Österreichs Fertighaus-Markt zieht an

12. Juli 2006, 16:30
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Im Vorjahr wurde mehr als jedes dritte Ein- oder Zweifamilienhaus in Fertigbauweise errich- tet, insgesamt 5.610. Die Kundenwünsche werden anspruchsvoller, die Häuser teurer

Wien - Im Jahr 2005 wurden in Österreich 5.610 Ein- und Zweifamilienhäuser in Fertigbauweise errichtet, was gegenüber 2004 einen Zuwachs von 4,1 Prozent bedeutet. Das Marktvolumen, sprich der Wert der verkauften Fertighäuser, stieg wegen höherer Verkaufspreise sogar um 10,9 Prozent auf 671 Millionen Euro. Diese Zahlen wurden am Donnerstag von Erich Weichselbaum (Präsident des Österreichischen Fertighausverbandes und Generaldirektor der ELK Fertighaus AG), Frederik Lehner (Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens InterConnection Consulting Group) sowie Johannes Geisler (Geschäftsführer der GriffnerHaus GmbH) in einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien bekannt gegeben.

Durchschnittlich 120.000 Euro

Der Durchschnittspreis für ein Fertighaus (ohne Keller) lag im Vorjahr bei knapp 120.000 Euro, nach 112.282 Euro im Jahr 2004. Dieser Preisanstieg von 6,5 Prozent sei dabei sowohl auf die gestiegenen Energiepreise als auch auf einen erweiterten Leistungs- und Serviceumfang der Anbieter zurückzuführen, berichtete Weichselbaum. Immer mehr Kunden wollen ihre Häuser mit Biobaustoffen, energiesparenden Heizsystemen etc. ausgestattet wissen, außerdem steige auch der von den Kunden gewünschte Fertigstellungsgrad (belags- oder schlüsselfertig) der Häuser weiter an. Um diese Faktoren bereinigt, würden die Zahlen zeigen, dass die Branche preislich sehr sensibel sei, so Weichselbaum. Verteuerungen von sechs Prozent könne sich kein Anbieter leisten, eine ein- bis dreiprozentige Preiserhöhung entspreche aber dem Baukostenindex.

Individualität und Innovation

Der Trend zum Bauen mit ökologischen Materialen sei in der Branche generell zu erkenne, berichtete GriffnerHaus-Geschäftsführer Geisler. Insbesondere die steigenden Preise bei fossilen Brennstoffen hätten seit dem Vorjahr zu rasanten Zuwächsen bei Wärmepumpen- und Holzpelletsheizungen geführt; bei GriffnerHaus seien so bereits mehr als die Hälfte der Häuser mit solchen Alternativheizsystemen ausgestattet worden.

Gerade das Baumaterial Holz, der "Zehnkämpfer unter den Baustoffen" (Geisler), biete beste Wärmedämmung und vereine ein "flexibles, modernes und vor allem trockenes Bauen". Dem trage man bei GriffnerHaus mit dem "Box"-System (siehe Bild links) Rechnung, das durch verschiedene Kombinationen mehrerer Module eine sehr individuelle Gestaltung (etwa Wohnflächen zwischen 130 und 250 m²) bietet. Von diesem Haus wurde ein erstes Musterhaus im vergangenen Oktober in der "Blauen Lagune" errichtet, seitdem seien schon zwanzig Stück verkauft worden, berichtete Geisler.

Fast ein Drittel der Fertighäuser werden übrigens mittlerweile komplett individuell geplant. Ein weiteres Drittel des Marktes seien die so genannten "Typenhäuser", die genau so gekauft werden, wie sie in den Musterhauszentren (zB "Blaue Lagune") ausgestellt sind, das letzte Drittel bestehe aus individuell angepassten Typenhäusern (mit Änderungen beispielsweise bei der Raumaufteilung oder der Dachform).

Fertighaus-Quote stabil

Die Fertighausquote, also der Anteil der Fertighäuser an allen gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern, betrug im Vorjahr 35,7 Prozent (bei insgesamt 15.700 fertig gestellten Ein- und Zweifamilienhäusern). Diese Quote lag 1996 noch bei 22,6 Prozent, stieg bis 2000 rasant auf 30,4 und seitdem moderat weiter an. 2004 wurden erstmals mehr als ein Drittel (34 Prozent) aller gebauten Häuser in Fertigbauweise errichtet.

