Steigende Pegel bei Elbe, Moldau und Thaya

30. März 2006, 18:56
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Krisensitzung in Tschechien - 10.000 Evakuierungen - im Grenzgebiet zu Österreich trat die Thaya über die Ufer - Entspannung in Bayern

Dresden/Prag - Die Hochwasserlage an der Elbe in Sachsen ist weiter angespannt. In Bayern hat sich die Situation leicht entschärft. In Südpolen haben nächtliche Regenfälle hingegen für ein erhöhtes Risiko gesorgt. In Tschechien ist die Lage weiterhin kritisch - 10.000 Bewohner evakuiert.

Bayern: Leichte Entspannung

Die Lage in den bayerischen Hochwassergebieten entspannte sich am Donnerstag leicht. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt sind die Wasserstände an den meisten Zuflüssen in Donau- und Maingebiet gesunken. Auch in Passau, wo die Donau am Vortag noch stark angestiegen war, gingen die Pegel deutlich zurück.

Evakuierungen in Tschechien

In Tschechien spitzte sich die Lage bedrohlich zu. Ministerpräsident Jiri Paroubek brach eine Ägypten-Reise ab und setzte für Donnerstagabend eine Krisensitzung der Regierung an. Im Grenzgebiet zu Österreich trat die Thaya über die Ufer. In der Nacht mussten deswegen 10.000 Bewohner der Stadt Znojmo und benachbarter Dörfer in Sicherheit gebracht werden. Zwei Grenzübergänge nach Österreich wurden geschlossen. Die Thaya fließt in die March und diese bei Preßburg in die Donau.

Prag: 1.500 Bewohner auf Evakuierung vorbereitet

In Prag bereitete sich die Bevölkerung auf die Scheitelwelle des Moldau-Hochwassers vor. 1.500 Bewohner von Außenbezirken wurden auf eine Evakuierung vorbereitet, wie Bürgermeister Pavel Bem mitteilte. Die Behörden sind bemüht, eine ähnliche Katastrophe wie im August 2002 zu verhindern. Damals kamen im Hochwasser 16 Menschen ums Leben, die Sachschäden erreichten 2,5 Milliarden Euro.

Prag: Elbe trat über die Ufer

Auch die Elbe trat über die Ufer. In Usti nad Labem (Aussig) kam es zu Störungen im öffentlichen Verkehr. 45 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Die Chemiefabrik Spolana in Neratovice, 30 Kilometer nördlich von Prag, stellte am Donnerstag die Produktion ein, um die Verseuchung der Elbe durch Chemikalien zu verhindern.

Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) relativierte Befürchtungen zum Ausmaß des Elbe-Hochwassers. Die Situation sei kritisch, sie könne aber noch nicht als Katastrophe bezeichnet werden, sagte er bei einem Besuch in der Stadt Pirna. Dort war Katastrophenalarm ausgerufen worden. Tillich stützte sich bei seiner vorsichtigen Entwarnung auf neue Daten aus Tschechien. Demnach stieg die Elbe in den vergangenen Stunden nicht so stark an wie anfangs befürchtet. Die Moldau, die in Tschechien in die Elbe mündet, führe weniger Wasser als erwartet.

Slowakei: Ein Todesopfer

Bei Überschwemmungen in der Slowakei ist am Donnerstag ein 61-jähriger Mann ums Leben gekommen. Der Mann sei in der Stadt Modra im Südosten des Landes ertrunken, teilten die Behörden mit.

Ungarn: Hohe Pegel

In der ungarischen Hauptstadt Budapest sperrten die Behörden wegen Hochwassers einen weiteren Teil der Uferstraße an der Donau. Es sei zu erwarten, dass der Wasserstand bis Samstag sieben Meter übersteige. In Nordungarn erhöhten die Behörden die Alarmstufe, weil die aus der Slowakei kommenden Gebirgsflüsse wegen der Schneeschmelze möglicherweise über die Ufer treten. (APA/dpa/AP)

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    Donau-Promenade in Passau am Donnerstag

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