OÖ: Elternbefragung ergab akuten Handlungsbedarf bei Kinderbetreuung

30. März 2006, 13:17
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Mehr als 8000 Plätze fehlen laut der Arbeiterkammer, die die Veröffentlichung der gesamten Ergebnisse fordert

Linz - Die bisher veröffentlichten Ergebnisse der Elternbefragung des Landes Oberösterreich zur Kinderbetreuung belegen einen dringenden Handlungsbedarf. Der vom Land bekannt gegebene Sofortbedarf von 800 Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige, 300 Plätzen für Kindergartenkinder und mehr als 7000 Plätzen für Volksschulkinder muss umgehend gedeckt werden, fordert die Arbeiterkammer.

Neu ist der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in dieser Größenordnung nicht. Schon die Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria vom September 2002 ist zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Auch das mangelnde Kinderbetreuungsangebot in den Ferien ist in Wirklichkeit seit langem bekannt. Statt ständig neuer Erhebungen sollten daher endlich die dringlichsten Lücken geschlossen werden, so die AK in einer Aussendung.

Bleibende Frage

Mit welchen "zynischen Zahlenspielereien" sich der erhobene Bedarf verringern lässt, beschreibt die AK mittels eines Original-Zitats aus der Pressekonferenz-Unterlage des Landes: "Wenn mit einem Elternbeitrag von mindestens 70 Euro monatlich zu rechnen ist, halbiert sich die Anzahl der Personen, die sicher bzw. eher sicher einen Platz für ihr Kind in Anspruch nehmen möchten. Bei den Volksschulkindern reduziert sich der Bedarf auf ein Drittel. Man kann daher von einer hervorragenden Versorgung in Oberösterreich ausgehen." Die Frage bliebe, ab welcher Höhe des Elternbeitrags der Bedarf auf Null reduziert werden könnte, so die AK.

Angesichts der erhobenen Daten von einer "hervorragenden Versorgung" zu sprechen, ist nach Ansicht der Arbeiterkammer jedenfalls nicht angemessen. Die Angebotslücken müssen sofort geschlossen werden. Im Zusammenhang mit dem angekündigten neuen Kinderbetreuungsgesetz fordert die AK auch eindeutige und verbindliche Regelungen für die Elternbeiträge in Betreuungseinrichtungen und bei Tageseltern.

Ergebnisse vorenthalten

Qualitätsvolle Kinderbetreuung außer Haus dürfe nicht an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern scheitern, betont die AK. Immerhin nennt ein Drittel der Eltern geringe Elternbeiträge als entscheidend bei der Wahl der Kinderbetreuungseinrichtung. Diese müssten daher als Bildungseinrichtungen betrachtet werden, die allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen und örtlichen Herkunft beste Chancen auf Förderung und Entwicklung bieten.

Darüber hinaus fordert die AK das Land Oberösterreich auf, die gesamten Ergebnisse der Elternbefragung zu veröffentlichen - trotz mehrmaliger Anfragen würden der Arbeiterkammer bislang diese Ergebnisse vorenthalten. (red)

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