Raiffeisen bietet wieder für CEC

30. März 2006, 16:42
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Stepic hat Schmerzgrenze in Rumänien: "Kein Kauf um jeden Preis" - Viel mehr Filialen in Osttöchtern bis 2008

Wien - Raiffeisen macht einen zweiten Anlauf für die zum Verkauf stehende rumänische Großsparkasse CEC (Casa de Economii si Consemnatiuni) mit ihren 1.400 Filialen und 4 Millionen Kunden. Bis Ende April läuft die Frist für verbindliche Kaufangebote. Raiffeisen International (RI) wird bieten.

Eine endgültige Entscheidung aus Bukarest erwartet Raiffeisen International-Chef Herbert Stepic bis Jahresende: "Es wäre für uns eine durchaus interessante Akquisition". Neben einer flächendeckenden landesweiten Präsenz winkten auch Kosten-Synergien mit der bestehenden Rumänien-Operation.

Danach wird wieder der Aktienmarkt für frisches Kapital der Raiffeisen International selbst angezapft. "Aus heutiger Sicht kann man davon ausgehen, dass es 2007 auf alle Fälle eine Kapitalerhöhung geben wird", sagte Stepic am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz.

Die Rede ist im Markt von einer Milliarden-Emission. Das wird von Raiffeisen auch nicht dementiert.

Im ersten Anlauf abgeblitzt

Einen ersten Anlauf um die CEC hat Raiffeisen International schon hinter sich. Anfang des Jahres waren die Bieter allerdings abgeblitzt. Der rumänische Staat wollte mehr Geld für die Bank und stoppte den Privatisierungsprozess fürs erste. Alle Beobachter rechneten mit einer ein- bis zweijährigen Privatisierungsgpause. Dann aber gab Bukarest Nachricht, dass der Verkauf - von nunmehr 85 Prozent - der CEC doch noch heuer über die Bühne gehen soll.

"Wir hatten gehofft, dass die Regierung ernst macht und die CEC erst nächstes Jahr kommt", räumte Stepic heute ein. Dann wäre es, so meint man, wohl etwas billiger geworden. Wo beim Preis seine Schmerzgrenze liegt, verriet er heute nicht. "Es gibt von Verkäuferseite sicher Preisvorstellungen, um mögliche Käufer 'besonders gustig' zu machen", vermutet der Raiffeisen-International-Chef. "Wir machen aber keinen Kauf um jeden Preis".

Eine Milliarde

In rumänischen Medien waren für die gesamte Bank zuletzt Preise um die Milliarde Euro lanciert worden. Stepics lapidarer Kommentar dazu: "Das ist ein sehr hoher Preis". Den Buchwert der CEC schätzen Experten auf 180 Mio. Euro. Die Sparkasse und ihr Filialnetz gelten als höchst modernisierungsbedürftig.

Heuer ist keine Emission junger Aktien von Raiffeisen International geplant. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis der börsenotierten Ostbankenholding der RZB-Gruppe ist aber im Lauf des Jahres 2006 eine Hybrid-Kapital-Anleihe vorgesehen, die auf das Kernkapital anrechenbar ist. Die Transaktion läuft gerade an. Details wie das genaue Volumen und Konditionen dieser für institutionelle Investoren gedachten Emission werden noch nicht genannt.

Voriges Jahr hat die Raiffeisen International für gut eine Milliarde Dollar in der Ukraine die dortige Aval Bank gekauft, wo in nächster Zeit kräftig umstrukturiert wird. Zum heurigen Jahresbeginn (Ende Jänner) wurde der Vertrag über den Kauf der russischen Impexbank abgeschlossen, damit allein kommen heuer 190 Filialen neu dazu. Der Impex-Aktienübertrag erfolgt bis Mitte Mai 2006. Kostenpunkt: 550 Mio. Dollar.

Integrationskosten

Die akquisitionsbedingten Kosten zur Integration von Aval Bank und Impexbank werden im laufenden Jahr 2006 das Ergebnis der RI mit rund 25 bis 30 Mio. Euro belasten.

Bis auf kleine "Begradigungszukäufe" in Ländern, wo man noch nicht so stark vertreten ist wie man möchte, stehen bis auf die genannten Großprojekte zur Zeit keine weiteren Bankenkäufe an. In Polen wäre Stepic zweifellos am Kauf von Filialpaketen interessiert, sollte dort die Bank Austria-Tochter BPH Zweigstellen abgeben müssen.

Bis 2008 will die Raiffeisen International in seinen bestehenden Banken in Ost- und Südosteuropa die Filialzahl von 2.443 (Stand Ende 2005) auf 2.970 anheben. Ein allfälliger Zuschlag für CEC ist darin noch gar nicht enthalten. (APA)

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