Verweigerte Bluttransfusionen: AKH musste Zeugen Jehovas verbluten lassen

31. März 2006, 20:33
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Ärzte betroffen - Patienten hätte ohne weiteres medizinisch geholfen werden können

Wien - Bestürzt von dem Fall jenes 19-jährigen Zeugen Jehovas, den die Ärzte wegen verweigerter Bluttransfusionen verbluten lassen mussten, zeigte sich am Donnerstag der Generaldirektor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), Wilhelm Marhold.

"Mich als Arzt macht das enorm betroffen", erklärte er. Für alle Beteiligten sei es schwer zu verkraften, jemandem absolut nicht helfen zu dürfen, obwohl es medizinisch ohne weiteres möglich gewesen wäre.

Glücklicherweise kämen Situationen mit einer solchen Tragik nicht häufig vor: "Ein Fall mit dieser harten Ausprägung ist mir in 20 Jahren Berufserfahrung das erste Mal bekannt geworden." Meist könne man in Gesprächen mit den Patienten oder deren Angehörigen eine Lösung finden. Die Vorschriften für die Ärzte in solchen schwierigen Situationen könne er als Wiener Spitälerchef jedenfalls nicht ändern, so Marhold, denn es handle sich um bundesgesetzliche Regelungen.

Religionsgemeinschaft beruft sich auf biblische Zeugnisse

Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas beruft sich in ihrem Verbot von Bluttransfusion auf biblische Zeugnisse. Schon lange vor der christlichen Ära habe Blut eine symbolische Bedeutung gehabt, sind die Zeugen Jehovas überzeugt. Es stand für "das Leben, das der allmächtige Gott, der Schöpfer, gegeben hat". Das Verbot, Blut zum Erhalt des Lebens aufzunehmen sei in den Büchern des Moses an mehreren Stellen festgehalten.

Im Besonderen beziehen sich die Zeugen Jehovas dabei auf die Apostelgeschichte im Neuen Testament, wo im Kapitel 15 - in der Übersetzung der Zeugen Jehovas - das Folgende steht: "Denn es hat dem Heiligen Geiste und uns gefallen, euch weiter keine Last aufzulegen, als diese notwendigen Stücke: dass ihr euch enthaltet von den Götzenopfern, vom Blute, und dem Erstickten, und von der Hurerei. Wenn ihr euch davor bewahret, werdet ihr wohl tun".

Gegründet wurde die Gemeinschaft von dem US-Amerikaner Charles Taze Russell Ende des 19. Jahrhunderts als Verlagsgesellschaft der Bibelforscher. Grundlage ihrer Lehre ist der aus der Bibel abgeleitete "Plan Gottes mit der Menschheit". Dem "allmächtigen Gott und Schöpfer" Jehova oder Jahwe, sind seine Zeugen zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet. Als "wahre Christen" müssen sie Zeugnis für ihren Gott ablegen und die Botschaft von seinem Königreich predigen.(APA)

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