Die aktuelle Quote von 35,7 Prozent wird Schätzungen von InterConnection Consulting zufolge allerdings auch in den nächsten Jahren beibehalten werden. Im Jahr 2007 sollte erstmals die Schwelle von 6.000 Fertighäusern überschritten werden, hofft man beim Fertighausverband.

Innerhalb des Fertighausmarkts steigt der Anteil der Massivfertigbauhäuser gegenüber den Holzfertigbauhäusern weiter an. 2005 lag er schon bei 31,7 Prozent, heuer sollen Schätzungen zufolge ein knappes Drittel der Fertighäuser in Massivbauweise errichtet werden.

Drei Schlaf-, zwei Badezimmer

Das "typische" Fertighaus weist rund 130m² Wohnfläche auf, besitzt drei Schlaf- und zwei Badezimmer, hat ein 38°-Satteldach und kostet etwa 100-120.000 Euro, so Weichselbaum. Der Trend gehe dabei eindeutig zu Komplettlösungen, berichtete der ELK-Chef weiter. Viele Fertighausanbieter haben mittlerweile Kooperationen mit Baufirmen laufen und können ihren Kunden dadurch die Häuser inklusive dem Bau des Kellers (in Massivbauweise) anbieten.

Niederösterreich führend

Das Bundesland Nr. 1 in Sachen Fertighäusern ist und bleibt Niederösterreich, das mit 1,08 die höchste Quote von neu errichteten Fertighäusern pro 1.000 Einwohnern aufweist. Zweiter in diesem "Ranking" ist das Burgenland mit 1,04 (weitere Plätze siehe unten), der österreichische Durchschnitt liegt bei einem Wert von 0,68. Auch mengenmäßig ist Niederösterreich mit einem Marktanteil von 30,4 Prozent führend, gefolgt von Oberösterreich (16,4%) und der Steiermark (10,4%).

Trend zum Objektbau

Ein weiterer Trend in der Fertighausbranche geht in Richtung Objektbau. Dabei handelt es sich um Gebäude, die nicht zu den klassischen Ein- und Zweifamilienhäusern zu zählen sind; etwa Reihenhausanlagen (und andere gekoppelte Hauseinheiten mit mehr als zwei Wohneinheiten) oder Objekte für den privaten oder kommunalen Bereich (Kindergärten, Schulen, Heime, Hotelanlagen etc.). 2005 seien von den Mitgliedsfirmen des Österreichischen Fertighausverbands (26 Fertighausanbieter und 29 weitere Unternehmen) bereits 207 solcher Bauten errichtet worden, nach 134 im Jahr davor.

Gerade in Ballungszentren werden erschwingliche Baugründe zunehmend zur Mangelware, dies fördere den Trend hin zu "Baugemeinschaften" mehrerer Familien, erzählte Weichselbaum. Zudem ergeben sich dadurch Sparpotenziale in Form von gemeinsam genutzten Anlagen zur Heizung und Warmwasserbereitung, Hobbyräumen oder Wellnesszonen. Weil solche Projekte weniger Außenwände aufweisen, könne man so auch einiges an Energie sparen.

Exporte

Positiv entwickle sich im Übrigen auch wieder der Export österreichischer Fertighäuser. Waren hier bis 2004 stete Rückgänge zu verbuchen, so konnten die Mitglieder des Fertighausverbands 2005 insgesamt 589 Ein- und Zweifamilienhäuser ins Ausland verkaufen, um 4,8 Prozent als im Jahr davor. (map)

Tabelle: Fertighäuser nach Regionen
(Anzahl der Fertighäuser pro 1.000 Einwohner 2005)

Niederösterreich  1,08
Burgenland        1,04
Salzburg          0,83
Vorarlberg        0,78
Kärnten           0,72
Tirol             0,68
Oberösterreich    0,66
Steiermark        0,49
Wien              0,31
(Quelle: InterConnection Consulting)
  • GriffnerHaus "Box" (Musterhaus in der "Blauen Lagune", Wien-Vösendorf)
    foto: griffnerhaus

    GriffnerHaus "Box" (Musterhaus in der "Blauen Lagune", Wien-Vösendorf)

  • GriffnerHaus "Daylight"
    foto: griffnerhaus

    GriffnerHaus "Daylight"

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