Mediziner fordert verpflichtenden Radfahrführerschein für Kinder

31. März 2006, 20:32
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Großteil der verunglückten Kinder waren zwischen zehn und 14 Jahre alt - Radlobby ablehnend

Graz - "Ein Fünftel der Kinder, die im Jahr 2004 bei Unfällen verletzt wurden, waren mit dem Fahrrad unterwegs", erklärte der Grazer Kinderchirurg und Präsident des Vereins "Große schützen Kleine", Michael Höllwarth. Der Großteil der Verunglückten war zwischen zehn und 14 Jahre alt. Um dem entgegenzuwirken, fordert der Mediziner den verpflichtenden Radfahrführerschein für alle Kinder und den Ausbau der aktuellen freiwilligen Prüfung für Zehnjährige in eine Mehrstufenausbildung.

"Kinder mit zehn Jahren sind auch nach Ablegen der freiwilligen Rad-Prüfung nur bedingt fähig, sich im Verkehr sicher zu bewegen", erläuterte der Mediziner. Außerdem hätten sie bereits nach einem halben Jahr wieder vieles vergessen. Deswegen fordert Höllwarth, dass Radfahren ohne Führerschein in Österreich verboten werden sollte. Die StVO-Bestimmung aus dem Jahr 1955, die das Radeln ab Zwölf ohne jegliche Ausbildung erlaubt, sei überholt und entspreche nicht mehr den Anforderungen des heutigen Straßenverkehrs.

Mehrstufenausbildung

Durch eine entsprechende Schulung könnte dies verhindert oder die Zahl zumindest gesenkt werden. Die freiwillige Radfahrprüfung für Zehnjährige sollte zur Mehrstufenausbildung ausgebaut werden: Nach dem - verpflichtenden - "Radfahr-Führerschein Start" mit Zehn seien eine Nachschulung und die Ablegung der Prüfung zum "Radfahr-Führerschein Advance" zwei Jahre später sinnvoll. Eine Weiterführung der Verkehrserziehung bis hin zum Mopedführerschein stelle laut "Große schützen Kleine" eine sinnvolle Ergänzung dar.

Vorbild: Mariazeller Land

Als beispielgebend vorgestellt wurde ein Verkehrserziehungsmodell im Mariazeller Land, wo eine durchgehende schulische Verkehrserziehung von vier bis 15 Jahren nachweislich Erfolge zeitigten: In den vergangenen 20 Jahren sei kein Kind am Schulweg oder als Radfahrer zu Schaden gekommen, so Herbert Berger von der Polizeiinspektion Mariazell. Wiederholt wurde von Höllwarth die Forderung nach einer Helmtragepflicht. So seien 85 Prozent der Hirnverletzungen bei Unfällen vermeidbar, begründete der Kinderchirurg.

Radlobby ablehnend

Ablehnend auf den Vorstoß reagierte die Radlobby ARGUS: Die verpflichtende Prüfung sei der falsche Weg, weil damit das Radfahren unter Kindern - und in der Folge auch unter Jugendlichen und Erwachsenen - zurückgehen würde. Besser wäre es, mehr Augenmerk auf die freiwillige Radfahrprüfung zu legen und statt im Schonraum mehr die Praxis im Verkehrsgeschehen zu üben. "Nicht das 'verkehrsgerechte' Kind sollte das Ziel sein. Vielmehr gehören die Bedingungen auf der Straße so geändert, dass es für Kinder nicht lebensgefährlich ist, mit dem Rad zu fahren", so Evi Doppel von ARGUS.(APA)

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