberg) wird auf 6 Millionen geschätzt. Besonders ärgerlich sei, dass Händler inzwischen nachfragen würden, ob Märklin beim gleichen Hersteller wie Piko in China produzieren lasse, sagte Gaugele. "Dabei produzieren wir zu zwei Dritteln in Deutschland und zu 90 Prozent in eigenen Werken." Der ICE von Piko wird fast komplett in Fernost gefertigt.

Piko-Geschäftsführer Wilfer ist "gespannt" auf die Klage. "Wir haben jedenfalls keine Patentrechte verletzt." Abgekupfert habe seine Firma allenfalls vom Original der Deutschen Bahn. "Und das ist ein erlaubtes Plagiat." Piko hatte bei einem Umsatzplus von mehr als 20 Prozent 2005 bereits im neunten Jahr in Folge einen Gewinn erzielt. Das Unternehmen hat 145 Mitarbeiter, Märklin 1.350. (APA/dpa)

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